Blutbad in Afghanistan
Obama bemüht sich um Schadensbegrenzung

Nach den Koranverbrennungen haben die US-Truppen in Afghanistan den nächsten Skandal am Hals: Ein US-Soldat zieht mitten in der Nacht von Haus zu Haus und erschießt Kinder, Frauen und Männer.
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Kabul/WashingtonKnapp drei Wochen nach der Koranverbrennung durch US-Soldaten in Afghanistan hat ein amerikanischer Soldat nach Regierungsangaben 16 Männer, Frauen und Kinder erschossen. Unter den Todesopfern seien neun Kinder, die im Schlaf getötet wurden. Auch drei Frauen und vier Männer gehörten zu den Opfern der Bluttat in der südafghanischen Provinz Kandahar, teilte der Präsidentenpalast in Kabul am Sonntag mit.

Präsident Hamid Karsai sprach von einem „unverzeihlichen Verbrechen“. US-Präsident Barack Obama telefonierte noch am Sonntag mit Karsai und brachte nach Angaben des Weißen Hauses „Schock und Trauer“ zum Ausdruck. Außenminister Guido Westerwelle reagierte bestürzt und fassungslos auf das Blutbad.

Der mutmaßliche Täter sei festgenommen worden, der Fall werde untersucht, teilte der Kommandeur der Internationalen Schutztruppe Isaf und der US-Soldaten in Afghanistan, General John Allen, mit. Im vergangenen Monat hatte die Verbrennung von Koran-Exemplaren durch US-Soldaten auf der ostafghanischen Basis Bagram tagelange Unruhen im Land ausgelöst, mindestens 30 Afghanen wurden dabei getötet. Seitdem wurden auch sechs US-Soldaten durch afghanische Sicherheitskräfte erschossen.

In der Mitteilung Karsais hieß es: „Spät in der vergangenen Nacht drang ein amerikanischer Soldat in die Häuser von Menschen in Balandi Pul, in der Sangabad-Gegend des Distrikts Pandschwai ein, und tötete 16 Zivilisten, darunter 9 Kinder und 3 Frauen.“ Die US-Regierung müsse die Tat dem afghanischen Volk erklären. „Die afghanische Regierung hat diese sogenannten Anti-Terror-Operationen, in denen Zivilisten Opfer erleiden, oft verurteilt. Wenn amerikanische Soldaten aber absichtlich Menschen töten, dann ist das (...) ein unverzeihliches Verbrechen.“

US-Präsident Obama erklärte, das Verhalten des Soldaten sei nicht repräsentativ für amerikanische Militärangehörige. Er versicherte Karsai des „tiefen Respekts für das afghanische Volk und der engen Bande zwischen unseren beiden Ländern“. Er stehe voll hinter der eingeleiteten Untersuchung. Dadurch sollten die Fakten so schnell wie möglich ans Licht kommen. „Dieser Zwischenfall ist tragisch und schockierend.“

Westerwelle erklärte, die Nachricht aus Afghanistan habe ihn „tief erschüttert“. Er sprach von „unverantwortlichem und gänzlich unverständlichen Handeln“ einzelner. „Ich rufe jetzt zu Ruhe, Besonnenheit und Mäßigung auf. Es wäre noch eine Tragödie, wenn jetzt als Reaktion auf diese schreckliche Tat weitere Menschen zu Schaden kämen.“ Zugleich bekräftigte er, dass Deutschland sein Engagement in Afghanistan fortsetzen werde.

Die Taliban verurteilten den Vorfall. In einer Mitteilung sprachen sie von einer „blutdurstigen Tat“ der „barbarischen Amerikaner“, die sie mit Völkermord in Zusammenhang brachten.

