Breivik: Ein Massenmörder sieht sich als Justizopfer

Breivik
Ein Massenmörder sieht sich als Justizopfer

Der Rechtsterrorist Breivik wirft dem norwegischen Staat vor, ihn mit Isolationshaft „zu quälen“ und „töten“ zu wollen. Der 37-Jährige ist vor Gericht gezogen, um bessere Haftbedingungen zu erreichen.

SkienIn einem Zivilprozess gegen den norwegischen Staat stellte sich der norwegische Attentäter Anders Behring Breivik am Mittwoch als ein Opfer der Justiz dar. „Ich werde schlimmer als ein Tier behandelt“, sagte der 37-Jährige am zweiten Verhandlungstag im Gefängnis von Skien. Breivik wirft dem norwegischen Staat vor, ihn mit der Isolationshaft „zu quälen“ und sogar „töten“ zu wollen.

Breivik ist der Auffassung, seine Haftbedingungen seien ein Verstoß gegen die Europäische Menschenrechtskonventionen. Er wurde für den Mord an 77 Menschen in Oslo und auf der Insel Utøya zu 21 Jahren Gefängnis verurteilt. Seit fast fünf Jahren sitzt er in Isolationshaft und hat nur begrenzten Kontakt zu anderen Menschen.

In seiner rund dreistündigen Aussage gab Breivik an, während der ersten zwei Jahre seiner Haft 880 Leibesvisitationen ausgesetzt gewesen zu sein, für die er sich jeweils ausziehen musste. Außerdem beklagte er sich über die strenge Besuchskontrolle. Er habe 200 Besuchsanträge an Unterstützer ausgesandt, die von der Gefängnisleitung gestoppt wurden. Auch die Heiratsanträge an zwei Frauen seien nicht weitergeleitet worden.

Die Anwälte der Regierung hatten am Dienstag ausgeführt, dass von den 4000 Briefen, die Breivik empfangen oder verschickt habe, 600 aufgrund ihres Inhalts gestoppt wurden.

In seiner dreistündigen Aussage wurde klar, dass Breivik seine politische Arbeit nicht aufgegeben hat. „Ich bin Nationalsozialist, seit ich 12 Jahre war, und ich werde für den Nationalsozialismus kämpfen, bis ich sterbe“, sagte er. Er bezeichnete sich selbst als Sekretär der Partei Nordischer Staat und forderte Brief- und Besuchskontakt zu Unterstützern. Bei der Partei handelt es sich um eine extremistische Gruppierung, die Breivik aus dem Gefängnis heraus weiter aufbauen will.

Auf den Nazigruß verzichtete Breivik am Mittwoch. Die Richterin hatte ihn am Ende des ersten Prozesstages gebeten, die Geste mit der ausgestreckten Hand sein zu lassen.

Ein Urteil wird erst in einigen Wochen erwartet. Breiviks Anwalt sagte, er sei vorbereitet, bis vor den Europäischen Menschengerichtshof in Straßburg zu ziehen. Breivik meinte: „Wenn ich das Gericht nicht überzeugen kann, wird der Staat damit Erfolg haben, mich zu töten.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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