Nach dem Brexit
Britische Autobauer geben sich gelassen

Die britische Autoindustrie verfällt nach dem Brexit-Votum nicht in Panik. Doch manche Branchenexperten sind weniger entspannt. Sie erwarten einen schleichenden Abschied internationaler Autohersteller von der Insel.

BristolDas rote Schild ist mittlerweile Kult und hängt überall in Großbritannien und das nicht erst, seit der Brexit beschlossene Sache ist. Mit den Worten „Keep calm and carry on“ – „Ruhig bleiben und weitermachen“, mit diesen Worten warb die Königin im Zweiten Weltkrieg um Ruhe bei der aufgeschreckten Bevölkerung. Es könnte auch das Motto der Autobauer sein, die auf der Insel produzieren.

In ihren ersten Reaktionen auf das Brexit-Votum üben sich der Hersteller in auffälliger Gelassenheit. Der britische Opel-Zwilling Vauxhall nimmt inhaltlich keine Stellung zur Entscheidung. In einem offiziellen Statement betont die GM-Tochter nur, dass man sich wünsche, dass „Verhandlungen über die zukünftige Beziehung des Vereinigten Königreichs zur EU zeitnah abgeschlossen werden“.

Auch bei Ford ändert der Brexit das Geschäft nicht. „Wir haben unsere bestehenden Investitionspläne nicht geändert und werden dies auch nicht tun, solange kein klarer Handlungsbedarf besteht“, teilt die Europazentrale in Köln mit. Jaguar Land Rover, britische Tochter des indischen Konzernriesen Tata Motors, erklärt sogar, am Freitag sei für das Unternehmen „Business as usual“ angesagt. Man bekenne sich trotz des Ausgangs des Referendums zu allen Werken und Niederlassungen in Großbritannien. Ist der Brexit also tatsächlich problemlos zu verkraften? Nicht ganz, sagt Autoprofessor Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management der FHDW Bergisch-Gladbach.

In einer Kurzstudie hat er untersucht, wie die britische Autoindustrie mittlerweile mit Kontinentaleuropa verwoben ist. Sein Fazit: „Der Brexit wird merkliche negative Auswirkungen auf die Automobilindustrie haben, die im Einzelnen noch gar nicht abschließend bewertet werden können.“

Betroffen seien vor allem Hersteller mit einer großen Produktion auf der Insel. Denn als Drittland werde Großbritannien zumindest am Anfang viele Nachteile im Handel mit der EU zu verkraften haben. „Die Aushandlung von Kooperationsverträgen wird Jahre dauern. Und das Ergebnis ist aus heutigem Stand völlig offen“, sagt Bratzel. Insgesamt sei mit einem Kostenanstieg zu rechnen, was das Land als Produktionsstandort unattraktiver mache.

Gerade die Konzerne, die derzeit besonders bemüht sind, sich gelassen zu geben, dürften am Ende am stärksten betroffen sein, schreibt Bratzel. Vor allem die japanischen Hersteller haben stark in Großbritannien investiert. Nissan baut hier insgesamt rund 488.000 Fahrzeuge, Toyota kommt auf etwa 190.000 Wagen. Doch gerade die Japaner sind es gewohnt, mit Ausnahmesituationen auf den Weltmärkten umzugehen und scheuen sich in der Regel auch nicht, ihre Produktion im Zweifelsfall zu verlegen. „Mittel- und langfristig ist auch mit Standortverlagerungen von der Insel in die EU zu rechnen“, sagt Bratzel deswegen. Es sei mit einem schleichenden Abschied der Autoindustrie von der Insel zu rechnen.

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