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Nato-Generalsekretär bestürzt über Blutbad

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  • Ich bin schockiert! Nicht nur über die Tat. Es steht außer Frage das dieses Verhalten einem psychopathischen Serienmörder gleicht. Nein mich schockiert vor allen dingen die Konsequenz aus diesem und ähnlichen Vorfällen in Afghanistan. Mit diesem Tropfen ist das volle Fass übergelaufen. Wenn wir ehrlich sind dann hat diese Besatzung, die das Ziel hatte das von Afghanistan nie wieder eine Gefahr für denn Westen ausgeht, ihr Ziel klar verfehlt. Es ist doch mittlerweile offensichtlich, das sobald die ISAF abzieht, die Taliban erneut das Kommando übernehmen und wider einen Nährboden für Terroristen bereiten. Und diesmal wird das afghanische Volk dies noch tatkräftiger Unterstützen. Ich würde spätestens nach einer solchen Aktion den Westen auch hassen wenn ich einer von ihnen wäre.
    Mit dem Scheitern dieses Einsatzes ist eins klar geworden das die Militärstrategie der NATO als ganzes überarbeitet gehört.
    Es bring nichts Soldaten im Stile des Comte de Saint-Germain (1707-1778) einzusetzen, die "...unweigerlich aus dem Abschaum des Volkes bestehen und aus all denen, für die die Gesellschaft keine Verwendung hat.“
    Dieses jahrhunderte alte Model ist nun endgültig gescheitert. Es mag bis 1945 funktioniert haben. Aber in der heutigen Zeit, wo der Mensch zum Glück wesentlich mehr Wert ist, funktioniert es nicht mehr mit einem riesigen Haufen "...Abschaum des Volkes..." ein ganzes Volk mit Gewalt zu unterdrücken.
    Momentan sehe ich leider nur zwei Möglichkeiten:
    -Entweder wir entsenden demnächst einen Haufen gut ausgebildeter Psychologen (Akademiker), etc. in die Kampfzone. Was laut dem Comte de Saint-Germain aber "...die Nation zerstören..." würde.
    -Oder wir atomisieren demnächst jedes Volk was sich gegen den Westen stellt. Was zweifellos die günstigste aber Menschenverachtendenste Variante wäre.

    Ich hoffe unsere Politiker finden eine bessere Lösung. Aber so geht es definitiv nicht weiter!

  • Ich bin schockiert! Nicht nur über die Tat. Es steht außer Frage das dieses Verhalten einem psychopathischen Serienmörder gleicht. Nein mich schockiert vor allen dingen die Konsequenz aus diesem und ähnlichen Vorfällen in Afghanistan. Mit diesem Tropfen ist das volle Fass übergelaufen. Wenn wir ehrlich sind dann hat diese Besatzung, die das Ziel hatte das von Afghanistan nie wieder eine Gefahr für denn Westen ausgeht, ihr Ziel klar verfehlt. Es ist doch mittlerweile offensichtlich, das sobald die ISAF abzieht, die Taliban erneut das Kommando übernehmen und wider einen Nährboden für Terroristen bereiten. Und diesmal wird das afghanische Volk dies noch tatkräftiger Unterstützen. Ich würde spätestens nach einer solchen Aktion den Westen auch hassen wenn ich einer von ihnen wäre.
    Mit dem Scheitern dieses Einsatzes ist eins klar geworden das die Militärstrategie der NATO als ganzes überarbeitet gehört.
    Es bring nichts Soldaten im Stile des Comte de Saint-Germain (1707-1778) einzusetzen, die "...unweigerlich aus dem Abschaum des Volkes bestehen und aus all denen, für die die Gesellschaft keine Verwendung hat.“
    Dieses jahrhunderte alte Model ist nun endgültig gescheitert. Es mag bis 1945 funktioniert haben. Aber in der heutigen Zeit, wo der Mensch zum Glück wesentlich mehr Wert ist, funktioniert es nicht mehr mit einem riesigen Haufen "...Abschaum des Volkes..." ein ganzes Volk mit Gewalt zu unterdrücken.
    Momentan sehe ich leider nur zwei Möglichkeiten:
    -Entweder wir entsenden demnächst einen Haufen gut ausgebildeter Psychologen (Akademiker), etc. in die Kampfzone. Was laut dem Comte de Saint-Germain aber "...die Nation zerstören..." würde.
    -Oder wir atomisieren demnächst jedes Volk was sich gegen den Westen stellt. Was zweifellos die günstigste aber Menschenverachtendenste Variante wäre.

    Ich hoffe unsere Politiker finden eine bessere Lösung. Aber so geht es definitiv nicht weiter!

  • Unter den Umständen, unter denen die Soldaten dort arbeiten, wär es eher verwunderlich, wenn einer von ihnen keine psychischen Störungen aufweist.
    Das sie sich dann geleentlich entladen, halte ich für (so schrecklich es ist) - normal.
    Mich wundert eher, wie selten es passiert.

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