Boni-Steuer
Auch Frankreich will bei Bankmanagern kassieren

Die Idee einer Sondersteuer auf Bonuszahlungen in der Finanzbranche gewinnt international immer mehr Anhänger. Frankreich will dem Beispiel Großbritanniens folgen und eine solche Abgabe einführen. Ein entsprechendes Projekt stellt der Elysée-Palast am Freitag vor, hieß es aus Regierungskreisen.
  • 0

PARIS/LONDON/NEW YORK/ BERLIN. Anders als in Großbritannien würden hohe Boni aber nicht mit 50 Prozent besteuert. „Das wäre ungerecht, denn die Steuersysteme sind sehr verschieden“, hieß es in Paris. Die genaue Höhe der Steuer steht noch nicht fest. Die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde sagte hingegen in der Zeitung „Internationale Herald Tribune“ vom Freitag, die Abgabe solle wie auch in Großbritannien geplant bei 50 Prozent liegen. Deutschland will bei der Sondersteuer auf Boni bisher nicht mitmachen. Eine Sondersteuer sei „eine charmante Idee“ für die City of London, erklärte gestern Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Sie zeigte sich offen für eine Diskussion über die Mittel, mit denen exzessive Boni verhindert werden könnten. Die höflichen Worte verdecken, dass Merkels schwarz-gelbe Bundesregierung von einer Sondersteuer für eine einzelne Berufsgruppe nichts hält. So zweifeln die Experten im Finanzministerium daran, ob eine Boni-Steuer überhaupt verfassungskonform sein könnte. Sie befürchten einen Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz. Es komme darauf an, exzessive Boni zu verhindern, und nicht, sie über Steuern zurückzuholen.

Auslöser der Debatte sind die Steuerpläne der britischen Regierung. Schatzminister Alistair Darling stellte am Mittwoch den Plan vor, eine einmalige Strafsteuer von 50 Prozent auf alle Boni über 25 000 Pfund zu verhängen. Davon wären rund 20 000 Top-Banker betroffen, rund 5 000 von ihnen verdienen mehr als eine Million Pfund im Jahr. In einem Brief an seine EU-Kollegen rief der britische Premierminister Gordon Brown gestern dazu auf, die „Balance“ zwischen der Gesellschaft und dem erneut aufblühenden Finanzsektor wiederherzustellen. Vertreter der Londoner Finanzszene toben und kritisieren den Vorstoß als blanken Populismus.

Die britische Regierung bekommt nun Schützenhilfe aus Paris. Gestern stellte sich Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy ganz bewusst an die Seite des britischen Premiers. In einem gemeinsamen Gastbeitrag für das „Wall Street Journal“ plädieren beide Politiker für einen „neuen Pakt“ zwischen Finanzwirtschaft und Gesellschaft. Als eines der Elemente dieses Paktes „sind wir einig, dass eine Einmalsteuer auf Boni als Priorität betrachtet werden sollte, da die Boni-Zahlungen für 2009 zum Teil auf die Staatshilfen für das Banksystem zurückzuführen sind“, schreiben Brown und Sarkozy.

Frankreichs Staatschef will offenbar damit das gestörte Verhältnis zu Brown wieder kitten. Nachdem Sarkozy seinen Kandidaten Michel Barnier als neuen EU-Kommissar für Binnenmarkt und Finanzregulierung hatte durchdrücken können, jubelte er vor Journalisten, die Briten seien „der große Verlierer“ im Postenpoker. Die Äußerungen sorgten für Empörung in der britischen Finanzszene. Doch statt sich nun vor die City und ihre Topverdiener zu stellen, will Premier Brown sie mit einer Sondersteuer schröpfen.

Der britische Bankenverband beschuldigte Schatzminister Darling, „leichtfertig mit der Zukunft des Finanzplatzes London“ zu spielen. Der Finanzsektor ist der bei weitem wichtigste Wirtschaftszweig auf der Insel. Steuerfragen seien nicht die einzigen, aber mit die wichtigsten Gründe, warum viele Banker und selbst ganze Unternehmen darüber nachdächten, London den Rücken zu kehren, sagt Jill Storey von der Beratungsgesellschaft KPMG.

Seite 1:

Auch Frankreich will bei Bankmanagern kassieren

Seite 2:

Kommentare zu " Boni-Steuer: Auch Frankreich will bei Bankmanagern kassieren"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%