Brasilien profitiert von Sanktionen
Liebesgrüße aus Moskau

Jahrelang hatten die brasilianischen Bauern keine Chance auf dem russischen Markt. Doch der Zoff mit dem Westen ändert alles. Nun hofiert Kremlchef Putin die Brasilianer – und beschert ihnen den schönsten Tag des Jahres.
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São PauloEs sei die schönste Nachricht des Jahres, erklärte Francisco Turra, Präsident der brasilianischen Hühner- und Schweinezüchterverbandes ABPA, als er von den russischen Sanktionen gegen Lebensmittelexporteure aus den USA und Europa hörte. Brasilien sei sofort in der Lage, die 150.000 Tonnen Geflügel nach Russland zu liefern, die bisher von US-Konzernen nach Russland exportiert würden. Nur beim Schweinefleisch könnte es etwas länger dauern, bis Brasilien lieferbereit sei.

Denn wie der Verband wird die gesamte brasilianische Lebensmittelindustrie derzeit völlig überrascht von der plötzlichen Genehmigungsflut aus Russland: 80 Schlachtereien, Milch- und Geflügelproduzenten haben jetzt auf einen Schlag das O.K. für Exporte nach Russland bekommen. Seit Jahren feilscht Brasilien mühselig mit dem Handelspartner um Quoten und sanitäre Auflagen. Russland hatte vor drei Jahren genauso unerwartet Schweinefleischimporte aus Brasilien gesperrt – und sich seitdem trotz aller Bemühungen der Brasilianer unnachgiebig gezeigt, diese zu lockern. „Doch seit Mai hat sich die Stimmung bei den Russen gedreht“, erklärte der brasilianische Landwirtschaftsminister Neri Geller.

Über Nacht hätten die Russen ihre Widerstände gegen brasilianische Lebensmittelexporte aufgegeben. Bereits im Juni erhielten fünf große Fleischproduzenten Brasiliens Exportlizenzen für den russischen Markt. Die Fleischexporte nach Russland haben sich seit März verdoppelt. Rund 300 Millionen Dollar könnten Brasiliens Hühnermäster kurzfristig durch die Hühnerschlegelexporte mehr einnehmen.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte am Mittwoch als Reaktion auf die westlichen Sanktionen Einfuhrverbote für Agrarprodukte aus den USA und den Ländern der Europäischen Union angeordnet. Dimitri Medwedew sagte: „Wir haben bis zum letzten Augenblick gehofft, dass unsere ausländischen Kollegen begreifen, dass Sanktionen in eine Sackgasse führen.“ Jetzt müsse Russland reagieren. Die Importe – Fleisch, Fisch, Milch, Milchprodukten, Obst und Gemüse – sollten für bis zu einem Jahr verboten werden. Stattdessen will Moskau nun Lebensmittel aus der Türkei, ehemaligen Sowjetrepubliken und Lateinamerika importieren.

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„Wir müssen uns beeilen“

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  • @Küttel

    1. Den Eurasischen Raum GIBT ES schon. Nicht nur geographisch.
    2. Plappern Sie nicht das nach, was die deutschen Medien über die russischen Medien sagen. Lesen Sie Erstquellen.

  • Jürgen Realo
    Zustimmung.
    Unsere unsre DDR-Kanlerin ist stramm USA-hörig

  • http://www.jewishisrael.org/moshe-feiglin-cnn-responds-hamas-concentration-camp-allegations/

    hier kann man das mit dem Concentration Camp nachlesen.

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