Brasilien vor den Sport-Großereignissen
Polizei-Strategie in Rio mündet in Straßenschlachten

Mit einer Sicherheitsoffensive geht die Polizei in Rio vor der Fußball-WM gegen Banden vor. Doch diese Strategie führt zu Unruhen und Protesten. Auch das IOC verstärkt den Druck auf Brasilien - aber aus anderen Gründen.
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Rio de Janeiro/BerlinWenige Wochen vor Beginn der Fußball-WM ist es in Rio de Janeiro erneut zu gewaltsamen Zusammenstößen gekommen. Wie die Behörden am Dienstag mitteilten, lieferte sich am Vorabend eine Bande mutmaßlicher Drogenhändler heftige Straßenschlachten mit der Polizei.

Zudem hätten die Kriminellen eine Klinik geplündert und neun Busse angezündet. Angaben über Verletzte lagen zunächst nicht vor. Drei Stunden vor dem Vorfall in der Armensiedlung Alemao wurden nahe einer Polizeiwache drei Autos in Brand gesteckt worden.

In einer westlich von Alemao gelegenen Favela kam es während einer Demonstration gegen den Tod eines älteren Anwohnerin zu weiteren Ausschreitungen. Die Frau war in eine Schießerei zwischen Polizisten und mutmaßlichen Bandenmitgliedern geraten und von einem Querschläger getroffen worden. Am Dienstag wurde das Opfer bestattet.

Erst vergangene Woche hatte der Tod des jungen Tänzers Douglas Rafael da Silva Pereira schwere Unruhen in der brasilianischen Metropole ausgelöst. Hintergrund ist die ehrgeizige Sicherheitsoffensive vor der Fußball-WM im Juni, bei der Polizisten im großen Stil kriminelle Banden aus den Slums herauszudrängen versuchen. Allerdings gibt es Klagen das übermäßig harte Vorgehen von Beamten, das oft zum Tod von Slumbewohnern führe.

Drogenbanden sind jedoch nicht das einzige Problem, mit dem Brasilien vor dem Beginn der internationalen Sportereignisse zu kämpfen hat. Es fehlt an Infrastruktur, Hotels - und auch an Sportstätten. Nun schlägt das IOC Alarm.

829 Tage vor den Rio-Spielen 2016 hat Vizepräsident John Coates die schleppenden Vorbereitungen auf das Olympia-Spektakel an der Copacabana als „die schlechtesten, die ich je erlebt habe“ kritisiert. Wenige Wochen vor der problembeladenen Fußball-WM erhöhte Coates den Druck auf die brasilianischen Olympia-Macher damit weiter.

Die Metropole am Zuckerhut sei in „vielen, vielen Bereichen“ nicht bereit, mahnte der Australier, der als Mitglied der IOC-Koordinierungskommission für Rio 2016 bereits sechsmal dort war. Trotz der kritischen Verzögerungen gebe es aber keinen Alternativplan, sagte Coates am Dienstag auf einem Olympia-Forum in Sydney. „Das hat es beim IOC noch nie gegeben, aber wir haben keinen Plan B. Wir gehen auf jeden Fall nach Rio.“

Das einheimische Organisationskomitee bekräftigte indessen, es würden alle Sportstätten im Rahmen der vereinbarten Zeitpläne und Etats fertig werden. Rio werde „ausgezeichnete“ Spiele liefern, heißt es in einer Pressemitteilung vom Dienstag. Es sei Zeit, den Fokus auf die noch bevorstehende Arbeit zu legen, die allgemeine Debatte über die Fortschritte bei der Vorbereitung der Spiele sei vorbei, wehrte sich das Organisationskomitee gegen die Kritik von Coates.

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„Die Situation ist schlimmer als vor Athen 2004.“

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