London-Tagebuch
Großbritannien wählt - so lief der Tag des Referendums

Die Briten entscheiden über den Ausstieg aus der EU. In den neuesten Umfragen liegen die Brexit-Gegner leicht vorn. Um 23 Uhr deutscher Zeit schließen die Wahllokale. Was unsere Reporter am Tag der Entscheidung erlebten.
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LondonBis zum Wochenende erscheint das Handelsblatt aus London. Dutzende Reporter sind für Sie im Land und in der britischen Hauptstadt unterwegs - Eindrücke halten sie auch bei Twitter fest (#HandelsblattUK). Auch Sie können bei zahlreichen Veranstaltungen dabei sein.

  • Wahllokale von 8 bis 23 Uhr deutscher Zeit geöffnet.
  • 46,5 Millionen Briten sind stimmberechtigt. Hier alles zum Prozedere.
  • Umfragen sehen das Pro-EU-Lager leicht im Vorteil.
  • Märkte wetten auf einen Verbleib der Briten in der EU.
  • Ergebnisse in den frühen Stunden des Freitags erwartet - hier live verfolgen.

+++ Handelsblatt-Redakteure bereiten sich auf die Nacht vor +++

Um 23 Uhr deutscher Zeit schließen die Wahllokale und die Auszählung beginnt. Das Handelsblatt wird rund um die Uhr hier berichten. Im Laufe der Nacht werden die Ergebnisse aus den einzelnen Wahlbezirken nach und nach bekannt gegeben. Live-Daten finden Sie ständig aktualisiert auf unserer interaktiven Karte. Weitere Updates vom Abend gibt es in einer neuen Ausgabe des Liveblogs - Martin Dowideit wird die Ereignisse hier für Sie sammeln und aufschreiben.

+++ Wann gibt es Ergebnisse? +++

Die Wahllokale werden bis 23 Uhr deutscher Zeit geöffnet sein. Unmittelbar danach wird die Auszählung der Stimmen in den 382 Wahlbezirken beginnen. Prognosen und Hochrechnungen soll es nicht geben. Experten begründen dies mit dem Fehlen entsprechender Vergleichsdaten. Allerdings kündigte das Meinungsforschungsinstitut Yougov eine Nachwahlbefragung an, die um 23 Uhr (MESZ) veröffentlicht werden sollte. Sie sollte sich jedoch nur auf eine vergleichsweise kleine Stichprobe stützen – qualitativ also nicht mit einer echten Prognose vergleichbar sein.

Erste Auszählungsergebnisse wurden in den frühen Morgenstunden des Freitags erwartet. Die britische Nachrichtenagentur PA ging davon aus, dass bis 6 Uhr (MESZ) ein belastbares Ergebnis vorliegen könnte. Der Sender BBC rechnete damit, dass – je nachdem, wie eng das Rennen tatsächlich sein würde – zwischen 5 und 8 Uhr (MESZ) Klarheit über den Ausgang des Referendums herrschen könnte.

Im Laufe der Nacht sollten die Ergebnisse aus den einzelnen Wahlbezirken nach und nach bekannt gegeben werden. Live-Daten finden Sie ständig aktualisiert auf unserer interaktiven Karte.

+++ Wetterchaos könnte Abstimmung beeinflussen +++

Vor allem im Großraum London haben schwere Unwetter massive Störungen im öffentlichen Nahverkehr verursacht. Mehrere U-Bahn- und Zuglinien wurden zeitweise eingestellt. Wichtige Bahnhöfe wie Victoria, Waterloo, Charing Cross oder Cannon Street standen am Abend komplett oder teilweise still. Auf sozialen Medien sorgten sich viele Pendler, dass sie dadurch den Schluss der Wahllokale um 22 Uhr Ortszeit verpassen könnten.

+++ Start-ups bangen um Köpfe und Kapital +++

Lange war London das Start-up-Mekka in Europa. Doch nun sorgen sich viele um ihr Geschäft, sollte Großbritannien aus der Europäischen Union austreten. Einige Gründer drohen bereits mit einem Wegzug von der Insel. Unsere Reporterin Katrin Terpitz berichtet.

