Boom gestoppt Chinas Auslandsinvestitionen brechen ein

Der internationale Kaufrausch chinesischer Firmen ist gestoppt – zumindest vorerst. Nachdem Peking strenge Kapitalverkehrskontrollen eingeführt hat, brachen die Auslandsinvestitionen im Januar ein.
3 Kommentare
Im vergangenen Jahr war so viel Kapital im Ausland angelegt worden wie niemals zuvor, besonders Deutschland war bei chinesischen Firmen beliebt. Quelle: dpa
Ende des Kaufrausches

Im vergangenen Jahr war so viel Kapital im Ausland angelegt worden wie niemals zuvor, besonders Deutschland war bei chinesischen Firmen beliebt.

(Foto: dpa)

PekingPan Gongsheng ist einer der mächtigsten Staatsbanker Chinas. Der Vizegouverneur der Zentralbank leitet das Devisenamt Safe der Volksrepublik. Auf der einen Seite, soll er den Schatz an chinesischen Devisenreserven gewinnbringend im Ausland anlegen. Auf der anderen Seite gibt seine Behörde die Regeln für chinesische Investitionen im Ausland vor. Und darauf liegt derzeit der Fokus von Pan. Denn momentan fließt wesentlich mehr Kapital aus der Volkrepublik ab, als das Land an Investitionen anlocken kann. Deshalb hat Pan seine Mitarbeiter angewiesen, Auslandsdeals strenger zu prüfen.

Eigentlich erlebte China einen regelrechten Boom an Auslandsinvestitionen. Im vergangenen Jahr war so viel Kapital im Ausland angelegt worden wie niemals zuvor, besonders Deutschland war bei chinesischen Firmen beliebt.

Diese deutschen Firmen gehören jetzt Chinesen
Biotest (2017)
1 von 12

Das Biotechunternehmen aus Dreieich wird von chinesischen Investoren übernommen. Eine entsprechende Vereinbarung sei unterzeichnet worden, teilte Biotest im April 2017 mit. Großaktionär Ogel, der bereit knapp über 50 Prozent an dem Unternehmen hält, unterstütze die Transaktion und werde seine Aktien andienen. Mit Biotest nimmt Creat ein weiteres Unternehmen ins Visier, das im Bereich Plasmaproteinprodukte tätig ist. Erst im vergangenen Jahr hatten die Chinesen die britische Firma Bio Products für rund 944 Millionen Euro gekauft. Biotest hat sich neben Plasmaproteinprodukten auf biotherapeutische Arzneimittel konzentriert.

Kuka (2016)
2 von 12

Das Augsburger Unternehmen Kuka baut nicht nur Roboter, sondern ist auch Systemanbieter rund um die digital vernetzte Industrie – und ein Vorzeigeunternehmen. Rund 4,6 Milliarden Euro hat der chinesische Hausgeräte-Hersteller Midea im Sommer 2016 für den Erwerb von Kuka auf den Tisch gelegt. Eine Investition, die sich zu lohnen scheint: So konnte das Unternehmen im Geschäftsjahr 2016 neue Aufträge im Rekordwert von 3,4 Milliarden Euro verbuchen – dies entspricht einem Zuwachs von über 20 Prozent. Kuka hat weltweit rund 13.200 Mitarbeiter.

Krauss-Maffei (2016)
3 von 12

Im Januar 2016 verkauft der Finanzinvestor Onex den Münchener Spezialmaschinenbauer Krauss-Maffei an ein Konsortium um die staatliche National Chemical Corporation (Chemchina). Der größte Chemiekonzern des Landes zahlt 925 Millionen Euro für den traditionsreichen Hersteller von Spritzgießmaschinen für die Kunststoff- und Gummi-Verarbeitung.

Koki & Hilite (2014)
4 von 12

Das chinesische Unternehmen Avic Electromechanical Systems (Avicem) – eine Tochter der staatlichen Unternehmensgruppe Aviation Industry Corporation of China (Avic) – übernimmt 2014 den sächsischen Autozulieferer Koki. Ein Kaufpreis wird nicht genannt. Avic übernimmt im selben Jahr einen weiteren Autozulieferer: Für 473 Millionen Euro kauft sich das chinesische Unternehmen bei Hilite ein.

Tailored Blanks (2013)
5 von 12

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp schließt 2013 den Verkauf seiner Tochter an den chinesischen Stahlkonzern Wuhan Iron and Steel (Wisco) ab. Zum Preis machen beide Seiten keine Angaben.

