Bonuszahlungen
London macht gegen hohe Boni mobil

Der britische Finanzminister Alistair Darling rüstet im Kampf gegen exzessive Bonuszahlungen in der City auf. Nach Informationen aus Finanzkreisen will Darling am kommenden Mittwoch konkrete Maßnahmen gegen Geldhäuser präsentieren, die ihre Angestellten weiterhin mit hohen Boni für kurzfristige Erfolge belohnen.

LONDON. Dann stellt Darling sein Konzept zur Reform der Bankenaufsicht vor. Die Pläne sehen unter anderem vor, dass solche Banken von der Finanzaufsicht als riskanter als andere Institute eingestuft werden. Diese Banken müssten dann mehr teures Eigenkapital als Risikopuffer für ihre Geschäfte zurücklegen.

Nach Einschätzung von Regulierern und Politikern rund um den Globus haben exzessive Bonuszahlungen der Banken in den Jahren des Booms dazu beigetragen, dass die Akteure in der Finanzbranche auf den schnellen Gewinn fixiert waren und langfristige Solidität ihrer Geschäfte vernachlässigten. Darauf wird die derzeitige Finanz- und Wirtschaftskrise mit zurückgeführt. Nach denVerwerfungen der vergangenen Monate, machen die meisten Investmentbanken inzwischen wieder gute Gewinne. Goldman Sachs rechnet in diesem Jahr beispielsweise mit dem besten Ergebnis seiner 140-jährigen Geschichte. Das Haus profitiert vom Niedergang der Konkurrenz und von derzeit satten Gewinnen im Devisen-, Anleihen- und Rentenhandel. Wenn die Geschäfte weiter so gut laufen wie in den ersten beiden Quartalen dieses Jahres, dann wird Goldman nach Schätzung von Analysten insgesamt 20 Mrd. Dollar oder 700 000 Dollar je Angestelltem an Boni ausschütten. Das wäre doppelt so viel wie im vergangenen Jahr.

Für das zweite große Wall-Street-Haus, Morgan Stanley, belaufen sich die Schätzungen für die Ausschüttungen auf elf bis 14 Mrd. Dollar. Die Experten von Credit Suisse gehen davon aus, dass sich die Boni bei Morgan Stanley pro Angestelltem in diesem Jahr auf 340 000 Dollar belaufen werden, nach 260 000 Dollar im vergangenen Jahr.

Die britische Finanzaufsicht FSA hat bereits Verhaltensregeln aufgestellt, die sicherstellen sollen, dass Boni in Zukunft nur noch für langfristige Erfolge ausgeschüttet werden. Doch der Chef der Behörde, Adair Turner, beklagte vor kurzem, dass die Banken bereits wieder in die Unsitten alter Zeiten verfallen würden. Nicht nur die Boni würden wieder steigen, einige Banken hätten auch die Fixgehälter drastisch erhöht, selbst Antrittsprämien ohne Bezug zum Erfolg würden wieder gewährt.

Finanzminister Darling wolle mit seinen Vorschlägen dafür sorgen, dass die Regeln der FSA mit Leben erfüllt und durchgesetzt werden, heißt es aus Regierungskreisen. Allerdings werde er nicht so weit gehen, den Banken die absolute Höhe der Bonuszahlungen vorzuschreiben. Außerdem lehne Darling auch einige der radikaleren Vorschläge zur Reform des Finanzsystems ab, wie etwa die Aufspaltung großer Institute in eine „riskante“ Investmentbank und eine „solide“ Universalbank.

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