+++ Unterwegs am Tag des Referendums +++

Seit sieben Uhr morgens sind die Wahllokale in Großbritannien geöffnet. Unsere Reporter sind ausgeschwärmt, um die Eindrücke dieser historischen Entscheidung zu sammeln. In London ist das Bild dabei schnell klar.

+++ Zwischen Rindern und Referendum +++

Für britische Viehzüchter ist diese Wahl bedeutender als das Brexit-Referendum: In Edinburgh werden auf der Royal Highland Show Großbritanniens beste Züchtungen gekürt. Thema ist der mögliche EU-Austritt dort trotzdem. Christoph Kapalschinski berichtet aus Schottland.

+++ Endspurt in Manchester +++

Langsam bereitet sich die nordenglische Industriestadt auf das große Finale vor, berichtet Handelsblatt-Reporter Martin Wocher. Das historische Rathaus wird derzeit weiträumig mit Sichtschutzzäunen abgeriegelt, auf dem Hof haben sich Übertragungswagen ausländischer Fernsehgesellschaften verteilt. Im Zentrum von Manchester wird irgendwann am frühen Morgen die Wahlkommission des Landes das Ergebnis des Referendums bekanntgeben. Ob ein führender Politiker dann hier auch vor die Kameras treten wird, ist noch offen. Spekulationen, dass sich David Cameron nach Manchester aufmacht oder sein Finanzminister, wollte ein Sprecher der Stadt nicht bestätigen: „Ich glaube, sie werden eher in London bleiben.“ Auch mit spontanen Siegesfeiern vor dem Rathaus nach der Bekanntgabe des Ergebnisses rechnet hier niemand: „Das ist den Leuten viel zu früh“, heißt es.

So hält sich die Polizei-Präsenz in minimalen Grenzen: Zwar werden die Eingänge des Rathauses scharf kontrolliert – seit den Morgenstunden dürfen nur noch Personen mit speziellen Ausweisen passieren. Doch es sind gerade mal ein Dutzend Polizisten, die das Treiben lässig beobachten.

Überhaupt drängt sich der Eindruck auf, dass zumindest hier in Manchester die Bewohner der Stadt den Tag sehr entspannt verleben. Von Schicksalswahl oder historischem Einschnitt ist gar nichts zu spüren. Die Menschen laufen wie immer mit großen Tüten durch die Einkaufsstraßen, die vielen Cafés der Stadt sind schon seit den Vormittagsstunden voll besetzt: Die Menschen genießen es, dass nach zwei Wochen Dauerregen endlich der Sommer Einzug eingehalten hat – mit nur wenigen Wolken und Temperaturen, die die notorisch unempfindlichen Briten dazu verleiten, sich möglichst freizügig auf den öffentlichen Plätzen zu zeigen - ein Hauch von Ballermann liegt über der Stadt. Nach wie vor sind die Wahllokale nur mäßig besucht. Viele führen das allerdings darauf zurück, dass rund ein Drittel der Wahlberechtigten ihre Stimme schon per Briefwahl abgegeben hat.

+++ Die Märkte haben sich bereits entschieden +++

An den Börsen wetten die Investoren auf ein Ja der Briten zur EU. Doch die Angst der Finanzwelt ist damit noch nicht verschwunden. Mehr zu der Lage an den Märkten.

+++ Das Schweineorakel hat gesprochen +++

Großbritannien bleibt in der EU – zumindest, wenn es nach dem Schweinerennen im englischen Pennywell geht. Auf der Farm von Chris Murray müssen sich die Schweine David Hameron, George Hogsbourne, Boar-is Johnson und Iain Duncan-Sniff zwischen „Brexit“ und „Bremain" entscheiden. Das finale Rennen endet 3:1. „Genau wie die Buchmacher vorhergesagt haben“, sagt Murray. Unser Reporter Michael Brächer hat das historische Ereignis festgehalten:

+++ Briten stürmen die Wechselstuben +++

Am Tag des Brexit-Referendums herrscht in den britischen Wechselstuben erneut Hochbetrieb. Die Brexit-Sorgen erhöhen die Summen, die eingetauscht oder ins Ausland geschickt werden. Kirsten Ludowig und Katharina Slodczyk berichten.

