Devisenmarkt
Sonderregeln für Währungszocker

Brexit? Bitte anschnallen! Anbieter spezieller Währungspapiere verlangen Extra-Sicherheiten von Kunden, ein Überweisungsdienst setzt Pfund-Transfers aus und auch Profis schlottern die Knie wegen des EU-Referendums.

Bringen Sie die Sitzlehnen in aufrechte Position und stellen Sie das Rauchen ein: Wenn am Freitag die Ergebnisse des britischen Referendums zur EU-Mitgliedschaft publik werden, dürfte das die Finanzmärkte kräftig durchschütteln – egal, wie das Ergebnis ausfällt. Deshalb warnen viele Banken und Finanzdienstleister ihre Kunden schon jetzt vor drohenden Turbulenzen. Manche Großbanken lassen bereits durchblicken, dass sie den Handel zeitweise womöglich sogar ganz einstellen könnten.
Analysten rechnen mit starken Verwerfungen, wenn die Ergebnisse des Referendums am Freitagmorgen publik werden. Im Falle eines Brexits prophezeit die Saxobank eine „weißglühender Volatilität“ in den ersten Handelsstunden und Tagen.

Dabei könne das britische Pfund um 12 Prozent einbrechen, „auch wenn die anfängliche Reaktion zum größten Teil schnell wieder ausgeglichen würde“. Der Star-Investor George Soros geht noch weiter: Er warnt vor einem „schwarzen Freitag“ am Devisenmarkt, falls der Brexit kommt.

In den jüngsten Umfragen haben die Brexit-Gegner zwar einen kleinen Vorsprung. Doch auch wenn Großbritannien in der EU bleibt, dürfte das die Märkte bewegen: Viele Anleger hatten ihre Positionen vor dem Referendum zurückgefahren und dürften diese wieder aufbauen. Andere Anleger haben in der Hoffnung auf satte Gewinne auf den Brexit und eine Schwäche des Pfunds gewettet. Rege gehandelt werden dürfte am Freitag also in jedem Fall.

Auch Großbanken stellen sich auf die Sondersituation ein. Die Credit Suisse rechnet im Vorfeld des Referendums und bei der Verkündung der Ergebnisse mit „signifikanter Volatilität“ am Devisenmarkt. „Wir wollen versuchen, ordentliche und effiziente Märkte zu erhalten“, schreibt die Bank in einer Mitteilung an ihre Kunden. Angesichts der Marktkonditionen sei man allerdings möglicherweise nicht in der Lage, das gewöhnliche Niveau an Liquidität zur Verfügung zu stellen. Ähnlich äußert sich die schweizerische UBS. Praktisch müssen Kunden also damit rechnen, dass ihre Bank ihnen nur noch sehr schlechte oder gar keine Preise mehr stellt, wenn diese Devisen kaufen oder verkaufen wollen.

Der Überweisungsdienstleister Transferwise hat bereits angekündigt, dass er am Donnerstag keine Transaktionen in Pfund durchführen wird. Der Handel werde erst wieder aufgenommen, wenn das Resultat des Referendums vorliegt.
Auch private Devisenspekulanten sind betroffen: Die Anbieter von Differenzkontrakten verlangen von ihren Kunden im Vorfeld des Referendums höhere Sicherheiten. Betroffen sind etwa die Broker CMC Markets und IG. Mit den so genannten CFDs können Anleger auf steigende oder fallende Kurse wetten und dabei Gewinne und Verluste vervielfachen. Kommt es zu starken Turbulenzen an den Märkten, kann das für CFD-Nutzer gravierende Folge haben: Als die Schweizerische Notenbank im vergangenen Jahr die Obergrenze des Franken zum Euro aufhob, forderten CFD-Broker von Privatanlegern teils sechsstellige Summen zurück. Der Broker Alpari musste damals sogar einen Insolvenzantrag stellen.

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