Bombenanschläge
„Mallorca-Reisewarnung abwegig“

Auf der Ferieninsel Mallorca sucht die Polizei inzwischen nach den Verantwortlichen für die Bombenanschläge. Derweil betonte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes, dass das Amt keine Reisewarnung aussprechen werde. Das Ministerium hat lediglich die Reisehinweise verschärft.

dpa BERLIN. "Von einer Reisewarnung kann natürlich nicht die Rede sein. Das ist völlig abwegig", sagte der stellvertretende Sprecher des Ministeriums, Andreas Peschke, am Montag in Berlin. Allerdings wurden auf der Internet-Seite des Auswärtigen Amtes die Reisehinweise für Mallorca verschärft. Beispielsweise wird deutschen Touristen dort nun empfohlen, größere Menschenansammlungen zu vermeiden.

"Es muss erneut mit Behinderungen durch Maßnahmen der spanischen Sicherheitsbehörden gerechnet werden", heißt es weiter. Bei weiteren Fragen sollten sich Reisende an ihren Reiseveranstalter oder die Fluggesellschaft wenden. "Die touristische Infrastruktur der Insel ist im übrigen derzeit nicht betroffen." Wie zur Hauptsaison in Mallorca Menschenansammlungen vermieden werden sollen, wird nicht erklärt.

Zugleich verurteilte der Ministeriumssprecher die Anschläge, die vermutlich auf das Konto der baskischen Terror-Organisation gehen. "Diese heimtückischen Anschläge sind ein völlig untaugliches Mittel, politische Ziele zu erreichen", sagte Peschke. Hoffentlich gelinge es den spanischen Behörden schnell, die Hintermänner zu finden und zur Verantwortung zu ziehen. Am Sonntag waren auf Mallorca drei Bomben von geringer Sprengkraft detoniert. Verletzt wurde niemand.

Wer derzeit wegen der Bombenanschläge nicht nach Mallorca fliegen will, kann seine gebuchte Reise jederzeit stornieren, muss aber die Kosten dafür selbst tragen. Die Stornokosten werden in der Regel auch nicht von einer Reiserücktrittsversicherung getragen. Denn nach der aktuellen Rechtsprechung rechtfertigen Terroranschläge nur dann eine Kündigung des Reisevertrages aufgrund höherer Gewalt, wenn sie "allgemeinen inneren Unruhen" gleichkommen.

Die Anforderungen dafür sind hoch und bei der jetzigen Lage auf Mallorca nicht gegeben. Der Wiesbadener Reiserechtler Holger Hopperdietzel sagt, höhere Gewalt könne etwa bei Naturkatastrophen, Bürgerkrieg oder flächendeckenden politischen Unruhen gegeben sein. Nach seiner Einschätzung würden Mallorca-Reisende derzeit auf ihren Kosten sitzenbleiben, wenn sie eine Reise absagen und das Geld vom Veranstalter zurückbekommen wollen.

Anders würde es aussehen, wenn das Auswärtige Amt eine offizielle Reisewarnung herausgeben würde. Erst dann wird von höherer Gewalt im Sinne des Paragrafen 651 j des Bürgerlichen Gesetzbuches ausgegangen. Allerdings sind Fluggesellschaften auch dann nicht verpflichtet, Tickets zu erstatten. Die Reisewarnung verbessert aber die Ausgangslage für Kulanzverhandlungen. Die Anbieter von Pauschalreisen bieten in der Regel von sich aus ihren Kunden an, Reisen umzubuchen, wenn es eine Reisewarnung gibt.

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