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Brasilien und EZB: Draghi und Rousseff warnen vor Europas Sparkurs

EZB-Chef Mario Draghi und Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff haben die EU vor einem zu rigiden Sparkurs gewarnt. Die brasilianische Staatschefin sieht gescheiterte Rezepte bei der Bewältigung der Krise am Werk.

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Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff sieht die EU auf dem falschen Weg. Quelle: AFP
Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff sieht die EU auf dem falschen Weg. Quelle: AFP

Davos/Porto AlegreWährend Bundeskanzlerin Angela Merkel auf einen eisernen Sparkurs zur Lösung der EU-Schuldenkrise vertraut, sieht EZB-Chef Mario Draghi genau darin ein Problem und warnt vor den Auswirkungen im Euroraum: Haushaltskonsolidierung führe zu Schrumpfungsprozessen. „Viele der betroffenen Länder wachsen nicht", sagte Draghi in Davos.

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Beim Sozialforum vor Globalisierungskritikern in Porto Alegre stößt Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff ins gleiche Horn. Rousseff warnt die Regierungen in Europa eindringlich davor, zur Bewältigung der Krise auf bereits „gescheiterte Rezepte“ zu setzen. In den 1980er und 1990er Jahren seien die Länder Lateinamerikas in ein konservatives Modell getrieben worden, das in Brasilien zu Stagnation, mehr Armut, Arbeitslosigkeit und sozialer Ausgrenzung geführt hätten. „Heute werden diese gescheiterten Rezepte in Europa vorgeschlagen“, sagte Rousseff.

Die Chronologie des Euro

  • 1. Juli 1987

    Das Ziel Währungsunion wird im EG-Vertrag verankert.

  • 7. Februar 1992

    Unterzeichnung des EU-Vertrages von Maastricht, der die Währungsunion bis 1999 vorsieht und Beitrittskriterien festlegt.

  • 1. November 1993

    Ratifizierung des Maastricht-Vertrages. Aus den Europäischen Gemeinschaften (EG) wird die Europäische Union (EU). Dezember 1995: Als Einheiten der neuen Währung werden Euro und Cent festgelegt.

  • 16. und 17. Juni 1997

    Verabschiedung des Stabilitäts- und Wachstumspakts in Amsterdam. Einigung auf die „europäische Seite“ für die Münzen.

  • 25. März 1998

    Die EU-Kommission und das Europäische Währungsinstitut (EWI), Vorläufer der Europäischen Zentralbank (EZB) empfehlen elf Länder für den Start der Währungsunion. Außen vor bleiben aus freien Stücken Großbritannien, Dänemark, Schweden sowie Griechenland, das die Kriterien noch nicht erfüllt.

  • 1. bis 3. Mai 1998

    Ein Sondergipfel der EU-Gremien gibt in Brüssel grünes Licht für den Euro. Die Staats- und Regierungschefs bestimmen den 1. Januar 1999 als Start der Währungsunion.

  • 31. Dezember 1998

    Die Wirtschafts- und Finanzminister der EU legen den Umrechnungskurs des Euro zu den elf Teilnehmerwährungen endgültig fest. Danach ist ein Euro 1,95583 D-Mark wert.

  • 1. Januar 1999

    Der Euro wird gemeinsame Währung der elf Länder. In Euro bezahlt werden kann per Scheck, Kredit- oder EC-Karte. Das alte nationale Geld bleibt noch das allein gültige Zahlungsmittel.

  • 4. Januar 1999

    Die Finanzmärkte nehmen den Handel mit Euro auf.

  • Juli 1999

    Die Herstellung des neuen Bargelds läuft an.

  • 1. Januar 2001

    Griechenland wird nach Erfüllung der Beitrittskriterien zwölftes Euroland-Mitglied - allerdings mit frisierten Haushaltszahlen, wie sich später herausstellt.

  • 1. September 2001

    Beginn der Ausgabe von Noten und Münzen an Banken und Handel.

  • 1. Januar 2002

    Der Euro wird gesetzliches Zahlungsmittel.

  • 1. März 2002

    Die D-Mark verliert ihre Gültigkeit, kann aber weiterhin gegen Euro eingetauscht werden.

  • 1. Mai 2004

    Zehn Länder in Mittel- und Osteuropa sowie im Mittelmeerraum werden neue EU-Mitglieder. Sie müssen die Gemeinschaftswährung übernehmen, sobald sie die Konvergenzkriterien erfüllen.

  • 1. Januar 2007

    Als erster der neuen EU-Staaten wird Slowenien 13. Mitgliedsland der Euro-Zone. Ein Beitrittsgesuch Litauens wird hingegen von der EU-Kommission wegen überhöhter Inflation abgelehnt.

  • 1. Januar 2008

    Malta und die Republik Zypern führen den Euro ein.

  • 1. Januar 2009

    Die Slowakei führt den Euro ein.

  • Frühjahr 2010

    Griechenland kommt in immer größere Finanznöte und muss als erstes Euroland Milliardenhilfen beantragen. Damit nimmt eine Schuldenkrise ihren Lauf, die sich trotz neuer Milliarden-Hilfspakete auch für Irland und Portugal bis Ende 2011 dramatisch verschärft.

