Boni-Debatte
Frankreichs Banker kommen glimpflich davon

In der Debatte um Bonuszahlungen für Investmentbanker dürften Frankreichs Banken neue, harte Auflagen erspart bleiben. Die Regierung setzt auf Selbstverpflichtungen der Finanzbranche. Doch wer nicht mitmacht, bekommt in bestimmten Fällen die kalte Schulter gezeigt.

PARIS. „Die Diskussion mit der Regierung dreht sich primär um Fragen der Governance, also wer die Boni unter welchen Umständen bewilligt“, heißt es in Pariser Bankenkreisen. „Außerdem sollen die Banken zu mehr Transparenz verpflichtet werden.“ Eine Höchstgrenze für Boni sowie Strafbesteuerungen seien vom Tisch, heißt es.

Am Montag traf sich Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde mit Vertretern der Bank-Wirtschaft, um über die Banker-Boni zu beraten. Das Treffen soll den heutigen Banken-Gipfel vorbereiten, bei dem sich Staatschef Nicolas Sarkozy mit den Spitzen der Kreditwirtschaft trifft. Auch hier geht es um die umstrittenen Bonus-Zahlungen.

Die Aufregung um die Boni für Investmentbanker hat in Frankreich den Sommer über Politik und Medien in Atem gehalten. Auslöser war die Nachricht, dass BNP Paribas eine Milliarde Euro in der Bilanz zurück gestellt hat, um Ende des Jahres 17 000 Bank-Angestellten variable Bezüge zu zahlen. Noch von seinem Urlaubsort am Cap Negre bestellte Staatschef Nicolas Sarkozy daraufhin die Chefs der wichtigsten Institute – BNP Paribas, Société Générale, Crédit Agricole, BPCE und Crédit Mutuel – zum Rapport in den Elysée-Palast.

Staatschef Sarkozy hat sich die „Moralisierung“ der Finanzwirtschaft auf die Fahnen geschrieben. Dabei sind ihm die Millionen-Boni für Spitzenbanker ein Dorn im Auge. Denn die Gier nach Boni gilt als eine Ursache dafür, dass sich die Handelsabteilungen mancher Bank in ein Kasino verwandelt hatte.

Dennoch weiß auch Sarkozy, dass er das Boni-Problem nur auf internationaler Ebene lösen kann. Sollte er per Gesetz oder Verordnung nur den Heimatbanken harte Auflagen bei der Bezahlung der Investmentbanker machen, drohen die Pariser Geldhäuser, im internationalen Wettbewerb zurück zu fallen.

Bereits im Februar hatten sich Frankreich Banken zu einer Änderung der Boni-Politik verpflichtet: So werden in die Berechnung der variablen Bezüge auch die Kapital- und Liquiditätskosten eingerechnet. Ferner werden die Boni für die Ergebnisse eines bestimmten Jahres auf mehrere Jahre verteilt bezahlt; macht die Investmentsparte später Verluste, so werden die ausstehenden Boni-Anteile nicht ausgezahlt.

Die Banken wollen nun versprechen, zwei Drittel der variablen Bezüge auf drei bis vier Jahre verteilt zu zahlen. Darüber hinaus wird erwägt, dass ein Expertenkomité über die Boni-Politik wachen soll, das direkt dem Verwaltungsrat untersteht. In Sachen Transparenz sollen die Banken die Berechnungsmethoden für Boni offen legen.

Um Banken zum Mitmachen zu bewegen, erwägt die Regierung, nur mit solchen Instituten zusammen zu arbeiten, die die neuen Regeln einhalten. Sprich, bei Aktien- oder Bonds-Platzierungen von Frankreichs Staatsunternehmen müssten die US-Häuser dann zuschauen.

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