Blutiger Polizeieinsatz in Bangkok
Demonstranten vertreiben Thailands Premier

Die Polizei in Thailand hat eine Blockade des Parlamentsgebäudes in Bangkok gewaltsam aufgelöst. Laut Agenturangaben wurden mehr als 70 Demonstranten verletzt, einige von ihnen schwer. Regierungschef Somchai Wongsawat musste per Helikopter fliehen.

HB BANGKOK. - Mit einem blutigen Einsatz gegen tausende Demonstranten hat die Polizei in Bangkok am Dienstag vergeblich versucht, eine Blockade des Parlaments zu verhindern. Die Beamten rückten den Angaben zufolge kurz nach Sonnenaufgang an, feuerten Tränengas in die Menge und rissen Barrikaden mit Stacheldraht nieder. Damit verschärfte sich die seit sechs Wochen andauernde politische Krise weiter.

Die Demonstranten wollten eine Parlamentssitzung verhindern, in der der neue Regierungschef Somchai Wongsawat seine Politik und Pläne für eine Verfassungsänderung darlegen will. Somchai eröffnete die Parlamentssitzung mit 90-minütiger Verspätung. Die Opposition boykottierte die Sitzung aus Protest gegen das gewaltsame Vorgehen der Polizei.

Im Verlauf der Plenumssitzung umstellten immer neue Kundgebungsteilnehmer das Parlamentsgelände. Regierungschef Wongsawat musste schließlich per Helikopter fliehen. Hunderte Abgeordnete saßen auf dem umstellten Gelände fest.

Die außerparlamentarische Opposition PAD betrachtet die Regierung als Marionette des vor zwei Jahren vom Militär gestürzten Regierungschef Thaksin Shinawatra und verlangt ihren Rücktritt. Somchai ist ein Schwager von Thaksin.

Im Fernsehen waren mehrere Verletzte zu sehen. „Das ist barbarisch“, sagte eine 53-Jährige, die am Kopf verletzt war. „Wir hätten nicht gedacht, dass die Polizei uns angreift.“ Sanitätern berichteten von Verletzungen durch Gummigeschosse. Die Polizisten waren nach offiziellen Angaben unbewaffnet. Drahtzieher der Blockade war das Oppositionsbündnis PAD, das seit Wochen den Regierungssitz besetzt hält.

Die Demonstranten zogen sich nach dem Überraschungsangriff zunächst zurück, wollten ihren Protest aber nicht aufgeben. Einige bewaffneten sich mit Eisenstangen und Holzstöcken. „Ich rufe unsere Anhänger in ganzen Land auf, nach Bangkok zu kommen und uns zu unterstützen“, rief einer der Anführer, Somsak Kohsaisuk. „Die Polizei zielt mit Tränengas, Bomben und Gewehre auf uns.“

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