Putzmeister (2012)
6 von 12

Der Betonpumpenhersteller Putzmeister wurde 2012 von Firmengründer Schlecht an den chinesischen Baumaschinen-Riesen Sany Heavy Industry verkauft. Die ließen sich die Übernahme des Weltmarktführers für Autobetonpumpen rund 320 Millionen Euro kosten.

Kiekert (2012)
7 von 12

Noch ein Weltmarktführer in chinesischer Hand: Der Autozulieferer Kiekert wird 2012 vom Pekinger Automobilzulieferer Lingyun übernommen. Das Unternehmen ist der Erfinder der Zentralverriegelung und Spezialist für Autoschlösser.

Doch die strengen Beamten haben den Boom gestoppt. Die Direktinvestitionen im Ausland sind im Januar regelrecht eingebrochen. Der Rückgang betrug im ersten Monat des Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 35,7 Prozent auf 53,3 Milliarden Yuan (rund 7,3 Milliarden Euro), wie aus Zahlen des Handelsministeriums hervorgeht.

Das ist ein Alarmsignal für Safe, sondern Grund zum Jubeln. „Der Druck auf die grenzüberschreitenden Kapitalflüsse ist deutlich zurückgegangen“, teilte das Devisenamt am Freitag mit. Anders ausgedrückt: Weil weniger Kapital im Ausland abfließt, die Investitionen in China jedoch weitgehend konstant bleiben, sind die Nettoabflüsse zurückgegangen. Für Januar verbuchte das Devisenamt ein Minus von 19,2 Milliarden Dollar. Das sind rund 60 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, wie das Amt mitteilte.

Pans Mitarbeiter wollen jedoch nicht pauschal Deals stoppen, sondern Firmen bei Übernahmen in andere Sektoren umlenken. So wurden im Januar fast keine Investitionen im Kultur- und Unterhaltungsbereich getätigt. Das Minus betrug in dem Sektor gigantische 93,3 Prozent. Ähnlich streng gingen die Beamten gegen Immobilien-Deals vor. Hier fiel das Minus mit 84,3 Prozent fast genau so groß aus. Dafür ermunterte die Behörden Firmen zu Investitionen in Hochtechnologie.

Deutschland sei und bleibe weiterhin für China sehr interessant, hob der chinesische Botschafter in Deutschland, Shi Mingde, im Interview mit dem Handelsblatt hervor. „China war im vergangenen Jahr der größte Handelspartner Deutschland weltweit“, sagte Shi. Mehr als 8.200 deutsche Firmen seien in China tätig. Gerade in ungewissen Zeiten nach dem Brexit und der neuen US-Administration unter Präsident Donald Trump müssten Deutschland und China enger zusammenstehen. „Wir sollten gemeinsam für offenen Handel eintreten“, forderte Shi.

Chinas Kaufrausch ist noch lange nicht vorbei. „Der langfristige Trend bleibt unverändert“, sagte der Chef des China-Forschungsinstituts Merics in Berlin, Sebastian Heilmann, vergangene Woche bei der Konferenz „Asia Business Insights“ von Handelsblatt und HSBC in Düsseldorf. Zwar bremse Peking kurzfristig den Abfluss von Kapital ins Ausland. Auf lange Sicht wolle China jedoch die heimische Industrie mit der Übernahme von Schlüsseltechnologien aus dem Ausland stärken.

Startseite

Mehr zu: Boom gestoppt - Chinas Auslandsinvestitionen brechen ein

3 Kommentare zu "Boom gestoppt: Chinas Auslandsinvestitionen brechen ein"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wie lange möchten deutsche Politiker die Chinesen "bitten" ihren Markt für Direktinvestitionen ohne Joint Ventures zu öffnen? Wie lange schauen ignorante deutsche Politiker dem Ausrauben deutschen know-hows in China lächelnd zu?

  • Sehr geehrter Herr Hofmann, vielen Dank für Ihr Interesse an unserer Berichterstattung. "Einbruch" bezieht sich auf die Januar-Zahlen im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vorjahr. Dabei lag der Rückgang insgesamt bei fast 36 Prozent. Natürlich kommen noch saisonale Effekte hinzu. Klar ist jedoch, dass die Regeln der Behörden Investitionen derzeit deutlich erschweren.

  • China investiert immer noch hoch im Ausland. Da bricht nichts ein!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%