Cameron-Nachfolge
Leadsom gibt auf

Ein klassisches Eigentor: Nach abfälligen Bemerkungen über ihre kinderlose Rivalin zieht sich Andrea Leadsom aus dem Rennen um die Cameron-Nachfolge zurück. Damit dürfte Theresa May künftig Großbritannien regieren.

LondonIm Wettbewerb um die Nachfolge des britischen Premierministers David Cameron gibt die Bewerberin Andrea Leadsom auf. Dies kündigte sie am Montag in London an. Damit ist Innenministerin Theresa May alleinige Kandidatin und wird aller Voraussicht nach neue Vorsitzende der konservativen Torys und damit auch Premierministerin.

Leadsom sagte, May sei am besten geeignet, die Brexit-Verhandlungen mit der Europäischen Union zu führen. Zudem brauche das Land nach dem Referendum rasch eine neue, starke Führung. „Wir brauchen so schnell wie möglich einen neuen Premierminister.“ Die Wirtschaft sowie die in Großbritannien lebenden EU-Migranten brauchten Klarheit, wie es weitergehe. Was sie selbst angehe, so habe sie nicht den Eindruck, dass es für sie ausreichend Unterstützung gebe, um eine stabile Regierung zu führen, fügte Leadsom hinzu.

Der Chef des für das Rennen zuständigen Ausschusses, Graham Brady, kündigte an, dass der Parteivorstand bei einem Treffen darüber diskutieren werde, ob May als Siegerin bestätigt werde. Wann die Partei bekanntgeben könnte, dass May gewonnen habe, sagte er nicht. May will noch an diesem Montag eine Erklärung abgeben. Das kündigte einer ihrer Unterstützer an.

May hat wiederholt betont, dass sie ein zweites Referendum über den Verbleib des Vereinigten Königreichs in der Europäischen Union ablehnt. Auch dem Versuch eines Wiedereintritts durch die Hintertür erteilte sie eine Absage. Wann sie ihr Amt antritt, war zunächst unklar. Ursprünglich wollten die Torys ihre Mitglieder zwischen May und Leadsom entscheiden lassen. Das Ergebnis dieser Urwahl war für Anfang September angekündigt.

Leadsom hatte am Wochenende mit einem Interview für Empörung gesorgt. Sie hatte am Samstag suggeriert, sie als Mutter wäre für das Land eine bessere Regierungschefin als ihre kinderlose Konkurrentin Theresa May. Zwar sei eine Debatte, „Andrea hat Kinder, Theresa hat keine“ fürchterlich, sagte sie der Zeitung „The Times“. „Aber ganz ernsthaft fühle ich, eine Mutter zu sein bedeutet, dass dir ganz viel an der Zukunft unseres Landes liegt.“

Nach kritischen Stimmen erklärte Leadsom, sie sehe sich falsch dargestellt. Den „Times“-Artikel bezeichnete sie als Gossen-Journalismus. Gleichzeitig beteuerte sie, Mutterschaft spiele keine Rolle in ihrer Wahlkampagne. Die „Times“ veröffentlichte im Gegenzug den Mitschnitt des Interviews mit Leadsom, der landesweit in den Morgensendungen wiederholt wurde.

May selbst beließ es bei einer Twitter-Botschaft: Sie habe versprochen, einen sauberen Wahlkampf zu führen. Und ich lade Andrea Leadsom dazu ein, sich diesem Versprechen anzuschließen.“
Leadsom und die favorisierte Innenministerin May waren die beiden letzten von ursprünglich fünf Bewerbern um die Nachfolge Camerons, der nach dem Brexit-Votum seinen Rücktritt als Partei- und Regierungschef angekündigt hat. Am Samstag schlug sich die Zeitung „Daily Telegraph“, die als einflussreich unter Konservativen gilt, auf die Seite von May.

Agentur
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