Brandbrief an EU

Athen warnt vor Haushalts-Kollaps

Die Einnahmen schrumpfen, die Ausgaben steigen: Die schlechten Nachrichten aus Athen reißen nicht ab. Griechenlands Finanzminister bettelt nun schriftlich um EU-Finanzspritzen.
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Immer neue schlechte Nachrichten aus Athen: Dem griechischen Haushalt droht ein Loch von über einer halben Milliarde Euro. Quelle: dapd

Immer neue schlechte Nachrichten aus Athen: Dem griechischen Haushalt droht ein Loch von über einer halben Milliarde Euro.

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Dem griechischen Haushalt droht wegen des Schrumpfens der Wirtschaft eine gefährliche Schieflage. Die Einnahmen sind nach Angaben des Finanzministeriums in Athen in den ersten sieben Monaten des Jahres um 1,9 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Die Ausgaben stiegen gleichzeitig um 2,7 Milliarden Euro an.

Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos schlug Alarm in einem Brief an EU-Währungskommissar Olli Rehn, den Vorsitzenden der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, und den Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean Claude Trichet. Er rief dazu auf, die jüngsten Beschlüsse des EU-Gipfels für weitere Hilfen an Griechenland in Höhe von rund 109 Milliarden Euro so schnell wie möglich in die Tat umzusetzen.

Vor allem der Streit um Sicherheiten, die einige Länder für die von ihnen zu leistenden Hilfen an Griechenland verlangen, müsse nach Ansicht Venizelos „politisch“ beendet werden, „damit klare und positive Nachrichten an die Märkte und auch an die Bürger der EU gerichtet werden“. Der Brief lag der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag vor.

Nach Schätzungen des Athener Finanzministeriums ist das gesetzte Ziel, Ende 2011 das Defizit auf 7,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts zu verringern, nicht mehr erreichbar. Athen geht jetzt von einem Defizit von mindestens acht Prozent aus. Die griechische Wirtschaft war im Vorjahr um 4,5 Prozent geschrumpft und wird offiziellen Schätzungen zufolge in diesem Jahr um weitere 5 bis 5,5 Prozent schrumpfen.

Am Montag starten Mitarbeiter der EU, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EZB eine neue Kontrolle der Finanzen in Athen. Die Prüfung der Bücher soll bis Anfang September andauern. Dann ist die nächste Tranche der EU-IWF-Hilfen für Griechenland in Höhe von acht Milliarden Euro fällig.

  • dpa
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51 Kommentare zu "Brandbrief an EU: Athen warnt vor Haushalts-Kollaps"

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  • Die EURO-Schutzschirme werden überhaupt nichts bringen, weil die Gewohnheiten an das angenehme Leben, bezahlt aus Brüssel und den billigen Krediten fest in den Köpfen in GR sitzt, vor allem bei den Führungskräften, die sowieso erst mal für sich selbst sorgen. So wird sich die ökonomische und finanzpolitische Mentalität selbst nach 10 Generationen nicht den mittel- und nordeuropäischen Mentalitäten in diesen
    volkswirtschaftlichen Fragen anpassen. Es wird so weiter gehen. Dasselbe gilt für die anderen Warmwasserländer. Eine möglich Lösung bei Erhalt der EU: Die EZB gibt diesen Staaten den SÜD-EURO, die Geberländer einigen sich auf den NORD-EURO. Das gilt dann auch später für die Balkanstaaten, die Türkei, Ukraine bis zum Kaukasus. Alle eines Tages in der EU, aber getrennte EUROS.

  • Welche Partei? Rot - Grüm propagiert Eurobonds und prangert an, dass die Kanzlerin Griechenland nicht rascher beispringe. Die CDU schwadronniert, daß sie "zunächst" Eurobonds noch ablehne. Bei der FDP allerdings ist eine Mehrheit dafür, die Koalition zu verlassen, sollten Eurobonds verabschiedet werden.

  • Griechenland warnt vor sich selbst, andere Länder wie Portugal und Irland werden folgen. Italien und Spanien hat man gleich vorsorglich vom freien Kapitalmarkt getrennt. Die soliden Geberländer verweigern sich zu Recht der quasi unbegrenzen Solidaritätseinforderungen. Norwegen lässt sich Garantien für seine Hilfsleistungen ausstellen, Holland, Österreich und Slowenien fordern ähnliches. Wir sollten es endlich offen sagen: Der Euro ist grandios gescheitert - nicht ein bisschen, sondern auf der ganzen Linie. Das Geschwätz von Eurobonds, gemeinsamen Finanzregierungen usw. ist nur noch ein verzweifelter Volkssturm der Euro-Ideologen. Diese Therapien bewirken nichts, außer das Chaos noch zu verstärken. Es fehlt Europa an Solidität, Ernsthaftigkeit, Ehrlichkeit und auch der Gleichkheit der Ausgangsvoraussetzungen. Lasst uns endlich diese Chaoswährung noch halbwegs geordnet abwickeln, ansonsten begräbt uns der kommende Finanztsunami.

