Siniora und seinen Verbündeten warf Nasrallah vor, Befehle von der US-Regierung entgegenzunehmen. „Das ist kein Staat, das ist eine Bande“, beschimpfte er die Kabinettsmitglieder. Die Regierung hatte am Dienstag erklärt, das Hisbollah-Telefonnetz sei illegal, genauso wie die von der Hisbollah am Flughafen Beirut installierten Überwachungskameras. Außerdem hatte das Kabinett den der Hisbollah nahestehenden Sicherheitschef des Flughafens entlassen. Nasrallah drohte, jeder, der den Posten nun übernehme, werde von der Hisbollah als Verräter angesehen.
Außerhalb der Hauptstadt war es im Tagesverlauf bereits zu Kämpfen gekommen. Im östlichen Bekaa-Tal wurde bei Gefechten zwischen schiitischen Anhängern der Opposition und sunnitischen Sympathisanten der Regierungsmehrheit ein Mädchen getötet. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurden mindestens vier weitere Menschen verletzt. Mitglieder der anti-syrischen Zukunftsbewegung des Sunniten Saad Hariri sperrten mehrere Straßen nach Syrien sowie Straßen, die Beirut mit den vorwiegend von Schiiten bewohnten Ortschaften im Süden verbinden.
Der Uno-Sicherheitsrat rief die verfeindeten Parteien zur Zurückhaltung auf. Die Situation könne nur durch einen politischen Dialog, nicht durch Gewalt gelöst werden, hieß es in einer Erklärung, die der Ratsvorsitzende und britische Uno-Botschafter John Sawers nach internen Beratungen in New York verlas. Vordringlich sei die Wahl eines neuen Präsidenten und die Entwaffnung der libanesischen und nicht-libanesischen Milizen.
Der Uno-Beauftragte für den Libanon, Terge Roed-Larsen, hatte zuvor erklärt, angesichts des Machtvakuums der vergangenen Monate hätten offenbar mehrere paramilitärische Gruppen ihre Waffenarsenale ausgebaut. Die Hisbollah, die größte Miliz, unterhalte nach wie vor eine eigene paramilitärische Infrastruktur neben der staatlichen. Dies verstoße gegen die Vorgaben der Vereinten Nationen, die eine Entwaffnung der Milizen gefordert hatten.