+++ Fondsmanager Styles rechnet mit einem „In“ +++

Merrick Styles, Fondsmanager beim britischen Fondshaus Baring Asset Management, rechnet damit, dass sich seine Landsleute knapp für einen Verbleib in der Euro-Zone entscheiden. Seinen aus Aktien und Anleihen gemischten Fonds hat Styles auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen getrimmt, also etwas sicherer aufgestellt. Den Aktienanteil hat der Brite deutlich verringert von rund 40 Prozent vor zwei Monaten auf 28 Prozent. Und innerhalb der Aktienquote hat er die wohl am stärksten unter einem Brexit leidenden Industrieländer wie Großbritannien, aber auch Europa insgesamt abgebaut zugunsten von Schwellenländern. „Ich hoffe, dass sich Emerging Markets von dem Ereignis etwas abschotten können“, sagte Styles unserer Reporterin Anke Rezmer. Zuletzt hätten sich die Schwellenländer-Aktien stabiler gezeigt als etablierte Dividendentitel.

Den Rest des Fondsvermögens hält Styles in verschiedenen Anleihen, vor allem in Hochzinspapieren aus den USA. Der Fondsmanager glaubt nicht, dass „Aktien auch wegen des Brexit-Referendums die großen Performer in diesem Jahr werden“ und sucht daher intensiv Anleihen, die noch Zinsen bringen. Im Durchschnitt bringen seine Bonds rund sechs Prozent Rendite im Jahr.

+++ Last-Minute-Wetten auf den Brexit +++

Der Mitarbeiter in einem Wettbüro lehnt sich entspannt zurück. Nein, heute habe noch niemand auf das Referendum gewettet, sagt er unserer Reporterin Ina Karabasz. Allerdings hätten sehr viele danach gefragt. Die Quote stehe etwa 1/12 für den Verbleib Großbritanniens in der EU, meint der junge Mann und schaut aber sicherheitshalber noch einmal nach. Oh, sagt er, sie stehe nun nur noch bei 1/7. In den vergangenen zweieinhalb Stunden habe jemand eine große Summe auf dem Brexit gesetzt.

Bei einem Wettbüro unweit davon hat der Mitarbeiter eines anderen Wettanbieters mehr mit dem Referendum zu tun. Heute sei Hochsaison für diese Wetten, sagt er. Aber auch schon in den vergangenen Wochen sei die Wette auf den Brexit beliebt gewesen. Einer hätte 10.000 Pfund auf den Austritt gesetzt.

Auch Dean, 38, ist an diesem Tag im Wettbüro. Er setzt allerdings lieber auf Fußball. Gewählt hat er heute trotzdem schon: Er will raus aus der EU. Sein Kollege Rob auch. Großbritannien würde viel zu viel importieren, sagt Dean. Und zu wenig selber produzieren. Das würde sich hoffentlich durch einen Austritt ändern. Zudem könnten sie dann ihre Handelsabkommen selber aushandeln - mit besseren Konditionen für die Briten.

+++ Wahlkampf bis zur letzten Minute in Manchester +++

Sie stehen gerade mal 80 Meter auseinander: Auf der Market Street, der wichtigsten Einkaufsmeile Manchesters, kämpfen die beiden Lager noch um die letzten unschlüssigen Wähler, berichtet Handelsblatt-Reporter Martin Wocher. „Ich mache das nicht für mich“, sagt Paul Harris, der sich der Leave-Kampagne angeschlossen hat, „sondern für meine Kinder und Enkel. Die sollen in einem besseren Großbritannien eine Zukunft haben.“ Der 66-jährige Rentner räumt allerdings ein, dass auch seine Familie in der Frage Bleiben oder Gehen gespalten ist. der Sohn ist für den Ausstieg, die Tochter für den Verbleib in der EU. Deren Argumente mag Harris schon gar nicht mehr hören: „Brüssel ist eine korrupte Organisation, die die Hoffnungen Millionen junger Menschen in Südeuropa zerstört hat“, ereifert es. „Das ist alles nur ein Desaster.“ Auch für die deutsche Kanzlerin hat er noch eine Botschaft: „Tschüss Mutti.“

In der Innenstadt von Manchester müssen sich die Leave-Anhänger schon manche kritische Anmerkung anhören. Vieles dreht sich dabei um Jobs und die Wirtschaft. So glaubt Darren De Valley, der in Sichtweite von Harris noch Remain-Button verteilt, dass die Stadt selbst für die EU stimmen wird. Schwieriger wird es dagegen im Umland. Dort hat das Leave-Lager viele Anhänger. Jüngste Umfragen gehen davon aus, dass sich sieben von zehn Gemeinden rund um die frühere Industriestadt für einen Ausstieg entscheiden werden.