  • 1. Januar 2011

    Zum Auftakt des schlimmsten Krisenjahres führt Estland den Euro ein - als erste frühere Sowjetrepublik. Damit leben gut 330 Millionen Menschen im Euro-Raum mit 17 Mitgliedsländern.

„Es ist nicht leicht, neue Ideen und Alternativen zu finden, wenn wir von politischen und ideologischen Vorurteilen beherrscht werden“, betonte die Staatschefin bei dem Treffen, das eine regionale Veranstaltung des Weltsozialforums ist. Sie verwies auf weltweite soziale Proteste wie etwa „Occupy Wall Street“ und zitierte das zentrale Motto der Globalisierungsgegner: „Eine andere Welt ist möglich.“ Die Dissonanz zwischen der „Stimme der Straße“ und den Märkten werde in den entwickelten Ländern immer größer.

Und EZB-Präsident Draghi geht nicht davon aus, dass die Schuldenkrise mit all ihren Konsequenzen nicht schnell vorüber sein wird. „Die Risikoaufschläge der europäischen Krisenstaaten könnten noch für längere Zeit auf erhöhtem Niveau verharren“, sagte er. Wobei die umfangreichen Liquiditätsspritzen der EZB nach Ansicht von Notenbankchef Mario Draghi noch nicht in der Wirtschaft angekommen. sind „Wir haben noch keine Hinweise darauf. Wir müssen abwarten“, sagte Draghi auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Zwar sei inzwischen klar, dass die EZB durch die massive Bereitstellung von Liquidität eine schwere Kreditklemme verhindert habe. Allerdings treffe dies nur für einige Teile der Euro-Zone zu. „In manchen Regionen läuft die Kreditvergabe mehr oder weniger normal, in anderen ist sie schwer gestört.“

Sloterdijk zur Krise Ein Philosoph redet Klartext

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Die EZB hatte den Banken vor Weihnachten erstmals für drei Jahre Zentralbankgeld zur Verfügung gestellt. Diese bedienten sich in großem Stil und riefen fast eine halbe Billion Euro bei der Europäischen Zentralbank (EZB) ab. Zusätzlich halbierte die EZB ihre Mindestreserveanforderungen an die Banken - alleine diese Maßnahme bescherte den Instituten gut 100 Milliarden Euro an zusätzlichem Geld.

Draghi lobte Fortschritte bei der Stabilisierung des europäischen Bankensektors. „Die Banken sind heute besser kapitalisiert und immuner gegen die Perversionen, die die Krise verursacht hat“, sagte Draghi. Die Risikopuffer seien heute sehr viel wirksamer. „Die letzten zwei Jahren waren ja alles andere als ruhig - aber das Finanzsystem hat sich als stabil erwiesen.“

17 Kommentare

  • 28.01.2012, 03:34 UhrAnonymer Benutzer: Pinin

    Natürlich weiß der Draghi das, aber es geht ihm doch nur darum die Clique seiner Elite-Spezis und der ihm nahestehenden Lobbyisten zu begünstigen. Und die macht seiner Freunde zu festigen, seiner italienischen Freunde und seiner Banker-Freunde.

    Darum liegt ihm auch nicht an echten Strukturreformen.

  • 27.01.2012, 22:43 Uhrberndengesser

    Bekommen dann Bremen und das Saarland auch wieder eine eigene Währung? Und Berlin und Rostock und Kleinkleckersdorf?
    Zurück zum Tauschhandel!
    Wenn hier schon postuliert wird, man solle aus der Geschichte lernen, dann sollte man sich die Geschcihte des deutschen Wohlstands seit der Entstehung des deutschen Zollvereins ansehen: genau die Einheitswährung unterschiedlich starker Kleinstgebilde hat unter dem Zeichen ständiger Veränderungen der Stärkeverhältnisse die deutsche Wirtschaftsstärke bewirkt!
    Und es ist halt leider richtig, dass Schulden nicht nur negativ bewertet werden dürfen: produktive Schulden, mit denen ein Mehrwert geschaffen wird (z.B. Investitionsprogramme) sind sinnvoll! Nur konsumtive Schulden (wie das deutsche Pensionssystem) sind negativ!
    Oder wie viele Unternehmen haben positive Entwicklungen alleine mit Eigenkapital geschafft?

  • 27.01.2012, 22:05 UhrAnonymer Benutzer: whoknows

    Unsere merkbefreiten Politiker und ihre Keysianer wundern sich mal wieder, das ein Zurückfahren der schuldenfinanzierten Staatshaushalte zur schmerzhaften Kontraktion der Wirtschaft führt. Das ist natürlich so, aber das läßt sich nicht vermeiden.

    Wers noch immer nicht gecheckt hat, die Staatsschulden fast aller westlichen Staaten sind kurz vorm Abschuß. Warum sind denn die Zinsraten der FED, der ECB und der japanischen Notenbank nahe Null? Weil höhere Zinsen sofort zu untragbaren Zinszahlungen der Staaten führen würden.

    U.a. deswegen werden die Notenbanken die Ausweitung der Geldmengen meiner Meinung nach nie wieder einfangen können. Hohe Zinsen wären tötlich, und hohe Inflation erwünscht.

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