In der libanesischen Hauptstadt Beirut ist es am Donnerstagabend zu schweren Kämpfen zwischen der pro-syrischen oppositionellen Hamas und der anti-syrischen libanesischen Regierung gekommen. Mindestens drei Menschen wurden dabei bisher getötet, zehn weitere verletzt. Hisbollah-Generalsekretär Hassan Nasrallah sprach zuvor von einer Kriegserklärung.
HB BEIRUT/NEW YORK. Hisbollah-Generalsekretär Hassan Nasrallah hatte in einer im Fernsehen übertragenen Rede erklärt, die pro-westliche Regierung von Ministerpräsident Fuad Siniora habe den Krieg gegen die Hisbollah beschlossen. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen appellierte an alle Seiten, Ruhe und Zurückhaltung zu üben.
Nach Angaben von Augenzeugen patrouillierten am Abend maskierte Kämpfer durch die Straßen Beiruts. Straßensperren wurden errichtet, Schüsse aus Maschinengewehren und Mörserfeuer waren zu hören. Viele Einwohner der Stadt brachten sich in Schutzräumen in Sicherheit.
Ein Gruppe von Journalisten, darunter auch eine Mitarbeiterin der Deutschen Presse-Agentur dpa, geriet zwischen die Fronten und ins Kreuzfeuer der verfeindeten Milizen. Soldaten der Regierungstruppen brachte die Reporter in einem Panzer aus der Gefahrenzone. Die Lage sei „nicht mehr kontrollierbar“, sagte ein Offizier.
Die Situation in Beirut hatte sich nach der Rede Nasrallahs dramatisch zugespitzt. „Ein Krieg hat begonnen, (...) und wir haben das Recht, unsere Waffen zu verteidigen“, hatte er in einer von arabischen Sendern ausgestrahlten Rede erklärt. „Eine neue Ära hat begonnen“, fügte er hinzu. Zu den Waffen der Hisbollah zähle auch das von ihr betriebene eigene Telekommunikationsnetz.
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Siniora und seinen Verbündeten warf Nasrallah vor, Befehle von der US-Regierung entgegenzunehmen. „Das ist kein Staat, das ist eine Bande“, beschimpfte er die Kabinettsmitglieder. Die Regierung hatte am Dienstag erklärt, das Hisbollah-Telefonnetz sei illegal, genauso wie die von der Hisbollah am Flughafen Beirut installierten Überwachungskameras. Außerdem hatte das Kabinett den der Hisbollah nahestehenden Sicherheitschef des Flughafens entlassen. Nasrallah drohte, jeder, der den Posten nun übernehme, werde von der Hisbollah als Verräter angesehen.
Außerhalb der Hauptstadt war es im Tagesverlauf bereits zu Kämpfen gekommen. Im östlichen Bekaa-Tal wurde bei Gefechten zwischen schiitischen Anhängern der Opposition und sunnitischen Sympathisanten der Regierungsmehrheit ein Mädchen getötet. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurden mindestens vier weitere Menschen verletzt. Mitglieder der anti-syrischen Zukunftsbewegung des Sunniten Saad Hariri sperrten mehrere Straßen nach Syrien sowie Straßen, die Beirut mit den vorwiegend von Schiiten bewohnten Ortschaften im Süden verbinden.
Der Uno-Sicherheitsrat rief die verfeindeten Parteien zur Zurückhaltung auf. Die Situation könne nur durch einen politischen Dialog, nicht durch Gewalt gelöst werden, hieß es in einer Erklärung, die der Ratsvorsitzende und britische Uno-Botschafter John Sawers nach internen Beratungen in New York verlas. Vordringlich sei die Wahl eines neuen Präsidenten und die Entwaffnung der libanesischen und nicht-libanesischen Milizen.
Der Uno-Beauftragte für den Libanon, Terge Roed-Larsen, hatte zuvor erklärt, angesichts des Machtvakuums der vergangenen Monate hätten offenbar mehrere paramilitärische Gruppen ihre Waffenarsenale ausgebaut. Die Hisbollah, die größte Miliz, unterhalte nach wie vor eine eigene paramilitärische Infrastruktur neben der staatlichen. Dies verstoße gegen die Vorgaben der Vereinten Nationen, die eine Entwaffnung der Milizen gefordert hatten.

