Blutprobe
Milosevic nahm offenbar falsche Medikamente

Ein niederländischer Toxikologe hat jetzt bestätigt, Anfang des Jahres im Blut von Slobodan Milosevic Spuren eines nicht verordneten Medikaments gefunden zu haben. Damit erhärtet sich der Verdacht, dass der vor zwei Tagen gestorbene ehemalige jugoslawische Machthaber absichtlich falsche Arzneien einnahm. Er soll ein bestimmtes Ziel verfolgt haben.

HB DEEN HAAG. In einer älteren Blutprobe von Milosevic ist einem Toxikologen zufolge ein Mittel gefunden worden, das die Wirkung der offiziell angeordneten Medikamente gegen Bluthochdruck aufhob. Das Ergebnis stützt den Verdacht, Milosevic habe seine Erkrankung verschlimmern wollen.

Sein Ziel soll gewesen sein, für eine medizinische Behandlung nach Russland reisen zu dürfen. Das UN-Tribunal lehnte dies jedoch ab. Russland hat Milosevic lange unterstützt. Nach seiner Auslieferung nach Den Haag ist seine Frau nach Russland geflohen.

Der Toxikologe Donald Uges hat eigenen Angaben zufolge die Blutprobe des Angeklagten vor zwei Wochen untersucht. Darin seien Spuren von Rifampicin nachzuweisen gewesen, sagte Uges. Rifampicin wird bei Lepra und Tuberkulose angewandt und kann die Wirkung anderer Mittel aufheben. Uges arbeitet an der Universität Groningen.

Die niederländische Nachrichtenagentur ANP meldete, das UN-Tribunal habe Uges Ende vergangenen Jahres eingeschaltet. Er sollte demnach herausfinden, warum sich der Zustand des Angeklagten trotz der verschriebenen Medikamente nicht verbesserte. Milosevic war am Samstag tot in seiner Zelle aufgefunden worden. Dem vorläufigen Ergebnis der Obduktion zufolge erlag er einem Herzinfarkt.

Russland bestätigte indes am Montag, von Milosevic einen Brief erhalten zu haben, in dem er wenige Tage vor seinem Tod über eine falsche ärztliche Behandlung in den Niederlanden klagte. Der Brief sei am Samstag der russischen Botschaft in den Niederlanden ausgehändigt worden und am Sonntag in Moskau eingetroffen.

Der ehemalige jugoslawische Machthaber Milosevic war vor dem Gericht der Vereinten Nationen wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen in Bosnien, Kroatien und im Kosovo während der 90er Jahre angeklagt.

Milosevics Leiche befindet sich noch immer in der Gerichtsmedizin in Den Haag. Der Leichnam sei von der niederländischen Justiz noch nicht freigegeben worden, sagte eine Sprecherin des Gerichtsmedizinischen Instituts. Zur beabsichtigten Übergabe der Leiche an Milosevic's Familie waren noch keine Einzelheiten bekannt. Eine Sprecherin des Tribunals sagte, es stehe noch nicht fest, wann und wem der Sarg übergeben werde.

Milosevics Anwalt Zdenko Tomanovic erklärte, Milosevic werde in Belgrad beigesetzt. Milosevics Sohn Marko werde die sterblichen Überreste seines Vaters heute oder morgen in Empfang nehmen. Dies entspreche dem Wunsch der Familie. Milosevics in Moskau lebende Frau Mirjana Markovic will Russland nicht verlassen, weil gegen sie ein internationaler Haftbefehl besteht.

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