Bombe in Innenstadt gezündet
Moskau: Zehn Tote nach Bombenanschlag

Ein zweiter großer Terroranschlag binnen einer Woche hat Russland erschüttert. Im Zentrum von Moskau ist am Dienstagabend eine Bombe explodiert. Nach Behördenangaben sind dabei mindestens zehn Menschen getötet worden. Weitere 51 Menschen seien verletzt worden, teilte der russische Inlandsgeheimdienst FSB mit. Der Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow sprach von acht Toten und 34 weiteren Verletzten.

HB MOSKAU. Zu der Tat bekannte sich umgehend eine radikale Moslemgruppe mit Namen Islambuli Brigaden, die nach eigenen Angaben auch hinter den Anschlägen auf zwei russische Passagiermaschinen steckt, die vor einer Woche fast zeitgleich abstürzten. Lokale Fernsehsender unterbrachen ihr Abendprogramm und zeigten Bilder vom Anschlagsort, auf denen blutüberströmte Tote und Verletzte zu sehen waren. Russland war in den vergangenen Monaten immer wieder Ziel von Anschlägen, hinter denen zumeist Rebellen aus Tschetschenien vermutet wurden, die für eine Trennung der Kaukasus-Republik von der Russischen Föderation kämpfen.

„Es hörte sich an wie ein starker Donner“, sagte ein Augenzeuge des Anschlags. „Ich habe fünf Menschen gesehen, die nicht mehr aufstehen konnten. Und andere Menschen waren vollkommen zerfetzt. Ein Mann ohne Bauch schrie: „Wo ist die Polizei?'“

Der Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow sagte, die Attentäterin habe versucht, in die Metro-Station „Riga“ zu gelangen, die im abendlichen Berufsverkehr voller Menschen gewesen sei. „Sie war gerade an der Tür, als sie zwei Polizisten sah. Sie bekam Angst, drehte um und sprengte sich in die Luft“, sagte der Bürgermeister. Die Frau habe bis zu einem Kilogramm Sprengstoff verwendet - offenbar, um einen möglichst großen Schaden anzurichten. Der Polizei zufolge war der Sprengsatz zudem noch mit Metallbolzen gefüllt.

Der Anschlag wurde am letzten Tag der russischen Schulferien verübt, an dem viele Eltern mit ihren Kindern unterwegs waren, um noch Einkäufe für den Schulbeginn zu erledigen. Luschkow sagte, unter den Verletzten seien mindestens vier Kinder und elf Frauen. Sieben Menschen seien sofort gestorben, darunter die Attentäterin. Ein Opfer sei seinen schweren Verletzungen im Krankenhaus erlegen. Später gaben die Behörden die Zahl der Toten mit zehn an.

Die Islambuli Brigaden erklärten im Internet, der Anschlag sei „eine Unterstützung für die Moslems in Tschetschenien“. Die Gruppe kündigte weitere Attentate an: „So Gott will, wird es weitere Wellen geben, bis wir den ungläubigen Staat, der Russland heißt, erniedrigt haben.“ Die Echtheit der Erklärung konnte zunächst nicht überprüft werden.

Die russische Hauptstadt befindet sich derzeit in erhöhter Alarmbereitschaft, nachdem am vergangenen Dienstag zwei in Moskau gestartete Passagier-Flugzeuge fast zeitgleich explodierten. 90 Menschen kamen dabei ums Leben.

Im Juli des vergangenen Jahres hatten sich zwei Selbstmordattentäterinnen auf einem Rock-Konzert in Moskau in die Luft gesprengt und 15 Menschen mit in den Tod gerissen. Die Behörden vermuten Attentäterinnen aus Tschetschenien hinter den Anschlägen. Sechs Monate später tötete eine mutmaßlich tschetschenische Selbstmordattentäterin fünf Menschen unweit des Kreml im Moskauer Zentrum. Im Februar kamen bei einem Anschlag in der Moskauer U-Bahn bis zu 40 Menschen ums Leben. Dahinter wird ebenfalls ein Selbstmord-Attentäter vermutet.

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