Boomland Indien
Lockruf Wachstum

Indiens Boom zieht viele deutsche Unternehmen an. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos und eine große Wirtschaftsdelegation loten derzeit die Chancen der Firmen aus. Doch eine schwerfällige Bürokratie und Infrastrukturprobleme sorgen für Skepsis.

NEU-DELHI. Zweistellige Wachstumsraten, das erfährt der Indien-Reisende schnell, sind kein Grund zur Zufriedenheit. Bei der „Hindustan Times“ etwa, einer der größten indischen Tageszeitungen, führten um 40 Prozent gestiegene Anzeigenerlöse neulich zu Krach – die Konkurrenz wächst noch stärker. Auch der Luftverkehr zieht jährlich um ein Viertel an, und bis nächstes Jahr werden 200 neue Passagierflugzeuge in Dienst gestellt.

Willkommen im Boomland Indien, das Bundeswirtschaftsminister Michael Glos und eine rund 100-köpfige Wirtschaftsdelegation derzeit erkunden. Fern der Heimat suchen die Deutschen nach neuen Märkten und Produktionsstandorten. Mit besonders hohen Erwartungen sind Vertreter der Rüstungsfirmen mitgereist. Glos enttäuscht sie nicht: „Indien ist zu einer anerkannten Friedensmacht in der Welt geworden“, erklärt er gleich nach der Ankunft. Das eröffne neue Chancen zur Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich.

Indiens Wirtschaftsaufschwung erfreut deutsche Exporteure. Ihre Ausfuhren in das Land stiegen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 44 Prozent auf 2,8 Mrd. Euro. Für das Gesamtjahr erwartet Glos daher ein Handelsvolumen von zehn Mrd. Euro. Diese Wachstumsdynamik macht alle früheren Prognosen zu Makulatur. Vor zwei Jahren erst hatte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder dieses Ziel noch frühestens für 2009 angepeilt.

Für Hubert Lienhard, Vorstand des Anlagenbauers Voith, muss Deutschland daher besonderes Interesse an einem Freihandelsabkommen der EU mit Indien haben. „Unsere Länder würden davon besonders profitieren“, sagt er. Auch Wirtschafts- und Handelsminister Kamal Nath wirbt im Gespräch mit dem Handelsblatt für ein solches Abkommen (siehe „Wir sind natürliche Partner“).

Die großen Konzerne wie SAP, Siemens oder Bosch sind längst massiv in Indien eingestiegen. Erst gestern kündigte der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS an, in den kommenden 15 Jahren zwei Mrd. Euro in Indien zu investieren. Doch der deutsche Mittelstand hat Nachholbedarf. „Wir werben dafür, dass gerade die Zusammenarbeit zwischen deutschem Mittelstand und den kleinen und mittleren Firmen in Indien sich verstärkt“, sagte Glos. Nath sieht in der Verbindung deutscher Technologie mit Indiens zahlreichen und billigen Fachkräften „unschlagbare Synergien vor allem in den Bereichen Pharma, Biotechnologie und Maschinenbau“.

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