Branchenkrise
Obamas „Auto-Zar“ Rattner tritt ab

Kaum haben General Motors und Chrysler den Gläubigerschutz verlassen haben, da tritt der als „Auto-Zar“ bezeichnete Chefberater von Präsident Barack Obama ab. Doch ein Nachfolger steht schon parat.

HB NEW YORK. Der Sonderbeauftragte der US-Regierung für die Autoindustrie, Steven Rattner, wird sich ins Privatleben zurückziehen. Das teilte US-Finanzminister Timothy Geithner am Montagabend mit. Sein Nachfolger soll Ron Bloom werden. Der frühere Wall-Street-Manager ist bereits Mitglied der Auto-Task-Force und gilt als Sanierungsexperte.

Rattner hat zusammen mit der Regierung die schnelle Restrukturierung der angeschlagene US-Autoriesen GM und Chrysler unter Gläubigerschutz vorangetrieben. Rattners Abgang leite nun eine neue Phase in der Arbeit der Task-Force ein, erklärte ein Regierungsvertreter. Das Regierungsteam werde künftig nicht mehr aktiv umstrukturieren sondern vor allem Geschäfte überwachen. Rattner erklärte vergangene Woche, die US-Regierung werde sich mit ihrem Anteil von 60 Prozent an GM künftig wie ein institutioneller Anleger verhalten und kontrollieren, wie mit den staatlichen Milliardenhilfen gewirtschaftet wird. GM und Chrysler steuern angesichts der schweren Branchenkrise in eine ungewisse Zukunft.

Im April war Rattner wegen Ermittlungen im Zusammenhang mit einem Geschäft seiner Investmentfirma Quadrangle in die Kritik geraten. US-Präsident Barack Obama stellte sich jedoch hinter seinen obersten Autobeauftragten. Kreisen zufolge wird Rattner, der im Februar von Quadrangle zur Autokommission gewechselt war, nicht zu der von ihm mitgegründeten Firma zurückkehren.

Das „Wall Street Journal“ schrieb, die New Yorker Staatsanwaltschaft habe in den vergangenen Wochen die Überprüfung von Rattners Investmentfirma Quadrangle im Zusammenhang mit einer Korruptionsaffäre verstärkt. Weder gegen Rattner noch gegen Quadrangle gibt es bisher Beschuldigungen. Es gebe keine Hinweise darauf, dass der Rückzug Rattners mit den Ermittlungen zusammenhänge, schrieb die Zeitung.

Rattner, einst ein Journalist der „New York Times“, hatte seit den 80er Jahren als Investor ein Millionen-Vermögen aufgebaut. Er habe auf jeden Fall bis zum Ende der GM-Insolvenz an der Spitze der Auto Task-Force bleiben wollten, berichtete die „New York Times“.

Unterdessen wurde bekannt, dass US-Präsident Obama weitere Maßnahmen zur Stützung des darbenden US-Häusermarkts erwägt. Obama wolle verhindern, dass Häuser rasch versteigert werden, wenn Besitzer arbeitslos werden und deshalb ihre monatlichen Kreditraten nicht mehr bezahlen können, sagte ein US-Regierungsvertreter am Montagabend. Deshalb denke die Regierung über Möglichkeiten zur Stundung von Krediten in diesen Fällen nach.

Der Vertreter betonte, es handle sich bisher lediglich um eine Idee, die noch weiter entwickelt werden müsste. Sie solle zusammen mit einer Reihe anderer Maßnahmen für arbeitslos gewordene Amerikaner beschlossen werden.

Das US-Finanzministerium hat die größten Kreditgeber des Landes aufgerufen, Zwangsversteigerungen wo es möglich ist zu vermeiden und dem Häusermarkt so wieder auf die Sprünge zu helfen. Ende Juli sollen die Konzerne dem Finanzministerium ihre Hilfs-Programme vorstellen. Der Kollaps am US-Immobilienmarkt gilt als Auslöser der schwersten Rezession seit der Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren.

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