Blutvergießen erreicht neuen Höhepunkt
Hilfe in Nahost kommt an ihre Grenzen

Während das Blutvergießen in Nahost mit mehr als 50 Toten am Mittwoch einen neuen Höhepunkt erreicht hat, machen Hilfsorganisationen auf die schlechte Versorgung der Flüchtlinge im Libanon aufmerksam. Viele Tausende sind Hilfe angewiesen, genaue Informationen fehlen.

HB BERLIN. Die UN-Organisation UNHCR hat die Situation der Flüchtlinge im Libanon als schwierig bezeichnet. „Für viele Flüchtlinge fehlt der Zugang zu Nahrung und Medizin“, sagte UNHCR-Sprecher Andreas Kirchhof am Mittwoch der „Netzeitung“. Allein im Schuf-Gebirge, Libanons größtem Naturschutzgebiet, seien 60 000 Flüchtlinge gezählt worden.

Mittlerweile ist fast jeder sechste Einwohner des Landes auf der Flucht. Wie der arabische Nachrichtensender Al-Arabija am Mittwoch unter Berufung auf Regierungsbeamte berichtete, haben mehr als 700 000 der rund vier Millionen Einwohner seit Beginn der israelischen Luftangriffe ihre Häuser verlassen.

Ein großer Teil von ihnen sei bei Freunden oder Verwandten in Regionen untergekommen, die sie für sicherer hielten. 70 000 Familien hätten Zuflucht in staatlichen Schulen gefunden. Hilfsorganisationen arbeiten auf Hochtouren, um die Versorgung der Flüchtlinge sicherzustellen. Mitarbeiter der katholischen Caritas International erklärten, angesichts der wachsenden Zahlen komme man an die Grenzen der Leistungsfähigkeit.

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) meldete eine halbe Million Libanesen, die innerhalb ihres Landes auf der Flucht sind. Die Organisation komme aber kaum mit der Zählung nach. „Dies ist eine offener Krieg, die Zahlen ändern sich stündlich,“ sagte ein Sprecher des UNHCR am Mittwoch in Genf. Weil viele Orte von der Außenwelt abgeschnitten seien, lasse sich die genaue Zahl der Bedürftigen aber kaum ermitteln. Es gebe größere Mengen von Zelten, Plastikbahnen für Notunterkünfte und Decken, die in Jordanien und Syrien für den Transport in das Krisengebiet bereitstehen.

Besonders schwierig sei die Situation für rund 20 000 Asylsuchende aus dem Irak und Sudan, aber auch für ausländische Gastarbeiter. Viele von ihnen säßen nach ihrer Flucht aus dem Süden des Landes an der Grenze zu Syrien fest, weil die syrischen Behörden sie wegen fehlender Papiere nicht ins Land ließen. Das Flüchtlingshilfswerk verhandele deswegen derzeit mit Syrien, sagte Kirchhof.

Die libanesische Caritas-Mitarbeiterin Najla Chahda, die die Arbeit der katholischen Hilfsorganisation in Beirut koordiniert, sagte, die Situation sei besonders für chronisch Kranke schlimm, für die es keine Medikamente gebe. Etwa 60 Caritas-Mitarbeiter verteilten derzeit zusammen mit 3 000 freiwilligen Helfern in einem Flüchtlings-Center Nahrungspakete aus Milch und Käse an die Bevölkerung. Insgesamt seien bereits 120 000 Menschen versorgt worden.

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