Botschafter abgezogen
Streit zwischen Mexiko und Venezuela eskaliert

Ein seit Tagen tobender Streit zwischen den Präsidenten von Mexiko und Venezuela um Freihandel und Ideologie ist weiter eskaliert. Nachdem Venezuela bereits seinen Botschafter aus Mexiko-Stadt abgezogen hatte, rief Mexiko seinen diplomatischen Vertreter aus Caracas zurück.

HB MEXIKO-STADT/CARACAS. Venezuelas Präsident Hugo Chávez hatte seinen Kollegen Vicente Fox zuvor wegen Mexikos Unterstützung für die Gründung einer panamerikanischen Freihandelszone in schärfsten Tönen kritisiert. Die Freihandelszone wird von allem von den USA propagiert. Als Fox daraufhin eine Entschuldigung forderte, lehnte Chavez ab.

Fox erfuhr von der Botschafter-Abberufung während eines Live-Interviews mit dem US-Nachrichtensender CNN und reagierte prompt: „Man darf die Beleidigungen gegen unser Volk und gegen unser Land nicht akzeptieren“, sagte er. „Wir haben Würde.“

Mit dem Abzug seines Botschafters hatte der umstrittene Linksnationalist Chávez auf ein „Ultimatum“ von Fox hinsichtlich einer Entschuldigung reagiert. In einer Regierungserklärung wurde das „Ultimatum“ Mexikos als „sinnlose Aggression“ zurückgewiesen.

Dass der Streit um den Freihandel nicht nur einen Keil zwischen die USA und Lateinamerika getrieben, sondern auch unter den Lateinamerikanern selbst für Streit gesorgt hat, war bereits beim jüngsten Amerika-Gipfel im argentinischen Seebad Mar del Plata Anfang des Monats deutlich geworden. Nicht nur Chávez, sondern unter anderem auch die Staatspräsidenten von Brasilien und Argentinien, Luiz Inácio Lula da Silva und Néstor Kirchner, wiesen in Mar del Plata die US-Pläne zurück.

Nach dem Treffen in Argentinien, das in Lateinamerika wegen der Ablehnung der Freihandelszone als Schlappe für US-Präsident George W. Bush gewertet wurde, bezeichnete Chávez in seiner Fernsehsendung „Alo Presidente“ Fox unter anderem als „Kind des (US-)Imperiums“. Der mexikanische Präsident verrate seine verletzten Gefühle, weil es ihm nicht gelungen sei, den übrigen Staaten die Freihandelszone aufzudrängen. An Fox erging Chávez Warnung: „Legen Sie sich nicht mit mir an“.

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