Bombay
Keine Kontrolle und viele offene Fragen

Die Meldungen aus Bombay sind widersprüchlich: Während offizielle Quellen vermelden, dass die Lage an einigen Terrorschauplätzen unter Kontrolle sei, kommt es in der Stadt anscheinend weiter zu Gefechten. Die Lage ist weiter unklar – genau wie die Schuldfrage.

HB BOMBAY. Die Geiselnahme im Luxushotel Taj Mahal in Bombay ist nach mehr als 24 Stunden gewaltsam zu Ende gegangen. Die letzten drei Extremisten in dem Gebäude seien erschossen worden, teilte ein Behördensprecher mit. Bei den Überfällen von Terroristen auf zehn verschiedene Gebäude der indischen Metropole kamen mindestens 119 Menschen ums Leben, darunter auch ein deutscher Geschäftsmann. 288 Menschen wurden verletzt.

Schwarz gekleidete Kommandotruppen stürmten am Donnerstag das Taj Mahal. In dem Fünf-Sterne-Hotel konnten sich einige Geiseln selbst befreien, andere wurden von der Polizei gerettet. Allerdings wurden auch mehrere Leichen aus dem Gebäude getragen. Aus den oberen Stockwerken schlugen am Donnerstag erneut Flammen, nachdem das Gebäude bereits am Mittwochabend in Brand geraten war.

Medienberichte widersprachen jedoch der offiziellen Darstellung, dass die Lage unter Kontrolle sei. An verschiedenen Schauplätzen der Stadt soll es noch immer Gefechte geben, zumindest die Belagerung des des Hotels Oberoi dauere noch an.

Die Angreifer, deren genau Zahl noch nicht feststeht, waren über das Meer gekommen. Die indische Marine fing ein Schiff ab, das die Terroristen möglicherweise nach Bombay brachte. Die Terroristen waren am Mittwochabend mit Booten zu den Touristenzentren auf der Halbinsel, auf der die Altstadt von Bombay liegt. Sie griffen dort mindestens zehn Ziele mit Schnellfeuergewehren und Handgranaten an, darunter die beiden Luxushotels „Taj Mahal“ und „Trident-Oberoi“, den wichtigsten Bahnhof der Stadt, ein Café, ein Kino und ein Krankenhaus. Die westindische Finanz- und Filmmetropole Bombay ist ein internationaler Treffpunkt für Geschäftsleute aus aller Welt.

Die indische Regierung hat ausländische Terrorgruppen für die beispiellose Anschlagserie in Touristen-Zentren und Luxushotels in Bombay verantwortlich gemacht. Er warnte die Nachbarländer der Atommacht, man werde es nicht dulden, wenn von ihrem Territorium aus Anschläge auf Indien verübt würden. „Wenn keine angemessenen Maßnahmen von ihnen ergriffen werden, wird das seinen Preis haben“, sagte er in einer Ansprache an die Nation, ohne ein bestimmtes Land beim Namen zu nennen.

Die indischen Behörden hatten in der Vergangenheit wiederholt Fundamentalisten aus Pakistan für Anschläge verantwortlich gemacht, die in Indien verübt wurden. „Die sorgfältig geplanten Anschläge sollten Panik auslösen“, erklärte Singh. Bewusst seien „hochrangige“ Ziele ausgewählt und „Ausländer unterschiedslos umgebracht“ worden. „Es liegt auf der Hand, dass die ausübende Gruppe, die außerhalb des Landes beheimatet ist, dazu entschlossen war, in der wirtschaftlichen Hauptstadt des Landes Chaos auzuslösen.“

Pakistan verurteilte die Anschläge und schlug eine Hotline zwischen den Geheimdienstchefs der beiden benachbarten Atommächte vor. Der pakistanische Außenminister Shah Mehmood Qureshi warnte bei einem Indien-Besuch zugleich vor Schuldzuweisungen. Bei früheren Anschlägen - etwa bei der Anschlagsserie in Bombay im Jahr 2006 mit fast 200 Toten - hatte Neu Delhi Pakistan eine Beteiligung vorgeworfen. Der Nachrichtensender NDTV berichtete, nach den Terrorangriffen von Bombay sei ein Pakistaner festgenommen worden.

Indiens Vize-Innenminister Sriprakash Jaiswal sagte: „Wir betrachten die Terrorangriffe als Krieg und behandeln die Situation wie einen Ausnahmezustand zu Kriegszeiten.“

Unter den Toten ist nach Polizeiangaben der Chef der Anti-Terror- Einheit Bombays. Der Polizeichef des Bundesstaats Maharashtras, A.N. Roy, sagte: „Wir werden die Terroristen entweder lebend fangen oder sie erschießen.“ Die Terrorserie sei von langer Hand geplant gewesen und beispiellos. „Dies ist ein Angriff auf das ganze Land.“ Nach Angaben von Innenminister R. R. Patil gab es am Donnerstag erste Hinweise auf die Täter. Einzelheiten nannte er nicht.

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