Brasilien
Tumulte und Streiks im WM-Vorfeld

Die immensen Kosten für die Fußball-WM haben den Zorn vieler Brasilianer auf das Sportereignis an sich gelenkt. In der Hauptstadt Brasília kommt es zu Ausschreitungen - anderswo streiken die Busfahrer.
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Brasília/Rio de Janeiro/SalvadorDie brasilianische Polizei ist am Dienstag in der Hauptstadt Brasília mit Tränengas gegen eine Demonstration von etwa tausend Menschen gegen die hohen Ausgaben für die Fußballweltmeisterschaft vorgegangen.

An der Kundgebung beteiligten sich zahlreiche Obdachlose, Ältere und Kinder. Sie marschierten zunächst friedlich in Richtung des WM-Stadions, nach dem Beginn des Polizeieinsatzes warfen einige Steine.

Zuvor waren etwa 500 Ureinwohner in traditioneller Kleidung auf das Parlamentsgebäude geklettert und hatten auf dem Dach protestiert. Sie forderten mehr Rechtssicherheit für Landflächen und Reservate und schlossen sich später den WM-Kritikern an.

Wegen der Demonstration wurde die Ausstellung des WM-Pokals, der zur Zeit in Brasília ist, aus Sicherheitsgründen unterbrochen. Die Demonstration war in der Nähe von Brasílias WM-Stadion Mané Garrincha, wo vier Gruppenspiele, ein Achtel- und ein Viertelfinale sowie das Spiel um Platz drei ausgetragen werden sollen.

Vorwurf: Zu viel Geld für Prestigeprojekte

Wegen der immensen Kosten für die Fußball-WM richtet sich der Zorn vieler Brasilianer gegen die Behörden und das Sportereignis an sich. Immer wieder gab es in den vergangenen Wochen und Monaten teils gewalttätige Proteste. Die Demonstranten werfen der Regierung vor, viel Geld in Prestigeprojekte zu stecken und wichtige andere Aufgaben zu vernachlässigen. Der Stadionneubau in Brasilia ist besonders in die Kritik geraten. Das gesamte Projekt kostet mit umgerechnet etwa 620 Millionen Euro fast drei Mal so viel wie ursprünglich veranschlagt.

Unterdessen steht die WM-Finalstadt Rio de Janeiro knapp zwei Wochen vor Eröffnung des Turniers vor einem neuen Streik der Busfahrer. Der 24-stündige Ausstand sollte nach einem Beschluss der Streikversammlung noch in der Nacht zum Mittwoch beginnen.

Die Busfahrer lehnen eine Vereinbarung ihrer Gewerkschaft mit den Busunternehmen über eine Lohnanhebung von zehn Prozent als zu niedrig ab. Seit Anfang des Monats kam es in der Stadt am Zuckerhut schon zweimal zu Arbeitsniederlegungen der Fahrer und Kassierer. Die Folge war jeweils ein Verkehrschaos. Busse sind für die meisten Brasilianer das wichtigste Fortbewegungsmittel.

In der WM-Stadt Salvador war am Dienstag wegen eines Streiks kein Bus auf der Straße. Nach lokalen Medienangaben waren über eine Million Passagiere betroffen. In Salvador bestreitet die DFB-Elf am 16. Juni im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel ihr WM- Auftaktspiel gegen Portugal.

Ähnliche Situationen gab es diesen Monat in São Paulo, wo die WM am 12. Juni beginnt.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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