Junge Briten lehnen Brexit ab
Ein Riss geht durch die Familien

Der überraschende Ausgang des britischen Referendums droht die Nation zu spalten: Von Nord nach Süd, von alt zu jung. Es zeichnet sich ein Konflikt der Generationen ab, denn gerade junge Briten sind enttäuscht.

LondonAm Tag nach dem Referendum strahlt über dem Londoner Himmel die Sonne – doch die Stimmung in Großbritanniens Hauptstadt ist alles anderes als heiter. Viele Städter sind enttäuscht über das Ergebnis des Referendums – gerade hier hatten sich viele überzeugt gezeigt, dass das Land nicht aus der Europäischen Union (EU) ausscheren wird. Keiner in ihrem Freundeskreis werde für „Leave“ stimmen, hatte die 29-jährige Rosie noch kurz vor der Wahl gesagt. Nur die Mutter ihres Freundes sei für den Ausstieg. Und auch eine junge Frau an der Bahnstation in London war überzeugt: „Wir müssen in der EU bleiben – dieser Meinung sind hier in London alle.“

Sie haben sich getäuscht. Wie so viele. 46,5 Millionen Briten hatten am Vortag ihre Stimme abgegeben. 51,9 Prozent der Wähler hatten für den Austritt aus der EU gestimmt. Somit wird Großbritannien aus der EU austreten.

Hätten nur Londoner abgestimmt, wäre die Wahl anders ausgegangen: Mehr als 60 Prozent der Hauptstädter hatten ihr Kreuzchen bei „Remain“ gemacht, in vielen Stadtteilen sogar über 78 Prozent – tatsächlich zählt die Stadt zu den Hochburgen der EU-Befürworter.

Auch in Schottland dürfte die Enttäuschung besonders groß sein: Mit 62 Prozent hatten hier 1,7 Millionen und somit besonders viele Wahlberechtigte für „Remain“ gestimmt. Das Gegenlager kam nur auf 38 Prozent. In Nordirland waren 55,8 Prozent für den Verbleib. In Wales und dem weitaus bevölkerungsstärksten England hingegen hatte das „Leave“-Lager gepunktet.

In England hatten 15,2 Millionen für den Abschied aus der EU gestimmt. Besonders viele „Leave“-Anhänger gab es in Cumbria, eine Grafschaft im Nordwesten Englands. Für Wirtschaftsexperten keine Überraschung: „Der typische Brexit-Gegner lebt in der Großstadt, ist sehr gebildet, eher jung und hat einen guten Job“, hatte Ifo-Präsident Clemens Fuest bei einer Clubabend des Handelsblatt erklärt. Städte wie London, aber auch Universitätsstädte wie Cambridge, Oxford, Liverpool, Manchester und Bristol erwiesen sich als Hochburgen der EU-Freunde.

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Der typische Brexiteer

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