Hängen und Würgen
Schon der britische EU-Beitritt war eine schwere Geburt

Es hat sie immer gegeben in Großbritannien – Gegner und Freunde Europas. Der Beitritt 1973 und das Referendum 1975 waren nur Etappensiege. Auch damals ging es vor allem um wirtschaftliche Interessen – wie heute.

BerlinDie Briten und Europa – das ist schon immer eine widersprüchliche Geschichte gewesen. Leidenschaftlich wird vor der Volksabstimmung auf der Insel am 23. Juni darum gerungen, ob Großbritannien in der EU bleiben oder der Union den Rücken kehren soll. Nicht minder emotional ging es beim Beitritt des Vereinigten Königreichs vor 43 Jahren zu. Ihm war ein jahrelanges und zähes Ringen vorausgegangen, was nicht nur die Schuld der Briten war.

Die Hauptakteure damals: Harold Wilson und Edward Heath auf der einen, Charles de Gaulle und Georges Pompidou auf der anderen Seite. 1958 hatten die Römischen Verträge die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) mit zunächst sechs Mitgliedern geschaffen. Die Briten waren nicht dabei, wollten auch nicht, und es sollte 15 Jahre dauern, bis es dann doch so weit war.

1963 wollten sie dann gerne – zum ersten Mal – was aber am Veto des französischen Präsidenten Charles de Gaulle scheiterte. Großbritannien sei weder politisch noch wirtschaftlich reif für einen Beitritt, argumentierte er, auch gegen die andere fünf, die einer britischen Mitgliedschaft durchaus wohlwollend gegenüberstanden.

De Gaulle befürchtete nicht zuletzt eine Art transatlantischer Gemeinschaft, in der die USA und Großbritannien das Sagen hätten, nicht aber Frankreich. Stattdessen setzte er auf die deutsch- französische Aussöhnung und das Bündnis mit Kanzler Konrad Adenauer.

Über vier Jahre ruhte die Beitrittsfrage, bis Labour-Premierminister Harold Wilson am 10. Mai 1967 einen neuen Antrag in Brüssel stellte. Aber es dauerte nur wenige Tage, bis de Gaulle erneut Bedenken äußerte. Im November 1967 folgte das offizielle französische Veto.

Wieder vergingen zweieinhalb Jahre, bis im Juli 1970 eine neue Verhandlungsrunde in Brüssel begann. Schon ein Jahr früher hatte der frisch gewählte französische Präsident Pompidou die Bereitschaft erkennen lassen, zumindest über einen Beitritt zu sprechen. Das war die Wende.

Vor allem Wilson und die Labour Party hatten den Europakurs über viele Jahre verfolgt, die Meinung der Bevölkerung aber war gespalten. Schon damals hat die Frage die britische Politik „beherrscht und zerklüftet“, schrieb der Diplomat Sir Con O'Neill, der die Verhandlungen mit Brüssel führte.

Seite 1:

Schon der britische EU-Beitritt war eine schwere Geburt

Seite 2:

Die Krux der Beitragszahlungen

Brexit
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%