Fußball-EM 2016

Englands Spiel um den Brexit

Drei Tage vor dem EU-Referendum trifft England in seinem letzten Gruppenspiel auf die Slowakei. Von dem Ergebnis könnte mehr abhängen als nur der Einzug ins Achtelfinale. Denn Fußball kann Wahlen entscheiden.
Ein Sieg der Three Lions könnte David Cameron politisch nutzen. Quelle: Reuters
England-Fans in Paris nach dem Sieg über Wales

Ein Sieg der Three Lions könnte David Cameron politisch nutzen.

(Foto: Reuters)

LondonIn England hat die Woche der Entscheidungen begonnen. Drei Tage vor der Brexit-Abstimmung trifft die englische Nationalmannschaft um 21 Uhr deutscher Zeit auf die Slowakei. In seinem letzten Gruppenspiel reicht dem Team von Trainer Roy Hodgson am heutigen Montag ein Unentschieden, um ins Achtelfinale einzuziehen.

Wollen die Engländer den Gruppensieg sichern und mögliche Achtelfinalgegner wie Spanien oder Deutschland vermeiden, brauchen sie einen Sieg. Entsprechend risikofreudig geht Hodgson in die Partie in Saint-Étienne. Der Coach werde seine Startformation auf sechs Positionen ändern und dabei auch Kapitän Wayne Rooney überraschend eine Pause geben, berichteten englische Zeitungen.

Hodgson will in der Dreier-Angriffsreihe wohl Jamie Vardy und Daniel Sturridge für die bislang enttäuschenden Harry Kane und Raheem Sterling von Beginn an bringen. Im Mittelfeld soll Jack Wilshere Rooney ersetzen, zudem ist ein Einsatz von Jordan Henderson für Dele Alli vorgesehen. Auf den Außenverteidigerpositionen plane Hodgson mit Nathaniel Clyne und Ryan Bertrand anstelle von Kyle Walker und Danny Rose, hieß es.

Trotz einiger Traumata, die Fußballengland in jüngster Vergangenheit verarbeiten musste – man denke nur an das peinliche WM-Aus 2014 und insgesamt vier Heimreisen nach einer EM-Gruppenphase - ist es mehr als wahrscheinlich, dass England die Vorrunde übersteht. Selbst nach einer Niederlage könnte sich England als einer der besten vier Gruppendritten in die nächste Runde retten.

Aufwind für EU-Anhänger, Trauer rund um Big Ben
Kampagnenbus der EU-Befürworter vor dem Parlament
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Nach der Wiederaufnahme des Wahlkampfes sehen sich die Befürworter eines Verbleibs von Großbritannien in der Europäischen Union im Aufwind. Buchmacher sehen das Pro-EU-Lager inzwischen deutlich vorn.

75 Prozent Wahrscheinlichkeit für „Bremain“
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Buchmacher taxierten die Wahrscheinlichkeit eines Verbleibs Großbritanniens in der EU dem Wettanbieter Betfair zufolge auf 75 Prozent, rund zehn Prozentpunkte mehr als am Freitag. In Großbritannien ging der Wahlkampf weiter, nachdem er Ende der vergangenen Woche wegen des Mordes an der Labour-Abgeordneten und EU-Befürworterin Jo Cox kurzzeitig ausgesetzt worden war.

Verstärkung für Wahlkämpfer
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Zudem wechselte drei Tage vor dem historischen Referendum eine bekannte Brexit-Befürworterin ins Pro-EU-Lager. Die konservative Oberhaus-Abgeordnete Baroness Warsi begründete ihren Schritt mit „Haß und Ausländerfeindlichkeit“, die sich in der Brexit-Kampagne breitmachten.

Trauer um Jo Cox in London
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Der Mord an der pro-europäischen Labour-Abgeordneten könnte sich als Wendepunkt erweisen. Am Nachmittag gibt es einen Trauermarsch der Parlamentsabgeordneten in Westminster.

David Cameron im Mini-Werk
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Der Regierungschef warb bei der BMW-Tochter in Oxford für einen Verbleib seines Landes in der EU.

Trauerfeier im Parlament
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Zwei Rosen erinnerten bei der Sitzung der Abgeordneten am Nachmittag an die verstorbene Jo Cox, die am vergangenen Donnerstag in Nordengland ermordet wurde.

Jeremy Corbyn
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In einer Rede rief der Labour-Chef zu einer höflicheren und behutsameren Politik auf. Das Land sei sich einig, „den Hass zu bekämpfen, der sie getötet hat“. Die Tat erscheine immer mehr als ein „Akt extremer politischer Gewalt“ und ein „Angriff auf die gesamte Gesellschaft“, sagte Corbyn.

Und doch ist die Begegnung am Montagabend eine ganz besondere. Es geht um viel mehr als nur um Englands Einzug ins EM-Achtelfinale. Denn würden die Three Lions gegen die einzige EU-Mannschaft der Gruppe B verlieren und am Ende sogar ausscheiden, würde ein Beben das Land erschüttern. Seine Ausläufer könnten das EU-Referendum am Donnerstag erreichen und seinen Ausgang mitbestimmen. Denn sportliche Großereignisse können politischen Wahlen entscheiden, wie diverse Studien zeigen.

Angst vor den Osteuropäern
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