Brexit-Kosten
Warnschuss mit dem Taschenrechner

Der britische Schatzkanzler George Osborne warnt vor den finanziellen Folgen eines Brexits. Doch Angstmacherei sollte besser nicht das einzige Argument der Pro-Europäer bleiben. Eine Analyse.

LondonEs waren keine einfachen Wochen für George Osborne. Der Rücktritt Ende März des früheren Parteichefs der Konservativen, Iain Duncan Smith, der damit gegen die geplanten Sozialkürzungen von Osborne protestierte, war nicht nur für Premierminister David Cameron ein schwerer Schlag, sondern auch für den britischen Schatzkanzler. Denn Osborne wurde damit als herzloser Sparkommissar bloßgestellt – was einem politischen Tiefschlag aus den eigenen Reihen gleichkommt.

Doch nun sucht der drahtige und jungdynamische Schatzkanzler Ihrer Majestät wieder die Offensive und greift in der wichtigen Debatte um einen möglichen Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU zur Abteilung Attacke – mit einer drastischen Mahnung vor den langwierigen wirtschaftlichen Folgen eines Exits.

Es ist Warnschuss mit dem Taschenrechner – und der Zeitpunkt dafür ist gut gewählt. Denn noch diese Woche wird US-Präsident Barack Obama höchstpersönlich bei seinem Staatsbesuch in London erwartet, der über seine Haltung zum Brexit keinen Zweifel aufkommen lässt: Er sprach sich bereits vergangene Woche offen für einen Verbleib der Briten in der EU aus. Es ist allerdings ein Werben, das bei vielen Briten bislang auf taube Ohren stößt.

Das Land ist in dieser für Europa und Großbritannien existenziellen Frage tief gespalten. Brexit-Befürworter und –Gegner liegen Kopf-an-Kopf, einige Umfragen sagen einen leichten Vorsprung der Ausstiegs-Anhänger voraus, bei noch rund 10 bis 20 Prozent Unentschlossenen. Das Schicksal der Europäischen Union steht damit auf Messers Schneide, was die Debatte zehn Wochen vor dem entscheidenden Referendum nun umso mehr anheizt.

Denn Osborne hat für seine Attacke mit seiner Mahnung vor den wirtschaftlichen Folgen eines Abschieds von der EU sich zielsicher einen der wundesten Punkt der Brexit-Befürworter herausgesucht: Die Angst der Briten um das eigene Portemonnaie. Das Bruttoinlandsprodukt werde bei einem „Brexit“ bis 2030 um 3,8 bis 7,5 Prozent geringer sein als bei einem Verbleib in der Europäischen Union, je nachdem, welches Szenario eintreten werde, warnte Osborne nun am Montag mit Verweis auf eine Analyse der Regierung über die wirtschaftlichen Auswirkungen eines Brexit.

Und er machte keinen Hehl daraus, was das für jeden einzelnen Briten bedeuten würde: Für jeden britischen Haushalt würden dies im schlimmsten Fall Einbußen von bis zu 5200 Pfund, umgerechnet rund 6500 Euro, im Jahr bedeuten.

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Cameron muss auch das Herz der Briten ansprechen

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