Royal Highland Show vor der Wahl
„Beide Lager geben uns nicht die vollen Informationen“

Für britische Viehzüchter ist diese Wahl bedeutender als das Brexit-Referendum: In Edinburgh werden auf der Royal Highland Show Großbritanniens beste Züchtungen gekürt. Thema ist der mögliche EU-Austritt dort trotzdem.

EdinburghFür John Harrison gibt es an diesem Donnerstag eine wirklich wichtige Wahl – und bei der hat er einen respektablen sechsten Platz von 22 gemacht. Entsprechend stolz steht der Züchter neben seinen prämierten Lleyn-Schafen, die die Preisrichter auf der Royal Highland Show überzeugt haben. Die Brexit-Wahl hat der Landwirt wohlweißlich schon vor Tagen per Brief erledigt. „Ich bin für die EU, weil wir Teil von etwas größerem sein sollten. Aber völlig überzeugt bin ich nicht“, sagt er.

Die Meinungen auf der Landwirtschaftsschau mit Volksfest vor den Toren Edinburghs sind gespalten. Zehntausende Menschen sind an dem Werktag auf dem Freigelände, auf dem die Highlands-Bauern ihre Pferde, Ziegen, Schafe und Rinder zeigen – und es reichlich Essensstände gibt, dazu schottische Landmode. Viele davon leben von den Subventionen der EU, die häufig mehr als die Hälfte ihres Einkommens ausmachen. Daher ist von einem möglichen Brexit kaum jemand so betroffen wie die Bauern.

Caroline Cuthbertson etwa versteht bei ihren Highland-Rindern keinen Spaß. Wer die blonde Mähne ihrer Tiere mit der Frisur des US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump vergleicht, erhält eine harsche Reaktion. „Bringen Sie meine Tiere nicht in Verbindung mit diesem Mann“, zischt sie. Dabei liegt sie bei der Brexit-Frage mit dem Republikaner auf einer Linie. Auch sie hat sich für den EU-Austritt entschieden – vor allem wegen der Migranten. „Britische Jobs für britische Leute“, fordert sie. „Ich habe nicht gegen Ausländer, aber einige kommen doch nur wegen unserer Sozialleistungen“, ärgert sie sich – und wendet sich wieder den mächtigen Bullen mit den imposanten Hörnern zu.

Ein Milchbauer einige Reihen weiter in der großen Rinder-Halle ist unentschlossen. „Beide Lager geben uns einfach nicht die vollen Informationen“, meint er. Wählen wird er daher nicht. Dabei ist der Bauer aus Ayrshire vom europaweiten Verfall der Milchpreise nach dem Fall der EU-Milchquote durchaus betroffen. Aber: Er beliefert die europaweit tätige Molkerei-Gruppe Arla – und die wiederum zahlt noch ganz gut, findet er. Trotzdem: „Da muss man was machen. Wir brauchen weniger Kühe, dafür mehr Gewinn.“

Schließlich hängt an den Tieren auch die Kultur des gebirgigen schottischen Kernlands. Die Agrarshow mit Volksfest zeigt die Vielzahl der Rassen auf den Highlands, vorgeführt von trinkfesten Farmern. Schon am Nachmittag sind jedenfalls einige Whiskey-Flaschen leer.

Zugleich sind auch die großen, hochprofessionellen Betriebe der Branche auf dem Festival. Aldi Süd hat einen großen Stand, ebenso Müller Milch. Klar entschieden hat sich ein Manager eines großen Fleischverarbeiters im Zelt der staatlich gestützten Marketing-Gemeinschaft „Quality Meat Scotland“. Er ist klar für die EU-Mitgliedschaft. Schließlich liefert sein Betrieb viel auf den Kontinent. „Mein Business wird viel besser laufen, wenn wir in Europa bleiben“, ist er überzeugt. Offiziell darf er nichts sagen: Die staatlich finanzierte Marketing-Gemeinschaft muss vier Wochen vor dem Referendum – und am Tag selbst – zu politischen Fragen schweigen. Aber Schweigen – das liegt der Agrar-Branche nicht.

Unabhängig ob Brexit oder nicht: Gefeiert wird auf der Royal Highland Show noch das ganze Wochenende. Schließlich sind noch viele Preise zu verteilen. Gerade sind die noblen schottischen Pferde an der Reihe.

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