Brasilien
In der Fachwerk-Kulisse blüht der Mittelstand

Was bisher Touristen bestaunt haben, ist inzwischen ein wichtiger Standortfaktor Brasiliens geworden: Die deutschen, italienischen und polnischen Einwanderer, die hier im 19. Jahrhundert das Land besiedelten. Sie prägen die Wirtschaftsstruktur der Region Santa Catarina bis heute.

BLUMENAU. Wälder, Hügel, Täler und dazwischen Städtchen mit Fachwerkhäusern - wären da nicht die Soja- und Reisfelder und die Palmenalleen entlang der Hauptstraßen, wähnte man sich auf dem Land in Süddeutschland und nicht im subtropischen Brasilien.

Auch die Menschen in Städtchen wie Pomerode oder Blumenau sehen nicht nur deutsch aus, sie sprechen es vielfach auch noch. 40 Prozent der sechs Millionen Einwohner des brasilianischen Bundesstaates Santa Catarina sind deutschstämmig. Doch was bisher vor allem Touristen aus Brasilien bestaunt haben, ist inzwischen ein wichtiger Standortfaktor im globalen Wettbewerb geworden: Die deutschen, aber auch italienischen und polnischen Einwanderer, die hier im 19. Jahrhundert den Urwald abholzten und das Land besiedelten, prägen die Wirtschaftsstruktur der Region bis heute.

Wie sonst kaum in Brasilien findet sich im Landesinneren des Bundesstaates, der so groß ist wie Portugal, eine mittelständische Wirtschaft - und nicht die dominierenden staatlichen oder inzwischen privatisierten Großunternehmen der Branchen Stahl, Energie oder Rohstoffe. Mehrere der mittelständischen Unternehmen aus der Provinz sind erstaunlich global aufgestellt und erfolgreich auf dem Weltmarkt: So beschäftigt der Kompressorenbauer Embraco 10 000 Mitarbeiter weltweit - auch an zwei europäischen Standorten und in China. Ein Viertel aller Kühlgeräte und-schränke weltweit sind mit der Technologie ausgestattet, die sie in Joinville entwickelt haben.

Auch dort angesiedelt ist die Großgießerei Tupy mit weltweit 8 000 Mitarbeitern, die vor allem Motorenblöcke für die Kfz-Industrie weltweit produziert. Der Motorenbauer Weg aus dem nahe gelegenen Jaguará do Sul ist ähnlich erfolgreich: Er ist einer der weltweit führenden Produzenten von Elektromotoren.

Knapp 40 Prozent seines Umsatzes macht der Konzern im Ausland - mit Werken in China, Mexiko und Argentinien. Zwei Drittel seiner Auslandsverkäufe finden in Europa und den USA statt. Den Firmensitz in der Provinz sehen die Verantwortlichen dort sogar als Grund für den Erfolg: "Ich glaube nicht, dass wir heute so weit wären, wenn wir in einer Metropole wie Rio oder São Paulo sitzen würden", sagt Weg-Geschäftsführer Harry Schmelzer: "Südbrasilien ist wegen seiner europäischen Einwanderung und seiner mittelständischen Wirtschaft eine Region mit einer eigenen starken Entwicklungskultur. Die prägt die Unternehmen der Region."

Zumal die Region ihre Abgeschiedenheit überwunden hat: Logistisch ist Santa Catarina gut an die Märkte in Übersee angeschlossen. Über drei internationale Flughäfen und drei Überseehäfen können die Unternehmen exportieren - das ist weit mehr als die Firmen im Großraum São Paulo zur Verfügung haben, wo Straßen, Häfen und Flughäfen notorisch überlastet sind.

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