Boomländer lassen Muskeln spielen
IWF-Reform stockt

Das Gewicht der Schwellenländer im Internationalen Währungsfonds (IWF), einer der mächtigsten Finanzorganisationen weltweit, soll größer werden. Die dafür nötigen Reformanstrengungen drohen allerdings in einer Sackgasse zu landen.

HB WASHINGTON. Am Morgen noch hatte Finanzstaatssekretär Thomas Mirow von „erheblichen Meinungsverschiedenheiten“ gesprochen. Ein paar Stunden später dann wurde Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) deutlicher: „Wir sind ferner denn je“, gestand er mit Blick auf die heikle Quotenreform beim Internationalen Währungsfonds (IWF). Es geht dabei um nicht weniger als die künftige Verteilung von Macht und Einfluss bei der Finanzinstitution.

Mit dem Selbstbewusstsein des wirtschaftlichen Aufsteigers wollen Schwellenländer wie Brasilien, China oder Russland mehr zu sagen haben - auf Kosten der alteingesessenen Industrieländer. Zwar sei man zum Verzicht bereit, heißt es von dort. Doch hat die Frage des „Wieviel“ die umfangreichste Reform des IWF in seiner mehr als 60-jährigen Geschichte in einem zentralen Punkt allem Anschein nach geradewegs in die Sackgasse befördert. Mancher spricht inzwischen sogar von einem neu entflammten Nord-Süd-Konflikt.

Die früheren Habenichtse, denen der IWF einst als Feuerwehr mit Notkrediten beispringen musste, lassen als neue Wirtschaftsmächte die Muskeln spielen. Erst vor wenigen Tagen tönte der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva bei einem Besuch im Kongo: „Entwicklungsländer müssen ihre eigenen Finanzmechanismen schaffen, statt unter denen von IWF und Weltbank zu leiden, die beide Institutionen der reichen Länder sind.“ Auch die Weltbank als Entwicklungshilfeorganisation und „Schwester“ des Weltwährungsfonds bekam schon einen Warnschuss verpasst: Sieben südamerikanische Staaten beschlossen unlängst die Gründung einer eigenen Entwicklungsbank mit Namen Banco del Sur (Bank des Südens).

Da überraschte kaum, wen Brasiliens Finanzminister Guido Mantega am Wochenende bei der Herbsttagung von IWF und Weltbank in Washington für das Schneckentempo bei der Reform als Schuldigen sieht: „Der schleppende Fortschritt ist vor allem dem Widerstand gegen einen Wandel der entwickelten Länder zuzuschreiben, die in der Stimmmacht überrepräsentiert sind.“ Dann folgte eine unverhohlene Drohung: „Jedes mittelmäßige Ergebnis (in der Quotenfrage) würde die Bedeutung und die Legitimität des Fonds in Frage stellen.“

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