Boris Johnson und der Brexit
König Boris ganz oben

Der 51-jährige Ex-Bürgermeister von London ist der Wortführer der EU-Austritts-Kampagne. Nun könnte das Votum für Boris Johnson nach dem Rückzug von David Cameron den Sprung nach ganz oben bedeuten.

LondonThe „Brexit Blitz", hatte er seine Kampagne in Anspielung auf die deutsche Luftwaffe genannt, ein so alberner wie politisch unkorrekter Name. Wochenlang war Alexander Boris de Pfeffel Johnson, der Mann, den alle wie einen Popstar in Großbritannien nur Boris nennen, damit bis zum Tag des EU-Referendums am 23. Juni kreuz und quer über die Insel gereist, um wortreich mit nicht immer korrekten Fakten und skurillen Witzen gegen Brüssel zu argumentieren.

Doch am Freitag ist es augenscheinlich nicht der britische Premierminister David Cameron, sondern Johnson, dem nach wochenlanger Kampagne erneut nach Lachen zu Mute ist. Großbritannien hat für einen Austritt aus der Europäischen Union gestimmt - und den 51-Jährigen damit zum Sieger gekürt.

Es ist ein Triumpf für Mr. Brexit – der für den Tory-Politiker angesichts des Rückzugs des britischen Premierministers David Cameron nun der Sprung nach ganz oben bedeuten könnte. Er bedauere, dass Cameron nicht im Amt verbleiben wolle, betonte Johnson am Freitag in einer ersten Pressekonferenz.

Der Mann mit den Wuschelhaaren ist ein Volkstribun, dessen Beliebtheit sich auch daraus speist, dass Johnson Gegensätze mühelos vereint: Er ist Vertreter der Oberschicht und bestens vernetzt, andererseits gilt er aber als Parteirebell, der seinen eigenen Kopf hat. Doch die Brexit-Debatte legte auch eine Schwäche des Mannes offen, der in New York geboren wurde. „Johnson sei ein „großer Entertainer“, ein „Clown“ und „brillanter Redner“. „Aber ein guter Redner ist noch kein guter politischer Führer“, urteilte vor wenigen Tagen noch Financial-Times-Chefredakteur Lionel Barber über den Polit-Pumuckl, bei dem er die Seriösität vermisst. Rechtspopulistische Entgleisungen – sein Vergleich zwischen Hitler und der EU, der Hinweis auf US-Präsident Barack Obamas „halb kenianische Vorfahren“ – ließen Zweifel wachsen, dass er für höchste Ämter geeignet ist.

Dennoch hatte Premierminister David Cameron lange um den Parteifreund geworben und ihm angeblich einen Ministerposten angeboten, falls er sich an seine Seite stellen würde. Aber Johnson hatte sich gegen einen Posten im Kabinett entschieden und sich zusammen mit Justizminister Michael Gove zum Wortführer der Rebellen aufgeschwungen. Viele halten Johnsons Europaskepsis dabei für pure Inszenierung. Die Vorwürfe gegen Brüssel aus dem Munde des Mannes, der in der belgischen Hauptstadt zur Schule gegangen ist, seien reines Machtkalkül, weil er das Land regieren möchte, mutmaßen sie. So ist auch Barber unmissverständlich in seiner Einschätzung über die Motivation von Johnson: „Er will der nächste Premierminister werden.“

„Aber es sei die richtige Entscheidung gewesen, das EU-Referendum abzuhalten. Die Menschen konnten entscheiden - und sie haben sich entschieden, sich die Macht zurückzuholen“, erklärte der Mann mit den Wuschelhaaren. Es war nicht mehr der Auftritt eines Wahlkämpfers. Er war der Versuch, in einer neuen Rolle zu überzeugen: der des Staatsmanns.
Denn in der Brexit-Debatte ging es auf der Insel nicht nur um die Zukunft Europas, sondern auch um Karrieren und politische Egos. So leichtfüßig der Mann aus der konservativen Tory-Partei, den viele als Clown und Kindskopf abtun, auch nach außen daherkommt, so wirkungsmächtig ist Johnsons Einfluss auf die britische Politik, wie er mit der Leave-Kampagne noch einmal bewies: Kaum einen Politiker mögen die Briten so sehr wie diesen Nonkonformisten, der mit der Anwältin Marina Wheeler verheiratet ist.

Der Mann mit den strohblonden Haaren ist ein Volkstribun, dessen Beliebtheit sich auch daraus speist, dass Johnson Gegensätze mühelos vereint: Er ist Vertreter der Oberschicht und bestens vernetzt, andererseits gilt er aber als Parteirebell, der seinen eigenen Kopf hat.

Doch die Brexit-Debatte legte auch eine Schwäche des Mannes offen, der in New York geboren wurde. „Johnson sei ein „großer Entertainer“, ein „Clown“ und „brillanter Redner“. „Aber ein guter Redner ist noch kein guter politischer Führer“, urteilte vor wenigen Tagen noch Financial-Times-Chefredakteur Lionel Barber über den Polit-Pumuckl, bei dem er die Seriösität vermisst. Rechtspopulistische Entgleisungen – sein Vergleich zwischen Hitler und der EU, der Hinweis auf US-Präsident Barack Obamas „halb kenianische Vorfahren“ – ließen Zweifel wachsen, dass er für höchste Ämter geeignet ist.

Dennoch hatte Premierminister David Cameron lange um den Parteifreund geworben und ihm angeblich einen Ministerposten angeboten, falls er sich an seine Seite stellen würde. Aber Johnson hatte sich gegen einen Posten im Kabinett entschieden und sich zusammen mit Justizminister Michael Gove zum Wortführer der Rebellen aufgeschwungen. Viele halten Johnsons Europaskepsis dabei für pure Inszenierung. Die Vorwürfe gegen Brüssel aus dem Munde des Mannes, der in der belgischen Hauptstadt zur Schule gegangen ist, seien reines Machtkalkül, weil er das Land regieren möchte, mutmaßen sie. So ist auch Barber unmissverständlich in seiner Einschätzung über die Motivation von Johnson: „Er will der nächste Premierminister werden.“

Genau das könnte nun schneller geschehen als von vielen gedacht. Rund 80 britische Tory-Politiker appellierten in der Nacht zum Freitag zwar an Cameron, im Amt zu bleiben - doch vergeblich. Nach der Ankündigung von Cameron, sich im Oktober aus der Downing Street No. 10 zurückzuziehen, dürfte Johnson sich Chancen ausrechnen dürfen. Die britischen Buchmacher haben jedenfalls bereits einen neuen Favoriten für die Cameron-Nachfolge ausgemacht: Johnson. Dass der Ex-Bürgermeister der Metropole über den nötigen Machthunger für den Job verfügt, ist keine Frage. Der Berufswunsch, den der junge Boris schon als Kind nannte, ist ebenso kurios wie bezeichnend: „König der Welt“.

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