Brexit und die Fischer
Die böse Fangquote

Britische Fischer beschweren sich darüber, dass die Europäische Union bestimmt, wie viel sie wo fangen dürfen. Doch auch nach einem Austritt können sie nicht so viel fischen wie sie wollten.

LondonWeil die britischen Fischer die Fangquote der EU beim Brexit-Referendum gerne anbringen, ist das Thema mittlerweile auch in der Politik angekommen. Konservative Landwirtschafts- und Fischereiminister George Eustice erklärt etwa auf seiner Internetseite, nach einem Austritt habe Großbritannien die Oberhand über die Seemeilen wieder. Die derzeitigen Quoten seien nicht fair, bemängelt er. Frankreich dürfe etwa im Ärmelkanal 2.600 Tonnen Scholle fischen, die Vereinigten Königreiche nur 1.300 Tonnen.

Warum gibt es überhaupt eine Fangquote: Laut dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, ist das Ziel der europäischen Fischereipolitik, „lebende aquatische Ressourcen“ – sprich Fisch und Meeresfrüchte – unter nachhaltigen wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Bedingungen langfristig nutzen zu können. Anfang 2014 wurden deswegen die Regeln reformiert. Seither gilt die Gemeinsame Fischereipolitik (GFP).

Damit sollen sich die Bestände wieder erholen können und gleichzeitig die Fischerei wachsen. Schließlich, erklärt die EU-Kommission, seien die Bestände „Grundlage für einen gewinnträchtigen Industriezweig“. In Mehrjahresplänen wird festgehalten, wo welcher Fisch von wem gefischt werden darf. Deutsche Fischer dürfen etwa 2016 von rund 311.000 Tonnen Makrelen, die für die Fischerei freigegeben sind, knapp 55.500 Tonnen fangen.

Einmal im Jahr treffen sich die EU-Fischereiminister und legen die Fanquoten fest. Zuletzt war dies im vergangenen Dezember der Fall. Sie treffen ihre Entscheidung unter anderem auf Basis der Empfehlungen des Internationalen Rates für Meeresforschung, einer unabhängigen Forschungseinrichtung.

Bei einem Austritt aus der EU wären die Briten nicht mehr an diese Fangquoten gebunden. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass die Fischer so viel fischen könnte, wie sie wollen. Fische sind durch die Zeit, die sie brauchen sich zu reproduzieren, eine beschränkte Ressource. So bleibt es im Interesse der Regierung, diese langfristig zu erhalten. Da Fische zudem wandern, handeln Staaten im Sinne der friedlichen Zusammenarbeit Fanquoten aus.

Auch Norwegen hat etwa eine Vereinbarung mit der EU getroffen. Fischereiminister Eustice glaubt, sich auch ohne Mitglied der EU zu sein, auf Quoten einigen zu können. Schließlich funktioniere das mit Island auch, und die seien nicht Teil der Europäischen Union. 2013 hat Island mehr als 1,36 Millionen Tonnen Fisch gefangen. In Großbritannien waren es in dem Jahr nur etwa halb so viel.

Allerdings stieg die Menge an gefangenen Fischen 2014 um 21 Prozent. In dem Jahr beschäftige die britische Fischereiindustrie rund 11.800 Personen, 12 Prozent weniger als noch zehn Jahre zuvor. Trotz Jobabbau wurde jedoch stetig mehr gefischt und die Fische zu einem höheren Preis verkauft.

Die Autorin ist Redakteurin im Ressort Unternehmen & Märkte. Sie erreichen sie unter: karabasz@handelsblatt.com
Ina Karabasz
Handelsblatt / Redakteurin Unternehmen & Märkte
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