Brasilien wählt
Nach einem Wechsel sieht es nicht aus

Die erste Runde der Präsidentschaftswahl in Brasilien hat begonnen. Noch im Sommer waren Tausende für Reformen und Sozialleistungen auf die Straße gegangen. Doch in Umfragen lag zuletzt die bisherige Präsidentin vorn.
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Rio de JaneiroIn Brasilien sind Staatschefin Dilma Rousseff und ihre Herausforderer am Sonntag in die erste Runde der Präsidentschaftswahl gegangen. In letzten Umfragen lag Rousseff mit 46 Prozent Zustimmung an der Spitze des Bewerberfelds. Doch rechnete auch die Präsidentin nicht mit einer Wiederwahl in der ersten Runde. Vielmehr gehe sie von einer Stichwahl in drei Wochen aus, sagte Rousseff am Sonntag bei der Stimmabgabe im Süden des Landes.

Aussichtsreichste Gegenkandidaten sind die frühere Umweltministerin Marina Silva und der etwas konservativere Aécio Neves, früher Gouverneur des zweitgrößten Bundesstaats Brasiliens. Die beiden lagen zuletzt in der Wählergunst hinter Rousseff etwa gleichauf.

Der Wahlkampf war von auf und ab in den Meinungsumfragen geprägt. Die Umweltaktivistin Silva war nach dem Unfalltod des Spitzenkandidaten Eduardo Campos erst Mitte August für die sozialistische Partei in das Rennen um die Präsidentschaft eingestiegen und hatte in den Umfragen zunächst vorn gelegen. Doch Rousseff setzte sich mit einer energischen Kampagne zur Wehr und holte wieder auf.

In Umfragen sagen etwa 70 Prozent der Brasilianer, dass sie sich Reformen wünschen. Dies drückte sich noch im Sommer in großen Demonstrationen gegen die Regierung aus. Kritikpunkt sind vor allem die schlechten öffentlichen Dienstleistungen trotz hoher Steuern. Gleichzeitig sagen jedoch etwa drei Viertel der Brasilianer, sie seien zufrieden mit ihrem Leben - und Rousseff steht für Kontinuität.

Ihre Arbeiterpartei ist seit fast zwölf Jahren an der Macht. In dieser Zeit haben starke Sozialprogramme Millionen von Menschen den Aufstieg aus der Armut in die Mittelschicht ermöglicht. Rousseff hat vor allem bei den Ärmsten Rückhalt. Die Wirtschaft ist jedoch in den vergangenen vier Jahren ins Stottern geraten. Rousseff verspricht, dass der Staat weiter lenkend eingreift, was bei Unternehmen auch für Kritik sorgt.

Silva und Neves setzen auf etwas mehr Zurückhaltung des Staats gegenüber der Wirtschaft. So soll die Zentralbank unabhängig sein und es soll Privatisierungen geben. Außerdem plädieren beide für Handelsabkommen mit Europa und den USA.

Ebenfalls am Sonntag stimmen die Brasilianer auch über die Abgeordneten des Kongresses und über ihre Gouverneure ab. Angesichts der elektronischen Stimmabgabe werden die Wahlergebnisse bereits wenige Stunden nach Schließung der Wahllokale in der Nacht zum Montag deutscher Zeit erwartet.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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