Bonus-Exzesse
EU begrenzt Banker-Boni

Die EU-Finanzminister und das Europaparlament nehmen Spitzenbanker an die kürzere Leine – und setzen trotz heftigen Widerstands aus Großbritannien eine Obergrenze für Bonuszahlungen. Doch es gibt Ausnahmen.
  • 2

BrüsselNach langem Streit begrenzt die EU die Bonuszahlungen an Spitzenbankiers. Vertreter des EU-Parlaments und EU-Mitgliedsländer einigten sich am Mittwochabend in Brüssel auf neue Regeln. Die Extrazahlung darf künftig im Normalfall nicht mehr höher sein als das Grundgehalt. In Ausnahmefällen können Geldhäuser ihren Topleuten eine Prämie in doppelter Höhe des Grundgehalts zahlen.

Die irische EU-Ratspräsidentschaft bestätigte den Kompromiss. Damit endet ein monatelanger Streit. Großbritannien leistete lange auf höchster politischer Ebene Widerstand, war aber letztlich isoliert. Der Finanzplatz London fürchtet um seine internationale Bedeutung.

„Das Parlament hat dem Druck der britischen Regierung widerstanden und keine Änderung an der Deckelung von Bonuszahlungen mehr zugelassen“, erklärte der Verhandlungsführer der Sozialdemokraten in der Volksvertretung, Udo Bullmann. „Gegen erbitterte Widerstände aus nationalen Hauptstädten und der Finanzindustrie wird Europa schon 2014 ein Stück gerechter.“

Zu dem Paket gehören auch strengere Regeln für den Bankensektor. Damit verankert die EU die Bankenrichtlinie „Basel III“. Die Banken sollen dadurch besser gegen künftige Krisen gewappnet sein. Sie müssen deshalb mehr Eigenkapital bereithalten. Zunächst steigt die geforderte Quote auf acht Prozent. Bis 2019 soll sie 10,5 Prozent erreichen.

Die EU-Finanzminister hatten dem Kompromiss schon bei ihrem Treffen Anfang März weitestgehend zugestimmt. Wegen britischen Widerstands gegen die Bonus-Regelungen waren jedoch weitere Beratungen nötig gewesen.

Strittig war bis zuletzt, wie mit langfristig ausgezahlten Boni umgegangen werden soll. Bei einem Viertel der Extrazahlungen kann unter bestimmten Bedingungen ein Inflations- und Risikoausgleich geltend gemacht werden. Eine absolute Grenze für Boni ist nicht vorgesehen.

Die EU-Kassenhüter und das Europaparlament müssen den Kompromiss nun noch formal beschließen. Die Vorschriften werden voraussichtlich am 1. Januar 2014 in Kraft treten. Anfang 2019 sollen alle Teile der Regulierung vollständig umgesetzt sein.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Bonus-Exzesse: EU begrenzt Banker-Boni"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Deckelung der Bänkereinkommen ist ein typisches Mittel aus der Werkzeugkiste der Planwirtschaftspolitiker, die immer noch nicht wahrhaben wollen, daß die Sozistaaten wie UdSSR, SBZ, .... gerade daran pleite gagangen sind.
    Erstens funktioniert das System wie nachgewiesen grundsätzlich nicht und
    zweitens vergeudet es Unsummen für Tausende neu einzustellenden Beamten (aus dem passenden parteipolitischen Netzwerk), die die Durchführung überwachen sollen.
    Selbst die Decklung nach Massgabe der Maastrichtkrierien für die wenigen Eurostaaten hat von Jahr zu Jahr nicht funktioniert; wie soll das bei Tausenden von Bänkstern funktionieren, zumal für sie die Betrügereinen vielfach Lebenselexier sind.
    Ein Gegenargument aus dem Kreis der Hochintelligenz rund um Schäuble zu folgendem Gesetz (für dessen Anwendung keine einziger neuer Steuerbeamte eingestellt werden muß) wird erbeten:
    Der Spitzensteuersatz für in Deutschland erbrachte Arbeit beträgt oberhalb von z.B. 500000 Euro 100%.
    Nebenbedingung: Beratung der Spitzenverdiener in Sachen Schwarzer Kassen durch Wolfgang Schäuble wird unter Strafe gestellt. Mindeststrafe: 3 Wochen Aushilfe in einer Suppenküche bei garantiertem Mindestlohn.
    Das Gesetz gilt für alle, einschließlich Politiker. Auch Peer Steinbruch.

  • wie lächerlich. Bei den ganzen Bankenkrisen hat die EU auf kompletter Linie versagt:

    - funktionierende Regeln zum Risikomanagement der Banken: Fehlanzeige
    - Überwachung des Bankentreibens: Fehlanzeige
    - Bankmanagement zur Verantwortung ziehen/ juristische und finanzielle Aufarbeitung der Fehlspekulationen: Fehlanzeige
    - Eigentümer am Schaden beteiligungen durch radikale Kapitalschnitte und anschließender Kapitalerhöhung: Fehlanzeige
    - Nachranggläubiger an der Sanierung beteiligen: Fehlanzeige
    - Abwicklung unrentabler Banken: Fehlanzeige
    - Staatsfinanzierung unabhängig von Banken-/EZB-Systems: Fehlanzeige

    Die Politik hat auf ganzer Linie versagt, die Finanzierung der Krisenländer ist komplett abhängig von der EZB/ dem Bankensystem. Um von der eigenen Unfähigkeit abzulenken schieben die Politiker die Schuld auf andere und betreiben lächerliche Symbolpolitik. Das ist nur noch widerlich.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%