Furcht vor dem Brexit
„Heulen und Zähneklappern“

An den Märkten geht derzeit die Angst um. Die Sorge um den Brexit vernichtet weltweit ein immenses Anlegervermögen. Fondsmanager schichten ihre Portfolios um. Was Privatanleger von den Profis lernen können.
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FrankfurtWie sich die Briten beim nahenden Votum über den Verbleib in der Europäischen Union entscheiden werden, das steht noch nicht fest. Klar ist aber jetzt schon: Der Volksentscheid führt zu einer globalen Geldvernichtung.

Seit in der vergangenen Woche die Umfrage-Trends in Richtung Brexit gingen, tanzt der Bär an den Börsen. Mehr als zwei Billionen US-Dollar verloren die weltweiten Aktieninvestments an Wert, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Und Profi-Investoren schlagen Alarm.

Vom „Heulen und Zähneklappern angesichts des britischen Referendums“, berichtet etwa John Hardy, Devisenstratege bei der Saxo Bank. „Ein Mehrheitsvotum für den Austritt hätte Chaos zur Folge”, konstatiert Lukas Daalder, Chief Investment Officer von Robeco. Und auch der deutsche Vertreter des weltgrößten Vermögensverwalter meldet sich zu Wort. „Das Brexit-Referendum wird für Anleger zum Vabanquespiel“, sagt Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie für Blackrock Deutschland.

In dieser Situation gehen Großanleger auf Nummer sicher. Das zeigt die wichtigste monatliche Umfrage unter internationalen Fondsmanagern von der Bank of America Merrill Lynch. Die Geld-Verwalter halten mit 5,7 Prozent ihres Fondsvermögens so viel Liquidität wie zuletzt vor 15 Jahren. Der Appetit auf Risiko ist ihnen vergangen. Der Index, der die Neigung zu riskanten Investments anzeigt, ist auf ein Vier-Jahres-Tief gefallen.

„Es gibt keine Bullen auf dem Berg der Bären“, so titeln die US-Banker die Zusammenfassung der wichtigsten Daten ihrer Studie. Die Allokation bei weltweiten Aktien befindet sich auf einem Vier-Jahres-Tief. Die Skepsis hat vor allem einen Grund: Einen möglichen Brexit sehen die Fondsmanager derzeit als das größte Risiko für die Börsen an. „Für mich ist das größte Risiko, mit der die Welt derzeit konfrontiert ist, der Aufstieg von Populismus und Ultra-Nationalismus”, sagt Michael Hasenstab, Portfoliomanager bei der Fondsgesellschaft Franklin.

Der Blick auf die weltweiten Märkte zeigt, wie beliebt derzeit die „sicheren Häfen“ unter den Anlageklassen sind. Dazu zählt etwa die zehnjährige Bundesanleihe, bei der die Rendite auch wegen der großen Nachfrage am Dienstag erstmals ins Minus fiel. Die „Zehnjährige“ gilt als der Gral sicherheitsbewusster Anleger, in Deutschland ist sie die wichtigste Referenz für langfristige Kapitalmarktzinsen.

Aufgelegt wurde eine zehnjährige Bundesanleihe erstmals im Jahr 1960. Die Rendite lag damals bei 6,34 Prozent. Im Jahr 1974 stieg sie sogar auf Monatssicht auf 10,8 Prozent. Seit der letzten Finanzkrise ging es bergab. Im Jahr 2008 gab es noch gut vier Prozent, heute rentiert sie mit 0,007 Prozent.

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  • Ich habe gerade den Link eingestellt, aber auch sehenswert ist der Vortrag von Herrn Dr. Daniele Ganser bei der ÖDP in München Ende Mai 2016!
    Super Vortrag! Herr Dr. Ganser nennt einfach die Fakten und regt sehr zum Nachdenken an...Ich kann es nur empfehlen...

  • Sehr geehrter Herr Kreischer, warum schreiben Sie so etwas? Bitte bleiben Sie sachlich, würde das HB schreiben ;-)
    Und ich bin kein Rentner, sondern geschäftsführender Gesellschafter einer mittelständischen GmbH mit Sitz in der Nähe von Stuttgart und ich habe einige kleinere Vertriebsbüros über Dtl. verteilt und meine Mitarbeiter und ich sind uns sehr einig, dass wir fast mit 75 % der Belegschaft unsere Stimmen Frau Petry und Herr Meuthen gegeben haben und auch weiterhin geben. Ich frage Sie ehrlich, gibt es denn zur Zeit eine andere ernstzunehmende Alternative für Deutschland?

  • Aber bitte nur mit demokratischen Mittel...wie zB der zur Zeit einzigen Alternative für Deutschland....wir muessten eine Koaliation mit den Linke und der ÖDP und der Alternative hinbekommen, vielleicht noch die FDP und dann wären die anderen auf einmal sehr nachdenklich...ja, so sollten wir wählen....
    ich habe Frau Petry in Landau gesehn (gibt es auch auf Youtube) und diese Frau beweist mehr Demokratieverständnis als alle etablierten Politiker zusammen.....Einfach nur SUPER!

    @HB: Tausend Dank, dass die Kommentarfunktion mal wieder offen ist...!

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