Polen in Großbritannien
„Wir übernehmen die Jobs, die kein Brite machen will”

In Großbritannien leben und arbeiten etwa 850.000 Polen. Sie bilden die größte Gruppe von EU-Einwanderern auf der Insel. Wie sehen Polen in London die Abstimmung der Briten über ihre EU-Zugehörigkeit? Ein Ortsbesuch.
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LondonDer Mann war eigentlich nie der Typ, der sich für Politik interessiert hat. Piotr Weglarczyk ist Fahrer, zeitweise hat er für eine kleine Spedition gearbeitet, inzwischen für ein Taxiunternehmen. „Meine freie Zeit verbringe ich eigentlich lieber mit meiner Frau und Tochter – und ab und zu auch im Pub“, erzählt der Mittdreißiger aus dem Londoner Norden.

Vor einigen Monaten aber hat er seine Einstellung zu Politik geändert: „Die ganze Debatte hier über die EU-Zugehörigkeit Großbritanniens und woran all die Einwanderer hier Schuld sein sollen, vor allem die aus Polen... Deshalb hab ich versucht, die Leute aufzuklären, ihnen zu sagen, wie es ist wirklich ist mit den hier lebenden Polen“, sagt Weglarczyk. „Nämlich dass sie Jobs übernehmen, die kein Brite machen will, dass sie hier arbeiten und in die Sozialkassen einzahlen und keine Schmarotzer sind.“ Zeitweise habe er überlegt, noch aktiver zu werden, sich einer politischen Bewegung anzuschließen. „Aber mir ist schnell klar geworden: Die Leute wollen gar nicht hören, was ich ihnen erzähle. Die haben ihre eigenen Sorgen.“

Etwa 850.000 Polen leben nach Schätzungen von Experten in Großbritannien. Sie bilden die größte Gruppe der auf der Insel lebenden EU-Ausländer und sind zu einem Symbol geworden für die Veränderungen des Landes durch die Zugehörigkeit zu der Staatengemeinschaft. Sie haben die sogenannte Arbeitnehmerfreizügigkeit in einem größeren Ausmaß als andere genutzt, um auf der Insel leben und arbeiten zu können.

Doch dieses Recht ist jetzt bedroht. Politiker, die sich dafür einsetzen, dass Großbritannien der EU den Rücken kehrt, wollen die Einwanderung begrenzen. Zu groß sei der Druck der Menschen aus anderen Ländern auf die Sozialkassen, auf das Schul- und Gesundheitssystem sowie auf den Wohnungsmarkt und das Lohnniveau – so ihre Argumentation, die in der Bevölkerung etliche Unterstützer hat.

Auch in Polen sehen Politiker die Auswanderung mit gemischten Gefühlen: Dass die besten Köpfe das Land verlassen, das sei sein „persönliches Trauma“, sagte Jaroslaw Gowin, Polens stellvertretender Ministerpräsident, in einem Interview mit der „Financial Times“.

Die britische Regierung unter Premier David Cameron hat zwar schon vor Jahren versprochen, die Zahl der Einwanderer zu senken. Doch das Gegenteil ist passiert. Im vergangenen Jahr ist diese Zahl um fast 30 Prozent auf 330.000 Einwanderer gestiegen – eine Entwicklung, die eine ganze Reihe von Briten umkehren wollen und die große Sorgen unter den auf der Insel lebenden Polen ausgelöst hat. Sie sehen der Abstimmung mit Angst und großer Verunsicherung entgegen – das haben 72 Prozent der Befragten in einer Umfrage des polnischen Meinungsforschungsinstituts Ibris angegeben.

Zu einem gewissen Grad haben einige der Polen aber gleichzeitig auch Verständnis für die britische Sicht: „Ich finde es auch nicht richtig, wenn man in ein anderes Land einfach nur kommt und Sozialleistungen kassieren will, obwohl man gar nicht in die Kasse eingezahlt hat“, sagt eine polnische Friseurin in einem Salon im Londoner Westen. „Ich könnte daher gut damit leben, wenn die britische Regierung so etwas einschränkt.“

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„Die können uns doch nicht einfach so rausschmeißen, oder?“

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  • Richtig überall die Konkurrenz, was unsereiner leisten muss, können Sie sich nicht vorstellen.

  • << Diese Freizügigkeit in der EU existiert aus einem Primärgrund: Um die Personalkosten zu reduzieren, denn irgendwo, spätestens in Rumänien/Bulgarien gibt es Leute mit den Skills die für einen absoluten Hungerlohn diese Arbeit machen. >>

    Genau auf den Punkt gebracht, Herr Fischer. Ohne Armutseinwanderung wäre bei uns ein Mindestlohn von brutto 8,50 Euro nicht zu halten. Und selbst den wollen einige aus dem Dienstleistungssektor noch abschaffen.

  • Man brauch keine Lobby-EU damit man in England arbeiten kann. England bestimmt wer bei ihnen im Land arbeiten bzw. einwandern darf. Und wenn die Polen gebraucht werden oder andere Ausländer, dann wird man diese auch weiterhin in England beschäftigen bzw. einwandern lassen.
    Die Freizügigkeit bleibt weiterhin da. Jedoch wird England nach einen Brexit souverän und eigenverantworltich wieder darüber bestimmen können, wer in England beschäftigt wird und einwandern darf.

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