Bosnien-Herzegovina
Muslime stimmen für Wechsel im Staatspräsidium

Bei den Wahlen im Vielvölkerstaat Bosnien-Herzegowina hat es in der muslimischen Gemeinschaft des Landes offenbar einen Führungswechsel gegeben. Der moderate Kandidat Bakir Izetbegovic nahm dem nationalistischen Amtsinhaber Haris Silajdzic den muslimischen Posten im Staatspräsidium ab.
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HB SARALEVO. Bei den allgemeinen Präsidiums- und Parlamentswahlen in Bosnien-Herzegowina liegt Izetbegovic nach ersten Ergebnissen Bakir in Führung: Der 54-jährige Sohn des ersten bosnischen Präsidenten Alija Izetbegovic komme nach Auszählung von gut 75 Prozent der Wahllokale auf 34 Prozent der Stimmen, meldete die Wahlkommission. Damit könnte er als Vertreter der Muslime in das dreiköpfige höchste Staatsorgan einziehen. Haris Silajdzic, der jahrelang dort die Muslime repräsentiert hatte, erlitt demnach eine herbe Niederlage. Die bisherigen Vertreter der Serben und Kroaten an der Staatsspitze wurden den Ergebnissen zufolge im Amt bestätigt.

Rund 3,1 Millionen Wahlberechtigte hatten am Sonntag auch das einflusslose Bundesparlament und die Parlamente der zwei fast selbstständigen Landesteile gewählt. Daneben wurden die Parlamente in den elf Kantonen (Kreisen) sowie der Staatspräsident in der serbischen Landeshälfte bestimmt. Aussagekräftige Ergebnisse werden erst am späteren Montag erwartet. Die Wahlbeteiligung war mit 55 Prozent etwa so hoch wie vor vier Jahren, teilte die Wahlkommission mit.

Das Land ist wegen des Streits der drei Völker seit vielen Jahren fast handlungsunfähig. Die Muslime, die knapp die Mehrheit der 3,8 Millionen Einwohner bilden, die Serben (ein Drittel) und die Kroaten blockieren mit ihrem Streit alle wichtigen Staatsorgane. Der serbische Spitzenpolitiker Milorad Dodik machte am Sonntag noch einmal deutlich, dass er dem Fortbestand Bosniens keine Chancen einräume: „Unsere Hauptstadt ist Banja Luka und die Hauptstadt unseres Volkes ist Belgrad, niemals Sarajevo“, sagte er.

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