Bradley Manning
Mutmaßlicher Wikileaks-Informant vor Gericht

Der US-Soldat Bradley Manning soll Abertausende Geheimdokumente an die Internet-Plattform Wikileaks weitergereicht haben. Jetzt steht er vor einem Militärgericht. Wird er schuldig gesprochen, droht ihm lebenslange Haft.
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Fort MeadeDer mutmaßliche Wikileaks-Informant Bradley Manning muss sich wegen „Unterstützung des Feindes“ vor einem US-Militärgericht verantworten. Das entschied eine Richterin auf dem Militärstützpunkt Fort Meade (US-Staat Maryland) am Donnerstag. Zu den 22 Anklagepunkten gegen den 24-Jährigen gehört auch Unterstützung des Feindes. Sollte er in diesem Anklagepunkt schuldig gesprochen werden, droht ihm eine lebenslange Gefängnisstrafe.

Die Anklage wirft dem 24-jährigen Obergefreiten der US-Armee unter anderem vor, während seiner Stationierung im Irak die Internet-Plattform Wikileaks mit 700.000 größtenteils geheimen Dokumenten versorgt zu haben. Seine Verteidiger haben Manning als einen emotional instabilen jungen Mann beschrieben, der nie im Irak hätte stationiert und dort auch keinen Zugang zu geheimen Informationen hätte erhalten dürfen. Für den Prozessbeginn wurde zunächst kein Datum festgelegt.

Manning äußerte sich am Donnerstag nicht dazu, ob er sich für schuldig oder unschuldig hält. Beobachter schließen daraus, dass sich Ankläger und Verteidiger noch vor dem offiziellen Prozessbeginn auf einen Vergleich einigen könnten. Dies könnte zu einer milderen Strafe führen.

US-Medien sprechen vom schwersten Fall von Geheimnisverrat in der amerikanischen Geschichte. Bei einer Anhörung im Dezember hatte die Verteidigung bereits zu Milde aufgerufen: Durch die Enthüllungen sei kein Schaden entstanden. 30 Jahre Haft für Manning seien daher angemessen.

Dagegen hatte die Anklagebehörde den Standpunkt vertreten, es gebe erdrückende Beweise, dass der Geheimdienst-Analyst während seines Einsatzes im Irak „konstant, bewusst und methodisch“ interne Dokumente aus regierungseigenen US-Computern gezogen habe.

Wikileaks hatte die Informationen über die Kriege im Irak und in Afghanistan sowie unzählige vertrauliche Diplomatendepeschen via Internet öffentlich gemacht - was für die USA eine schwere Blamage bedeutete.

Schon vor Beginn des Verfahrens hatten Unterstützer für Manning mobilisiert. Das „Bradley Manning Support Network“ setzt sich etwa für bessere Haftbedingungen für den 24-Jährigen ein. Die deutsche Schriftstellervereinigung PEN dankte ihm demonstrativ „für den Verrat unwürdiger Geheimnisse“.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Bradley Manning: Mutmaßlicher Wikileaks-Informant vor Gericht"

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  • Eine arme "Sau" die man jetzt öffentlich zur Abschreckung "schlachtet" und den Rest über die jahrzehnte währende US-Haft entsorgen wird !

    Möglicherweise wäre eine finale Lösung, zumal er auch noch homosexuell sein soll, was ja in US Gefängnissen nicht besonders gut ankommt, nicht doch humaner. Abschließend beurteilen läßt sich das wohl erst am Ende seines Weges. Er hat mein aufrichtiges Mitleid und die USA meine aufrichtige Verachtung.

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