BND sieht „erhebliches Problempotenzial“
Terror-Anschläge in Europa befürchtet

Wenn islamistische Kämpfer aus dem Irak in ihre europäischen Heimatländer zurückkehren könnte es nach Ansicht des Bundesnachrichtendienstes (BND) auch in hierzulande neue Terror-Anschläge geben.

HB BERLIN. Es gebe eine beachtliche Zahl ausländischer Kämpfer, die im Irak versuchten, US-Ziele zu treffen, sagte BND-Präsident August Hanning am Mittwoch auf einer Konferenz für Sicherheitspolitik in Berlin. „Wir fürchten, dass - ähnlich wie in Afghanistan - bei Rückkehr dieser Kämpfer, die kampferfahren sind, die professionell sind, es zu Taten, zu Zellen, zu terroristischen Aktivitäten in Europa kommt, die uns dann tatsächlich Probleme bereiten könnten.“ Man werde permanent damit leben müssen, dass vor allem die Moslem-Extremistengruppe Al-Kaida und ihre lokalen Zellen in Europa weiter Anschläge planten und diese auch umsetzten. Dies habe der Anschlag vom März 2004 in Madrid gezeigt. Al-Kaida-Chef Osama bin Laden halte sich nach BND-Erkenntnissen derzeit im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan auf.

Gegenwärtig konzentriere sich der islamistische Widerstand im Irak, sagte Hanning. Große Teile der finanziellen Unterstützung aus dem Ausland flössen in den Irak, wo Islamisten von einer Besetzung eines arabischen Kernlandes sprächen. „Von der Prioritätensetzung der Al-Kaida hat der Irak im Augenblick eindeutigen Vorrang“, sagte der BND-Chef.

Bedrohungsszenarien für Europa und Deutschland seien sehr eng mit der Lage in Nordafrika verbunden, sagte Hanning. Denn in Deutschland stellten Immigranten aus der ersten, zweiten und teilweise auch aus der dritten Generation ein „erhebliches Problempotenzial“ dar. Nach einer BND-Analyse seien viele der Menschen, die in terroristische Aktivitäten verstrickt seien, Immigranten, die oft nur wenig in Deutschland integriert seien.

Mit dem neuen Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ) sind die deutschen Sicherheitsbehörden nach den Worten Hannings nun besser aufgestellt. Im Kampf gegen den Terrorismus müsse man den Dialog mit vielen arabischen Staaten fortsetzen. Auch dürften die sozialen Probleme dieser Staaten nicht außer Acht gelassen werden, die zusammen mit regionalen Konflikten den Nährboden für den Terrorismus bildeten.

Für viele Moslem-Extremisten sei Bin Laden nach wie vor eine Symbolfigur, sagte der BND-Chef. „Solange er sich noch in Freiheit befindet, ist der Krieg gegen den Terrorismus noch nicht gewonnen.“ Viele Islamisten sähen dies als Signal, dass man der Supermacht USA erfolgreich widerstanden habe. „Das ist etwas, was Terrorismus ermutigt.“

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