Der Brexit-Tag
Europa bebt

Die Briten haben sich für den Ausstieg aus der EU entschieden. Premier Cameron tritt ab, die Börsen rauschen nach unten. Wie genau der Exit laufen soll, bleibt aber unklar – und belastet auch die kommende Börsenwoche.

LondonAus nach 43 Jahren: Die Briten haben sich in einem hoch emotionalen Referendum und äußerst knapp entschieden, dass ihr Land nicht länger Teil der Europäischen Union sein soll. An den Märkten brach Panik aus. Am Nachmittag jedoch akzeptierten die Investoren schon ein wenig die neue Realität des Brexit und die Kurse erholten sich etwas. Mit 51,9 Prozent war das Ergebnis für den Austritt eindeutig.

Premier David Cameron kündigte noch am Morgen seinen Rücktritt bis spätestens Anfang Oktober an. Als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge gilt sein konservativer Parteikollege Boris Johnson, der allerdings im Gegensatz zum bisherigen Amtsinhaber für den EU-Ausstieg geworben hatte.

Die ganze Welt reagierte auf die historische Entscheidung. Barack Obama und Hillary Clinton, der Papst und Ban Ki Moon als Chef der Vereinten Nationen, Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker – sie alle äußerten ihr Bedauern. Die EU drängt nun auf eine schnelle Klärung der neuen Konstellationen. „Jede Verzögerung würde die Unsicherheit unnötig verlängern“, erklärten Juncker, EU-Ratspräsident Donald Tusk, Martin Schulz als Chef des Europaparlaments und der niederländische Regierungschef Mark Rutte (Holland hat gerade den Vorsitz in der EU). Die Briten hingegen wollen sich noch Zeit lassen, den Abtrennungsprozess einzuleiten.

Donald Trump indes gratulierte den Briten: „Großartige Entscheidung.“ Rechtsparteien in Europa jubilierten. Erste Forderungen nach Referenden in anderen EU-Staaten wurden laut. Der Chef der rechtspopulistischen Ukip-Partei, Nigel Farage, sah sich auf voller Linie bestätigt und spricht von einem „Geist der EU-Skepsis“, der jetzt in ganz Europa aus der Flasche sei. „Die EU versagt, die EU stirbt“, frohlockte er. Für sich forderte im Handelsblatt-Gespräch aber einen Ukip-Minister in einer „jetzt zu bildenden Brexit-Regierung“.

Die internationalen Finanzmärkte reagierten mit Kursstürzen. Die Landeswährung Pfund stürzte auf den tiefsten Stand seit 1985. Experten befürchten eine Wirtschaftskrise, den Verlust von Arbeitsplätzen und einen weiteren Währungsverfall. Die britische Zentralbank kündigte notfalls massive Stützungsmaßnahmen an: Man könne bis zu 250 Milliarden Pfund in die Hand nehmen, sagte Notenbank-Chef Mark Carney. Am Nachmittag lag das Pfund mit 1,36 Dollar noch um 8,2 Prozent niedriger als am Tag zuvor.

Brexit
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%