Blutige Unruhen in Kabul
In Afghanistan ekaliert die Gewalt

Afghanistan ist am Montag von einer neuen Welle der Gewalt erschüttert worden. Im Süden des Landes wurden bei US-geführten Luftangriffen mehr als 50 Taliban-Kämpfer getötet. In der Hauptstadt Kabul gab es antiamerikanische und regierungsfeindliche Proteste mit mindestens 20 Toten.

HB KABUL. Nach einem Zusammenstoß eines US-Militärlastwagens mit Zivilfahrzeugen in Kabul ist es am Montag in der afghanischen Hauptstadt zu den schwersten Ausschreitungen seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 gekommen. Nach Angaben eines Sprechers von Präsident Hamid Karsai starben bei dem Unfall am Montag sieben Afghanen. Die afghanische Nachrichtenagentur Pajhwok meldete, mindestens 20 Menschen seien bei den anschließenden anti- amerikanischen Ausschreitungen getötet und zahlreiche weitere teils schwer verletzt worden. Eine offizielle Bestätigung der Opferzahlen bei den Unruhen gab es zunächst nicht.

Unterdessen wurden die schweren Gefechte in Südafghanistan mit einem US-Luftangriff fortgesetzt. Bei dem Bombardement in der Provinz Helmand starben nach afghanischen Angaben mindestens 50 radikal-islamische Taliban-Kämpfer.

Karsai fordert Untersuchung

Die amerikanischen Streitkräfte teilten zu dem Unfall in Kabul mit, mindestens aus einem Armeefahrzeug heraus sei über die Menge hinweg geschossen worden, als diese begann, sich feindlich zu verhalten. Ein Augenzeuge sagte dagegen, die Soldaten hätten in die Menge geschossen. Karsai forderte die US-geführten Koalitionstruppen auf, den Vorfall zu untersuchen und zu erklären. Das afghanische Innenministerium verhängte über Kabul eine Ausgangssperre bis Dienstagfrüh.

Der Sprecher der Vereinten Nationen in Afghanistan, Adrian Edwards, sagte: „Es ist klar, dass eine Tragödie passiert ist.“ Er rief ebenso wie Karsai zur Ruhe auf. Ungeachtet der Appelle zogen rund 2000 Menschen in Richtung Innenstadt. Demonstranten skandierten „Tod für Amerika“. Über Kabul stiegen Rauchwolken auf. Randalierer warfen Steine. Läden wurden geschlossen. Menschen flohen von den Straßen. Polizeiautos und Polizeiposten wurden in Brand gesteckt. In der Stadt waren Schüsse zu hören. Randalierer griffen eine Fernsehstation und ein westliches Restaurant an.

Die Vereinten Nationen setzten ihre Arbeit in Kabul vorübergehend aus. Alle US-Soldaten in der afghanischen Hauptstadt wurden zurück in ihr Hauptquartier beordert. Die rund 1400 Bundeswehr-Soldaten der internationalen Schutztruppe ISAF in Kabul waren nach Angaben des Einsatzführungskommandos in Potsdam nicht von den Unruhen betroffen. ISAF-Sprecher Luke Knittig sagte, die Nato-geführte Schutztruppe nehme die Lage sehr ernst und habe Schutzmaßnahmen ergriffen.

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