Für den Immobilienmakler, der sich extra diese Woche für den Wahlkampf Urlaub genommen hat, wäre das „eine Schande". Der gebürtige Ire, der ein paar Jahre in Frankreich und Schweden gelebt hat, lobt die Vorzüge eines gemeinsamen Marktes – und sogar einer Währung wie den Euro. Dennoch wird es seiner Ansicht nach eng werden bis zur Schließung der Wahllokale: „Ich hoffe ja immer noch, dass sich eine überzeugende Mehrheit für die EU ausspricht. Ansonsten bleibt das Land in zwei Lager gespalten. Aber sicher bin ich mir nicht.“

+++ Pöbelei gegen Remain-Helfer +++

Michael steht in London vor einer U-Bahn-Station und verteilt „In“-Aufkleber. Ein dunkelhäutiger Mann wehrt den angebotenen Sticker vehement ab. „Out, out!“, ruft er, während er weiterläuft. „I want a job!“. Das sei ihm schon einige Mal passiert, erzählt Michael unserer Reporterin Kerstin Leitel. „Beim Thema Einwanderung werden die Leute emotional“. Er selbst kommt auch aus dem Ausland, aus Australien und hofft, dass die Mehrheit der Briten gegen einen Austritt aus der Europäischen Union stimmt. „Wegen des Friedens“, sagt er. „Es ist wichtig, dass wir friedlich zusammenleben“.

+++ Welches Umfrageinstitut liegt richtig? +++

+++ Rooney hält Votum geheim +++

Wayne Rooney will seine Wahlentscheidung beim Referendum über einen möglichen EU-Austritt Großbritanniens nicht öffentlich machen. „Ich möchte nicht darüber sprechen und halte es geheim“, sagte der Kapitän der englischen Fußball-Nationalmannschaft am Donnerstag im EM-Quartier von Chantilly. Rooney ließ auch offen, ob er überhaupt abgestimmt hatte.

Der Verband hatte den Spielern eine mögliche Briefwahl vom Turnier aus Frankreich organisiert. „Ich weiß nicht, wie viele die Option wahrgenommen haben“, sagte Rooney. Keiner seiner Teammitglieder sprach sich bis zum Beginn des Votums am Donnerstag öffentlich für oder gegen einen Verbleib in der Europäischen Union aus.

Brexit

Kommentare zu " London-Tagebuch: Großbritannien wählt - so lief der Tag des Referendums"

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  • Pro Woche zahlen die Briten 190 Millionen Pfund, umgerechnet 240,8 Millionen Euro. Auf jeden einzelnen Briten heruntergerechnet sind es 153 Pfund pro Jahr (rund 194 Euro) oder 42 Pence am Tag (53,2 Cent), die an die EU gehen.

  • Die Briten bleiben drin!

    Sollte die Mehrheit für einen Brexit stimmen, gibt es bei den Stimmauszählungen "Verwechslungen", so dass es letztendlich so passt wie die EU-Politiker es wünschen! Kennen wir doch alles ....

  • << Umfragen sehen Pro-EU-Lager leicht im Vorteil >>

    Damit ist doch schon alles gesagt, dass es KEINEN Brexit geben wird.

    Das System, die Yankees, Die Quin, die EU-Scvmarotzer, werden die Briten als Drittgroessten Nettozahler aus der EUtopia niemals rauslassen.

    Werkzeuge zur Wahlfaelschung hat man genug : MI 6, Amerikanische Geheimdienste, sonstige Dienste werden alles tun, um diese Abstimmung Systemgerecht abzuzaehlen.

    Es ist nicht wichtig, wie man waehlt, es ist immer wichtig, wer zaehlt und wie man zaehlt !

    Die Show mit Brexit ist heute vorbei.

    Die normalen Verhaeltnisse der Briten sind 80 % fuer Brexit und 20 % fuer Verbleib in der EU.

    Und es wird KEINEN BREXIT geben !

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