Bollwerk Brasilien
Wachstum ist jetzt planbar

Brasilien, das führende Land Südamerikas, empfängt heute Bundeskanzlerin Angela Merkel. Nach der Schuldenkrise zu Beginn des Jahrtausends präsentiert es sich als Bollwerk der Stabilität. Im Handelsblatt-Gespräch zeigen Top-Manager die Perspektiven des Standortes auf.

SAO PAULO. Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft heute mit einer großen Wirtschaftsdelegation in Brasilia ein - gleichsam zur Begrüßung stellte Brasiliens Präsident Luíz Inácio Lula da Silva, früher als Linkspopulist gescholten, seinen wirtschaftsfreundlichen Kurs unter Beweis.

Zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt Anfang 2003 verkündete Lula eine Steuersenkung für exportierende Firmen - und zwar im beachtlichen Volumen von umgerechnet acht Milliarden Euro. Außerdem erhalten Unternehmen zusätzliche Zinszuschüsse für das im vergangenen Jahr aufgelegte, 120 Mrd. Euro schwere Kreditprogramm der staatlichen Entwicklungsbank.

Darüber hinaus kündigte Lula an, die Investitionsquote in Brasiliens Wirtschaft solle in den nächsten zwei Jahren von 18 auf 21 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erhöht werden. "Die Aussichten für Brasilien sind so gut wie seit langem nicht mehr", sagten vier Top-Manager beim Handelsblatt-Gespräch bei der Deutsch-Brasilianischen Industrie - und Handelskammer in der Wirtschaftsmetropole São Paulo.

Mit den stimulierenden Maßnahmen will Lulas Mitte-links-Regierung die Nachteile abfedern, die der brasilianischen Wirtschaft durch die enorme Aufwertung des Reals gegenüber dem US-Dollar entstanden sind. "Unsere Produkte sind wegen des Wechselkurses auf dem Weltmarkt rund 30 Prozent zu teuer", sagte Roberto Cortes, Chef von Volkswagen Nutzfahrzeuge in Brasilien, beim Handelsblatt-Round Table. Auf mehrere Jahre gesehen, werde aber der im internationalen Vergleich hohe brasilianische Leitzins von heute zwölf Prozent sinken und der Real schwächer werden, prognostizierte er. "Entscheidend ist, dass die Richtung stimmt."

DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun hatte kürzlich deutsche Unternehmer aufgefordert, stärker in Brasilien zu investieren. "Alle Firmen, die noch nicht da sind, verpassen etwas", warnte er. Das sehen die vier Top-Manager ebenso - trotz der drohenden Abkühlung der Weltwirtschaft. "Brasiliens Binnenmarkt wird die externe Wachstumsschwäche kompensieren", sagt Antonio Correa de Lacerda, Chefökonom des Siemens-Konzerns in Brasilien. Lacerda erwartet, dass die brasilianische Wirtschaft in den kommenden Jahren jeweils um mehr als vier Prozent wachsen wird. Hilfreich für das größte Land Lateinamerikas dürfte sein, dass es in den letzten Jahren neue Abnehmer für seine Produkte, vor allem Rohstoffe, gefunden hat. Brasilien exportiert immer weniger in die USA, dafür mehr nach Asien und Lateinamerika.

Brasilien hat nach Lacerdas Einschätzung bewiesen, dass es sich gegen weltwirtschaftliche Turbulenzen stemmen kann - mit niedrigen Inflationsraten, hohen Devisenreserven, ausgeglichenem Haushalt und der bis vor kurzem positiven Leistungsbilanz. "Brasilien ist innerhalb der internationalen Finanzkrise zur Festung geworden." Tatsächlich hat die Ratingagentur Standard & Poor?s Brasilien kürzlich den Investment-Grade gegeben. Damit gilt das Land nun als guter Schuldner.

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