Boom in Nahost
Israels Wirtschaft legt politische Fesseln ab

Israels Wirtschaft boomt. Die Firmen des Landes spielen in der höchsten Liga – auch wenn ein Frieden in der Region nicht in Sicht ist. Trotz Kriegsgerassel an den Grenzen zu Syrien und Libanon und fast täglichen Raketen-Angriffen auf Süd-Israel hat die Wirtschaft in den vergangenen Jahren um fast 20 Prozent zugelegt.

TEL AVIV. Wer in Tel Aviv oder Jerusalem ein Hotelzimmer reservieren will, hört ständig: „Leider sind wir derzeit vollkommen ausgebucht.“ Vor einem Jahr, als Israel im Libanon gegen die Hisbollah kämpfte, standen die meisten Zimmer leer, weil die Fremden das Land fluchtartig verlassen hatten. Jetzt wagen sich Touristen wieder in den Nahen Osten.

Israels Wirtschaft boomt. Seit dem Ende der Intifada vor vier Jahren hat die israelische Wirstchaft um fast 20 Prozent zugelegt. Der Trend ist ungebrochen. Die Ökonomie wuchs 2006 um fünf Prozent, Libanonkrieg hin oder her. Auch für dieses Jahr beurteilen Volkswirtschaftler die Wachstumsaussichten günstig.

Israels Wirtschaft war noch in den frühen neunziger Jahren vom Staat dominiert. Nachdem eine neoliberale Wirtschaftspolitik den Einfluss der Bürokraten erheblich reduziert hat, sind die Unternehmen fit für den globalen Wettbewerb. Die Verschuldung des Staates ist nicht mehr gefährlich hoch, die Inflation im Griff, die Arbeitslosigkeit sinkt, und der Schekel behauptet sich gegenüber dem Dollar. Im Global Competitive Index des World Economic Forum (WEF) rangiert Israel auf dem stolzen Platz 15. Damit ist das Land Spitzenreiter im Nahen und Mittleren Osten. Tunesien und die Vereinigten Arabischen Emirate belegen lediglich die Plätze 30 respektive 32. Israel sei jetzt Teil der globalen Ökonomie, sagt Notenbankchef Stanley Fischer, der Beitrittsverhandlungen zur OECD aufnahm, dem Club der wichtigsten Industrieländer.

In Tel Aviv gab es dieses Jahr mehr Aktien-Emissionen als an jedem anderen Börsenplatz. Auch in New York stehen israelische Firmen bei den High-Tech-Emissionen ganz oben. Das kleine Land spielt in der Liga der Großen mit: Die Rüstungsindustrie gehört zum Club der fünf größten Exporteure. Sie profitiert nicht nur von der Innovationskraft der Industrie, sondern auch vom Siegel „im Krieg erprobt“.

Zudem sind Tel Aviv, Jerusalem und Haifa gefragte Standorte für Entwicklungsabteilungen internationaler Spitzenfirmen – zum Beispiel SAP, Cisco, Intel oder HP. Insgesamt unterhalten laut dem „Israel High-Tech & Investment Report“ 110 ausländische Unternehmen Forschungslabors mit 35 000 Jobs. Auf vielen lukrativen Gebieten haben israelische Forscher die Nase vorn. So ist die Pharma-Gruppe Teva bei Nachahmerpräparaten Spitzenreiterin, und Check Point Software Technologies zählt zu den führenden Anbietern von Sicherheitslösungen im Computerbereich. Viele Firmen haben ihr Hauptquartier in Tel Aviv – aber ihr Aktionsradius ist global. So fallen israelische Immobilienfirmen in den USA, in Großbritannien, Russland, Polen oder Deutschland immer wieder mit Groß-Akquisitionen auf.

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