Bonusschranke
Einigung über Grenzen für Banker-Boni in der EU

Europäische Banken müssen ab 2014 Sonderprämien an Mitarbeiter begrenzen. Sie dürfen künftig nur noch so hoch sein wie das feste Grundgehalt. Die Banker hatten sich mit Zahlungen in Multimillionenhöhe in Verruf gebracht.
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BrüsselDie Banken in der Europäischen Union müssen ab dem kommenden Jahr Bonuszahlungen an ihre Mitarbeiter in Grenzen halten. Das Europäische Parlament und die EU-Mitgliedstaaten einigten sich nach monatelangen zähen Verhandlungen in der Nacht zum Donnerstag in Brüssel auf eine Deckelung der Sonderzahlungen. Die Vorschriften sollen Anfang nächsten Jahres greifen. Die Volksvertretung und die EU-Staaten müssen dem Kompromiss noch endgültig zustimmen.

„Zum ersten Mal in der Geschichte der EU-Finanzmarktregulierung werden Boni für Banker gedeckelt“, erklärte der Verhandlungsführer des Parlaments, der österreichische Abgeordnete Othmar Karas. Sie dürfen künftig prinzipiell nur noch so hoch ausfallen wie das feste Grundgehalt. „Unter gewissen Bedingungen“ könne die variable Vergütung doppelt so hoch ausfallen wie die feste. Die Obergrenze könne höher ausfallen, wenn die Boni erst nach einer längeren Wartezeit an die Manager beziehungsweise Wertpapierhändler ausgezahlt würden, sagten EU-Diplomaten. Voraussetzung dafür sei, dass die Prämie aus Wertpapieren mit einer Laufzeit von mindestens drei Jahren bestehe.

Viel wichtiger an dem Gesetzespaket seien aber laut Karas die neuen Eigenkapitalregeln. Die Banken würden durch höhere Kapitalanforderungen stabiler.

Die Bonus-Grenze hat das Parlament gegen monatelangen Widerstand der Mitgliedstaaten durchgesetzt. Vor allem Großbritannien, wo der Finanzsektor ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, sperrte sich gegen den Eingriff in die Vergütungspolitik der Banken. Die Mitgliedstaaten hatten auf Ausnahmen gedrängt. Im Detail werden die Regelungen am Donnerstagmorgen in Brüssel vorgestellt.

Wie der irische Finanzminister Michael Noonan erklärte, sollen die Regeln sicherstellen, dass die Vergütungspraxis der Banken nicht zu einer exzessiven Risikobereitschaft ihrer Angestellten führt. Auch herrscht in der Öffentlichkeit Empörung darüber, dass Banken mit zig Milliarden Euro öffentlichem Geld gerettet werden mussten, viele Staaten jetzt einen harten Sparkurs fahren müssen – und die Bankmanager trotzdem Millionen an Bonuszahlungen kassieren.

Der SPD-Abgeordnete Udo Bullmann, der die Sozialdemokraten in den Verhandlungen vertrat, sagte: „Das heutige Verhandlungsergebnis deckelt die Bonuszahlung grundsätzlich auf die Höhe des Fixgehalts. Das bedeutet eine Revolution im Finanzmarkt, wo Verzehnfachungen des Gehalts keine Seltenheit sind. Wir legen zudem explizit Verantwortung in die Hände der Eigentümer der Banken, vertrauen ihnen aber nicht blind.“

Die Regelungen zu den Boni sind Teil der schärferen Kapitalvorschriften für die Finanzbranche (Basel III), auf die man sich international verständigt hat. Diese sollen Schieflagen von Banken künftig verhindern. Dies bedeutet, dass Kreditinstitute vom kommenden Jahr an mehr Geld bereithalten müssen, um ihre Geschäfte abzusichern. Laut Karas gehören dazu auch mehrere Maßnahmen, um die Kreditvergabe an den Mittelstand zu vereinfachen. „Das neue Bankengesetz ist nicht nur ein Stück Bankenregulierung, sondern dient der Finanzierung der realen Wirtschaft.“

„Ich glaube, dass das Kompromisspaket, das wir heute Nacht erreicht haben, gut ausbalanciert ist“, sagte der irische Chef-Kassenhüter Noonan, der das Paket am kommenden Dienstag in Brüssel beim Finanzministerrat seinen EU-Kollegen vorlegen will. Während der Verhandlungen habe man verschiedene Interessen berücksichtigen müssen: „Den Wunsch, die Bezahlungen der Banker zu begrenzen, während ein konkurrenzfähiger europäischer Bankensektor erhalten wird.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel

Kommentare zu " Bonusschranke: Einigung über Grenzen für Banker-Boni in der EU"

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  • Guter Ansatz, aber jetzt muss es weiter gehen.

    Abgeordnete und Politiker sollten Netto nicht mehr als das doppelte Netto ihrer Bürger, die sie vertreten. Regierungsmitglieder sollten einen Bonus erhalten, der nicht höher als das zuvor definierte Grundgehalt beträgt.

    Für die EU-Abgeordneten, -Politiker und Mitarbeiter gilt natürlich das durchschnittliche Netto der EU-Bürger.

    Das löst auch das Pensionsproblem, auf was wir zusteuern. Da ist das Griechenlandproblem nichts dagegen.

    Das war doch endlich einmal ein Schritt in die richtige Richtung.

    Glauben Sie daran, dass Politiker in der Lage sind, sich den eigenen Pelz zu waschen?

    Wir werden es sehen wie konsequent sie sind.
    Wir werden sehen was uns die Clowns vorspielen.

  • Pipifax!!!!

    Wir brauchen Glass-Steagall/die Bankentrennung!!!

  • wie gleich doch die Arbeitnehmer dieses Landes behandelt werden. Bei einem GmbH Geschäftsführer wird bei einer Prüfung durch das Finanzamt regelmäßig dessen Gehaltshöhe auf angemessenheit geprüft. Tantiemen, vergleichbar mit Boni, dürfen höchstens 25% der angemessenen Festbezüge betragen, ansonsten droht ungemach!

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