  • Man lese mal den Blogbeitrag hier im Handelsblatt

    http://blog.handelsblatt.com/global-reporting/2011/08/20/der-absturz-beschleunigt-sich/comment-page-1/#comment-7686554

    Die Lage in Griechenland ist hoffnungslos.

  • http://de.finance.yahoo.com/nachrichten/Blessing-fordert-EU-hblatt-3498957354.html?x=0

    Blessing fordert EU-Finanzminister
    Der Manager sieht nach eigenem Bekunden zwei Möglichkeiten, dem Kreislauf aus höheren Schulden, größeren Rettungspaketen und hektischen Marktreaktionen zu entkommen: eine Rückkehr zu nationalen Währungen oder eine Fiskalunion. Die erste Variante berge die Gefahr eines wirtschaftlichen und politischen Zusammenbruchs in Europa.
    Die zweite Variante erfordere enorme Anstrengungen - und berge ebenfalls Risiken. "Sollten wir zu dem Schluss kommen, dass wir bei allem Bemühen keinen stabilen gesetzlichen und politischen Rahmen für unsere gemeinsame Währung finden, sollten wir auch nicht davor zurückschrecken, den Euro aufzugeben", schrieb Blessing in dem Gastbeitrag.

    Also wenn beides gefährlich ist, dann bitte gleich die letztere Variante, bevor wir ausgesaugt werden. So jedenfalls kann es nicht weiter gehen. Und es scheint ja niemand sonst eine stimmige, greifende Lösung parat zu haben.

    Interessanterweise ist die neuerliche Forderung der 109 MRDs nur auf n-tv Text und hier im Handelsblatt zu lesen. Die öffentlich Rechtlichen haben das nicht "im Angebot"


  • Auch Spanien und Italien haben prall gefüllte Goldspeicher, warum bedient man sich nicht derer, sondern bettelt andere an?

    Ein Hartz-4 Empfänger muß hier auch erst an sein Vemögen ran, bevor er Unterstützung bekommt.
    Wir haben selbst Probleme genug in Deutschland, weil das Geld hier und dort nicht reicht.

    Auf keinen Fall sollte unsere Regierung auf diese Eurobonds einschwenken, weil die Finanzwelt dies wünscht oder ein Soros, das würde uns mit und weiter in den Schuldenstrudel reißen,wir haben ja selbst Schulden in beträchtlicher Höhe bis hinein in Länder und Kommunen.

    Ein Trauerspiel das Ganze und ein Negativ-Beispiel, wie unbedarfte Politik, geboren aus einer Wunschvorstellung heraus, gravierend negative Folgen erzeugen kann, die nachträglich kaum oder nicht mehr zu korrigieren sind.

  • Im September sollten, nach Prüfung der Bücher, 8 MRD fällig werden an Hilfszahlung. Nun sind es plötzlich 109 MRD, die angefordert werden, diese bitte sofort!
    Das ist konkretes Geld, was rübergeschoben werden soll.
    Diktiert jetzt Griechenland in erpresserischer Weise - weil die Märkte sonst negativ reagieren würden - die Bedingungen?

    Griechenland war aber in der Lage, zu den 84 MRD an Gold in letzter Zeit weitere 14 MRD aufzustocken. Von unseren Hilfsgeldern? Sie sollen doch pleite sein, oder wie?

    Zum Streit über Garantieen: Finnland will kein Geld mehr in den Rettungsfonds einzahlen, wenn Griechenland keine Garantieen abgibt, Österreich will sich dem anschließen, und das zu Recht.

    Wenn Griechenland derart viel Gold gehortet hat,so sollen sie dies zur Garantie hinterlegen,ihr Staatsvermögen ebenfalls.
    Wer ein Häusle baut muß auch dem Kreditgeber eine Grundschuld einräumen.
    Warum sollen andere Länder die Garantieen übernehmen mit der hohen Wahrscheinlichkeit des Totalausfalls. Wohin fließt all das Geld, das bereits gezahlt wurde?
    Die Reichen haben über Auslandskonten ihre EUROS in Sicherheit gebracht, nun schaut man bei Kleinhändlern und Gaststätten, ob was zu holen sei.
    Was ist das nur für ein Staat, der nur über Betrug - bei dem Goldman Sachs half- in den Euro kam.
    Aus USA: nur Deutschland könne aus der Misere helfen. Wollt ihr uns auch noch platt machen?

  • Der Austritt Griechenlands aus dem Euro-Raum ist wirklich alternativlos! Wann begreifen unsere Politiker das endlich?

  • Wann kommt endlich die deutsche Anti-Eu Partei ?

  • Wie kann es sein, dass die Ausgaben noch weiter gestiegen sind, wo doch Griechenland seit über einem Jahr unter Kontrolle des IWF und der Eurozone angeblich spart?

    Genau, kann es nicht, wenn ihr denn wirklich gespart hättet. Wollt ihr uns immer noch mehr vergackeiern, ihr Griechen?

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