Liveblog nach dem Brexit-Votum
US-Ratingagentur stuft Kreditwürdigkeit der EU herab

Nach der „Brexit“-Entscheidung bereiten EU und Großbritannien ihre Trennung vor. Doch wer wird die Verhandlungen führen? Die Überraschung des Tages: Brexit-Befürworter Boris Johnson will nicht. Der Tag im Liveblog.
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London/Brüssel/BerlinNach der „Brexit“-Entscheidung bereiten die Europäische Union und Großbritannien ihre Trennung vor. In den Mittelpunkt der Diskussionen rückt zunehmend der Zeitrahmen für eine Trennung und die Ausgestaltung des künftigen Verhältnisses beider Seiten sowie die Zukunft der EU. Doch wer wird die Verhandlungen führen? Wer wird Camerons Nachfolger? Die Überraschung des Tages: Brexit-Befürworter Boris Johnson will nicht. Der Tag im Liveblog.

  • EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hält Neuwahlen für möglich
  • Verbrauchervertrauen der Briten sinkt
  • Innenministerin Theresa May will Cameron nachfolgen
  • Altkanzler Kohl mahnt zur Besonnenheit
  • Hollande will nach „Brexit“-Votum Finanzplatz Paris stärken
  • Boris Johnson bewirbt sich nicht um Cameron-Nachfolge

+++ Standard & Poor's stuft Kreditwürdigkeit der EU herab +++

Eine Woche nach dem Brexit-Votum hat die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) die Kreditwürdigkeit der EU herabgestuft. Das Rating sei um eine Stufe von „AA+“ auf „AA“ gesenkt worden, teilte S&P am Donnerstagabend mit. Der Ausblick sei nun stabil. S&P hatte nach der Entscheidung der Briten für einen EU-Austritt Großbritannien die Bestnote „AAA“ bei der Kreditwürdigkeit aberkannt. Eine schlechtere Bonität kann die Aufnahme von frischem Geld am Kapitalmarkt erschweren und verteuern.

+++ Google plant keine großen Verlagerungen +++

Google -Chef Eric Schmidt geht nicht davon aus, dass der Internetkonzern wegen des Brexit-Votums in nennenswertem Umfang Geschäftsaktivitäten verlegen wird. Große Änderungen seien nicht wahrscheinlich, sagt Schmidt auf einer Technologiekonferenz in Paris.

+++ Britische Notenbank deutet Geldspritzen an +++

Nach dem Brexit-Votum stellt die britische Notenbank Geldspritzen (BOE) in Aussicht. Im Laufe des Sommers würden vermutlich geldpolitische Anreize benötigt, sagte BoE-Gouverneur Mark Carney am Donnerstag. Der wirtschaftliche Ausblick Großbritanniens habe sich verschlechtert. Die "unbequeme Wahrheit" sei, dass die Zentralbank den wirtschaftlichen Schock eines EU-Austritts nicht komplett kompensieren könne. Carney hatte bereits nach Bekanntwerden des Abstimmungsergebnisses am Freitag Banken zusätzliche 250 Milliarden Pfund an Liquidität angedeutet, um Engpässe in der Geldversorgung zu verhindern.

+++ Barclays will Jobs in Großbritannien lassen +++

Die Großbank Barclays hat nicht vor, Arbeitsplätze aus Großbritannien ins Ausland zu verlegen. Das Geldhaus bleibe auf der Insel verwurzelt, sagt Barclays-Chef Jes Stanley der BBC.

+++ Brexit-Unsicherheit dämpft Konjunkturaussichten +++

Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet durch das Brexit-Votum kurzfristig eine Drosselung des Wirtschaftswachstums. Das gelte insbesondere für Großbritannien, es werde aber auch Auswirkungen auf die europäische und die Weltkonjunktur geben. Der Fonds werde dies in seinen Prognosen berücksichtigen, die am 19. Juli veröffentlicht werden sollen, sagt ein IWF-Sprecher.

+++ Lindner befürchtet nach Brexit Schwächung von Finanzplatz Europa +++

Nach dem Votum der Briten für einen Austritt aus der EU befürchtet FDP-Chef Christian Lindner eine Schwächung des Finanzplatzes Europa. „Zu glauben, der Brexit sei ein Gewinn für Paris oder auch Frankfurt, das halte ich für illusorisch“, sagte Lindner am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP. „Es ist eher zu befürchten, dass die Standorte insgesamt geschwächt werden, dass der Finanzplatz Europa geschwächt wird, weil eher New York und Singapur profitieren könnten.“


+++ Schulz hält Neuwahlen in Großbritannien für nicht ausgeschlossen +++

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hält Neuwahlen in Großbritannien für nicht ausgeschlossen. „Ich weiß nicht, inwieweit dieses House of Commons noch eine ausreichende Basis für eine stabile Regierungsbildung hat“, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag bei einer Politikkonferenz der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf. Die Tories regierten das Land nicht, sondern seien sehr mit sich selbst beschäftigt. Zudem befinde sich die Labour-Partei in einem dramatischen Zustand. „Ich glaube nicht, dass man (...) Neuwahlen ausschließen kann“, kommentierte Schulz.


+++ Moody's: Brexit könnte auf US-Konsumklima drücken +++

Die Ratingagentur Moody's erwartet für den US-Einzelhandel zwar nicht unmittelbar deutliche Belastungen durch das Referendum in Großbritannien. Indirekt könne die Branche das Brexit-Votum aber zu spüren bekommen, wenn dieses nämlich auf das Konsumklima drücken und die Ausgaben von Touristen schmälern würde.


+++Bosnien erwartet weitere Referenden in Großbritannien+++

Großbritannien steht nach Ansicht des Vorsitzenden des bosnischen Staatspräsidiums, Bakir Izetbegovic, vor weiteren Referenden. „Es wird vielleicht zu einem Absturz des Pfundes kommen“, sagt er in Berlin. Auf jeden Fall rechne er mit einer erheblichen Ernüchterung in Großbritannien über den Brexit.

Brexit

Kommentare zu " Liveblog nach dem Brexit-Votum: US-Ratingagentur stuft Kreditwürdigkeit der EU herab"

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  • Herr Hofmann,

    zu Ihrer Anmerkung: Auch Belgien hat so seine Probleme mit Flamen und Flandern

    Sie meinen sicherlich die Flamen und Wallonen

  • Werter Herr Isenberg,

    wenn Großbritannien die EU verläßt und Schottland Mitglied wird, läuft das nicht wie Sie es mit

    England könnte über Schottland die Zölle der EU umgehen und umgekehrt.

    darstellen. Dann ist der Restgroßbritannien Drittland wie z. B. die USA, Japan oder China. Ich empfehle Ihnen sich einmal zu den Binnenmarktregelungen und zum Zollkodex der EU schlau zu machen.

  • Aber ich glaube eine Militärbasis wie Camp Bondsteel wie in Kosovo braucht die NATO weder in Katalonien noch in Schottland. Dort haben sie bereits Militärbasen.

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