Bonitätsbestnote in Gefahr
Große Sorgen um Kreditwürdigkeit der USA

Nach der Warnung vor einer Bonitäts-Herabstufung Großbritanniens wächst zunehmend auch die Sorge um die Kreditwürdigkeit der USA. Die Märkte reagierten prompt: Die Erholung am Aktienmarkt in Europa und in den USA wurde ausgebremst . Und auch der Dollar blieb unter Druck.

HB NEW YORK. Die Vereinigten Staaten könnten wegen der hohen Staatsverschuldung in drei bis vier Jahren ihre Bonitäts-Bestnote AAA verlieren, sagte der angesehene Marktexperte Bill Gross, Gründer der Fondsgesellschaft Pimco, der Nachrichtenagentur Reuters. US-Präsident Barack Obama versuchte unterdessen, die Wogen zu glätten: Er sei nicht besorgt und rechne nicht mit einer Herabstufung, ließ er das Präsidialamt am Freitag erklären.

Die Sorgen um die Bonitätsnote der USA bremsten den Aktienmarkt in Europa zum Wochenausklang aus. Auch der Dollar blieb unter Druck. Die Wall Street notierte jedoch im Plus, da die US-Investoren darauf setzten, dass der schwächere Dollar heimischen Firmen zugute kommen könnte.

Die Märkte dürften die Probleme vor den Ratingagenturen erkennen, wie sie es auch schon getan hätten, erläuterte Gross, Manager des weltgrößten Anleihefonds Pimco Total Return Fund. Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte am Donnerstag den Ausblick für Großbritannien wegen dessen explodierender Staatsschulden von "stabil" auf "negativ" herabgestuft - zum ersten Mal seit den 80er Jahren. Die Staatsverschuldung könne bald 100 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung erreichen und mittelfristig auf diesem Niveau verharren, hieß es zur Begründung. Das sei mit der Bestnote "AAA" kaum vereinbar, mit der Großbritannien seit 1978 bewertet wird. Sie sei vor allem dann bedroht, wenn sich die Regierung nicht rasch an die Haushaltskonsolidierung mache.

Vielen Staaten macht derzeit zu schaffen, dass wegen der Rezession die Steuereinnahmen sinken. Zugleich lassen die Konjunkturprogramme die Ausgaben in die Höhe schießen. Für Deutschland rechnet die Bundesregierung in diesem Jahr mit einer Neuverschuldung von rund 50 Mrd. Euro. Zudem drohen Bund, Ländern und Gemeinden nach der Steuerschätzung bis Ende 2012 rund 316 Mrd. Euro weniger Einnahmen als veranschlagt.

Auch die USA sitzen auf einem riesigen Schuldenberg. Die US-Währung fiel am Freitag zeitweise auf den niedrigsten Stand des Jahres. Am Abend kostete ein Euro 1,4040 Dollar. Finanzminister Timothy Geithner warnte zuletzt am Donnerstag vor den Folgen für den Dollar, sollten die USA ihr ausuferndes Haushaltsdefizit nicht unter Kontrolle bringen.

Die Ratingagentur Moody's erklärte zwar, dass sie zu ihrer Bonitätsnote "AAA" für die Vereinigten Staaten stehe, diese sei aber nicht auf ewig sicher. "Es gibt langfristigen Druck auf das Rating, das ist offensichtlich", sagte Moody's-Analyst Steven Hess. Standard & Poor's verwies auf Anfrage darauf, dass die Agentur im Januar ihre Bestnote für die USA bestätigt habe. Seinerzeit hieß es in einem Kommentar der Agentur, die Bestätigung erfolge ungeachtet merklich gestiegener Fiskalrisiken; dieser Anstieg sei aber nur vorübergehend.

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