E-Commerce
Wie der Brexit den Onlinehandel gefährdet

Ein Austritt Großbritanniens aus der EU könnte für deutsche Shopper Folgen haben: Waren von der Insel würden zum Teil deutlich teurer. Und auf viele Händler dürften auch rechtliche Probleme zukommen.
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DüsseldorfPhilip Rooke ist Brite. Und der Vorstandschef des Leipziger Onlinehändlers Spreadshirt liebt sein Heimatland. Doch falls seine Landsleute am kommenden Donnerstag für einen Austritt aus der EU votieren, müsste er schweren Herzens das Engagement seines Unternehmens im britischen Markt überdenken.

Bisher macht Spreadshirt rund fünf Prozent seines Umsatzes von 85 Millionen Euro in Großbritannien und Irland. Doch dieser Umsatzanteil, da ist er sich sicher, dürft im Falle eines Brexit deutlich sinken – nicht zuletzt wegen Wechselkursrisiken, komplizierterer Zollformalitäten und höherer Kosten. „Wir müssten uns dann stärker auf andere Länder wie Spanien oder Frankreich konzentrieren“, sagt Rooke.

In Rookes Augen wäre ein Brexit eine Katastrophe für den Handel. Vielen sei nicht klar, welche Vorteile die Mitgliedschaft in der viel gescholtenen Gemeinschaft biete. „Wenn wir beispielsweise mit schweizerischen Steuern oder dem norwegischen Zoll zu tun haben, wünschen wir uns oft die scheinbar komplizierten EU-Regeln“, klagt Rooke.

„Ein Austritt Großbritanniens aus der EU hätte auch für viele deutsche Onlinehändler unabsehbare rechtliche und finanzielle Auswirkungen“, prognostiziert Martin Rätze, Teamleiter Legal Experts bei Trusted Shops, einem Unternehmen, das Webshops zertifiziert und Gütesiegel vergibt. Er beschäftigt sich jeden Tag mit den rechtlichen Fallstricken des Onlinehandels und weiß genau, wo der Teufel im Detail liegt.

Das beginne bei Dingen, die noch wenige bedacht haben. Denn Folgen hätte ein Brexit insbesondere für die zahlreichen deutsche Händler, die in der Rechtsform der britischen Limited organisiert sind. „Falls mit einem EU-Austritt Großbritanniens die Privilegien der Niederlassungsfreiheit wegfallen, ist völlig unklar, ob und unter welchen Bedingungen sie diese Rechtsform weiter nutzen können“, sagt Rechtsexperte Rätze. Denn genau mit der Niederlassungsfreiheit innerhalb der EU hatte der Europäische Gerichtshof 1999 in einem wegweisenden Urteil die Erlaubnis der grenzüberschreitende Nutzung des Gesellschaftsrechts begründet.

Die Folge wäre Unsicherheit und im schlimmsten Fall eine notwendige Änderung der Rechtsform. Dies wiederum könnte beispielsweise eine verschärfte Haftung der Geschäftsführer bedeuten. „Auch würde künftig nicht mehr ein Kapital von einem Pfund ausreichen“, so Rätze.

Eins jedoch ist schon jetzt klar: Stimmen die Briten für einen EU-Austritt, ist die Neugründung einer Limited mit Verlegung des Verwaltungssitzes nach Deutschland künftig ausgeschlossen.

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„Im schlimmsten Fall nicht mehr konkurrenzfähig“

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • zu hier:

    http://www.handelsblatt.com/politik/international/brexit-referendum/brexit-news/david-cameron-und-der-brexit-der-angezaehlte-premier/13769674.html

    "Auch wenn David Cameron einen Brexit abwenden kann: Der britische Premier steht vor dem Aus. Mit dem Referendum ist er ein unverantwortliches politisches Risiko eingegangen."

    Das ist schon Bezeichnend welche Einstellung von Demokratie bei dem Autor herrscht.
    Es ist für diesen natürlich völlig unverantwortlich, das Volk entscheiden zu lassen.

    Denn dieses könnte ja ganz andere Interessen haben als die "Eliten", die eigentlich primär die Interessen den Volkes vertreten sollten aber leider meist andere Ideen/Visionen im Kopf haben.

  • Ich glaub‘ schon, dass die meisten Briten sich letztlich fürs Bleiben entscheiden werden.

    Aus dem einfachen Grunde, weil sie die wirtschaftlichen und finanziellen Konsequenzen eines Austritts fürchten.

    Geld wäre also mal wieder das Korsett, das das Konstrukt "EU" (nicht Europa!!!) am Auseinanderfallen hindert.

    Um in ganz Europa ein Zusammengehörigkeitsgefühl der Bürger aller in Europa liegenden Länder (und einen wirklichen europäischen Geist) zu entwickeln bzw. auszubauen, bedürfte es nämlich keiner ständigen Kämpfe ums Geld, sondern eines ECHTEN Dialogs, der ALLE Bürger einbezieht.

    Und um Handelshemmnisse und überflüssige Bürokratie abzuschaffen, braucht’s erst recht kein Geld, sondern bloß den Willen dazu.

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